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Fake News – "gerade unseriöse Berichte sind beeindruckend erfolgreich"

Die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig hat ein drittes Buch veröffentlicht, das sich mit Fake News beschäftigt. Doch nicht die sogenannte Lügenpresse bringt sie auf, sondern unseriöse Portale. Für die Verbreitung sorgen die User selbst.

Wütende Gesichter

Haters gonna hate: Starke Emotionalisierung fördert hitzige Debatten, in denen sich nicht mit dem Kern der Berichterstattung auseinandergesetzt wird, sondern vielmehr mit der Meinung anderer User. Meist sehr persönlich und beleidigend.

Noch nie wurde die Presse öffentlich so viel kritisiert. In den sozialen Netzwerken führt die Stimmung in der letzten Zeit dazu, dass unzählige Nachrichten angezweifelt und deren Autoren als Lügner hingestellt werden. Das Misstrauen der Leser gegenüber den klassischen Medien hat so stark zugenommen, dass ein Großteil der Meldungen als Fake News bezeichnet werden. Der Dichter Christian Morgenstern hat das Phänomen, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“ schon vor mehr als hundert Jahren beim "Palmström" die "Unmögliche Tatsache" genannt. Ganz ähnlich geht der "besorgte Bürger" mit Wahrheiten um, die ihm nicht passen.

Ingrid Brodnig erklärt in " im Netz", ihrem dritten Buch über Hetze, Hass und Anonymität im Internet, wie diese Irrtümer entstehen. Sie hat zum Beispiel eine ehemals die CSU wählende Bayerin interviewt, die nun der AfD nahesteht. Diese hatte sich über die Nachricht echauffiert, dass Angela Merkel zwölf Millionen Flüchtlinge nach Deutschland holen will. Eine Falschmeldung. Doch dass sie auf die Nachricht hereingefallen ist, ärgerte die Userin nicht. Denn "es kann ja passieren". Was noch nicht ist, kann ja noch werden, also regt man sich besser schon mal auf. Die positiven Aspekte des Internets, Beschleunigung von Recherchen, direkter Zugang zu Quellen, Aufklärung und Information werden derzeit durch die aktuelle Meinungsmache in den sozialen Medien überlagert.

Überfordert mit der Rezeption?

Täglich überflutet von News, machen sich viele Nutzer weder die Mühe, deren Richtigkeit zu hinterfragen, noch lesen sie die zur Überschrift gehörenden Texte. Ihnen reicht ein entsprechendes Stichwort – und dem Reiz zu reagieren wird sofort nachgegeben. Emotionalisierende Formulierungen tragen dazu bei, dass die Wellen in den Kommentaren immer höher schlagen.

Gerade vor Wahlen wird es jedoch immer wichtiger, den Manipulationen auf den Grund zu gehen. Weil die "alternativen Medien" behaupten, als einzige wahrheitsgemäß zu berichten und gleichzeitig mit ihrer Propaganda den "Altparteien" den Kampf ansagen, steigt die Gefahr, dass immer mehr Menschen darauf hereinfallen. Und das sind oft auch gebildete, ehemals konservative Wähler. Dass sie etwa in der AfD noch konservativere und fremdenfeindlichere Haltungen finden als bei der CDU/, scheint ihnen Beweis genug, deren Behauptungen zu vertrauen.

Da hilft nur Innehalten und die Quellen checken

Brodnig zeigt zahlreiche Motive für gezielte Falschmeldungen auf, verrät jedoch auch simple Tricks, diese zu entlarven. Drei von ihnen lauten:

  • Wenn ein Beitrag großes Staunen oder Entsetzen auslöst, sollten wir die Quelle überprüfen, denn starke Emotionalisierung ist ein erster Indikator für Manipulation.
  • Quantität statt Qualität: Wenn etwa aufwendig erstellte Infografiken scheinbar Transparenz liefern, sollte man immer herausfinden, wer sie erstellt hat.
  • Die Quelle googeln, wenn man sie nicht kennt. Handelt es sich um eine tendenziöse Seite, findet man online schnell Hinweise darauf.


Für jemanden, der sich eine Meinung bilden will, ist das ein Minimalaufwand, doch zu dem muss man auch bereit sein. Gängige Praxis scheint derzeit vielmehr die umgekehrte Herangehensweise zu sein: Sieht der Leser seine Meinung bestätigt, glaubt er dem Autor allzu gern. Aber Demokratie bedeutet Verantwortung, die jeder Wähler übernehmen muss. Für sich, nachfolgende Generationen sowie für Klima und Nationen, die mit größeren Problemen zu kämpfen haben als die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.


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