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Der Aufschrei gegen Alltagsrassismus

Mit einem Klick zur Aufklärung: Unter dem Hashtag "SchauHin" hat sich bei Twitter eine neue Bewegung formiert, initiiert von der Bloggerin Kübra Gümüşay. Ein Schlagwort mit Trendwert.

Von Steffi Hentschke

  Sie will, dass Alltagsrassismus öffentlich diskutiert wird: Bloggerin und Journalistin Kübra Gümüşay

Sie will, dass Alltagsrassismus öffentlich diskutiert wird: Bloggerin und Journalistin Kübra Gümüşay

  • Steffi Hentschke

Kübra Gümüşay kennt sich aus mit Alltagsrassismus: Die 25-jährige Hamburgerin hat keinen deutschen Namen, ist muslimisch, trägt Kopftuch - und musste sich deshalb bereits als "Schleiereule" beschimpfen lassen oder für ihr einwandfreies Deutsch rechtfertigen. Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat die Bloggerin und Journalistin bei Twitter einen Hashtag etabliert. Unter dem Stichwort "SchauHin" können Nutzer von ihren Erfahrungen berichten. "Man braucht nicht lange nach einem Anlass oder der Relevanz zu suchen", erklärt Gümüşay dazu auf ihrem Blog. "Rassismus ist immer aktuell, immer relevant, immer ein Anlass."

Wie relevant ein Hashtag werden kann, hat das Beispiel "Aufschrei" Anfang des Jahres bewiesen: Nachdem die stern-Journalistin Laura Himmelreich über sexistische Bemerkungen des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle berichtet hatte, entwickelte sich binnen weniger Tage eine Lawine von Tweets: Zirka 57.000 Mal nutzten Frauen das Etikett "Aufschrei", um ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus in 140 Zeichen zu schildern - und brachten damit eine breite Debatte über den Umgang mit dem Thema ins Rollen. Erst kürzlich wurde die Bewegung mit einem Grimme-Online-Award geadelt. Die Hoffnung der Jury: "Weitere gesellschaftlich virulente Themen sollen eine digitale Diskussionsheimat finden, gestützt von einer neuen, verzahnten On- und Offline-Debattenkultur", wie es auf der offiziellen Website heißt.

Hoffnung auf einen neuen #Aufschrei

Das wünscht sich auch #SchauHin-Initiatorin Gümüşay. Sie hatte die Idee dazu während einer Blogger-Konferenz der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und begann, nach einem geeigneten Hashtag zu suchen. Insofern ist #SchauHin ein konstruierter Twitter-Protest - aber einer mit der Aussicht auf Erfolg. Das zeigen die Reaktionen und Tweets, die seit dem Wochenende einlaufen, der Hashtag hat es zeitweilig weit oben in die deutsche Twitter-Trendliste geschafft.

Derzeit erlebt der Hashtag eine kleine Flaute. Ein möglicher Grund dafür könnten die vielen Troll-Tweets sein, mit denen manche Nutzer die Bewegung unterlaufen wollen - oder mit rassistischen Sprüchen herumpöbeln. Die Unterstützer lassen sich davon aber nicht aufhalten und haben für #SchauHin mittlerweile einen eigenen Twitter-Account eingerichtet. Denn neben der Aufmerksamkeit durch die Medien erfüllt das Tweeten auch einen anderen Zweck, zumindest für die Initiatorin Gümüşay: "Das Teilen der Erlebnisse macht nicht schwächer oder gar erneut zum Opfer. Ganz im Gegenteil, das Teilen nimmt die Last von den Schultern, es macht öffentlich, was oft verborgen blieb", schreibt sie auf ihrem Blog.

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