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29. Oktober 2009, 20:28 Uhr

Am Anfang war ein Absturz

Kein Interesse, kein Bedarf, kein Verständnis

Ein Schlüssel für die Vernetzung von Computern war die Fähigkeit, Informationen in kleine digitale Datenpakete herunterzubrechen und auf diese Weise versandfähig zu machen. Kleinrock hatte darüber bereits 1962 eine Doktorarbeit vorgelegt. Als er seine Idee den Telefongesellschaften zum Kauf anbot, hagelte es Absagen. "Niemand kümmerte sich darum", berichtet er. "Sie haben mir gesagt, es würde nicht funktionieren, und falls doch, hätte ohnehin niemand Interesse daran." Das war eine Fehleinschätzung: Inzwischen haben etwa 1,7 Milliarden Menschen weltweit Zugang zum Internet, in Deutschland etwa sind es 70 Prozent der Bevölkerung.

Nach dem ersten Fehlschlag hatten die Arpa-Forscher Erfolg. Innerhalb weniger Monate schlossen sich auch die Universitäten in Santa Barbara und Utah an. Das war die Keimzelle des Internets - und von allem, was noch kommen sollte: Grafisch gestaltete Websites, E- Mails oder Internet-Telefonie zum Beispiel.

Die heutige "Architektur" des Internets schufen tausende Ingenieure erst in den 70er und 80er Jahren, doch Kleinrock und Kollegen legten ein Fundament, das immer noch Bestand hat. So verzichteten sie auf eine zentrale Steuerung und setzten auf offene technische Standards, die jeder nutzen und weiterentwickeln durfte.

"Deswegen kann niemand das Internet abschalten und - vielleicht noch wichtiger - die Entwicklung neuer Anwendungen unterbinden", erklärt die Expertin Jeanette Hofmann. Das trage maßgeblich zur Innovationsdynamik bei, sagt die Politologin vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Aus den frühen Tagen ist allerdings ein Konstruktionsfehler geblieben: "Wir haben damals keine Sicherheitsmaßnahmen eingebaut", sagt Leonard Kleinrock. Das Netz war und ist offen und anonym - jeder kann sich anmelden, ohne sich zu identifizieren. Als sich noch alle Nutzer persönlich kannten, war das kein Problem. "Heute ist das perfekt für die dunkle Seite", so der Ingenieur. Im Oktober 1969 hatte man noch mit anderen Problemen zu kämpfen.

Kleinrock glaubt, dass der Siegeszug noch lange nicht beendet ist. "Das Internet wird überall präsent sein, es wird in die reale Welt vordringen", prophezeit Kleinrock. "Wenn ich einen Raum betrete, wird es wissen, dass ich da bin. Es wird mit mir reden."

Internet vs. World Wide Web Die Begriffe Internet und World Wide Web werden im Sprachgebrauch häufig gleichgesetzt. Technisch besteht allerdings ein erheblicher Unterschied. Das Internet ist ein weltumspannendes Netz von vielen einzelnen Computer-Netzwerken. Zahlreiche Dienste erwecken diese Infrastruktur erst zum Leben - zum Beispiel E-Mail, Chat, Dateiübertragung oder auch Internet-Telefonie. Einer der bekanntesten Dienste ist das World Wide Web (WWW), das die Übertragung von Webseiten ermöglicht. Zur Anzeige brauchen Nutzer einen Browser wie den Internet Explorer, Mozilla Firefox, Safari oder Opera.

Für alle Dienste sind straffe Standards notwendig, da die im Internet verbundenen Rechner und die eingesetzte Software höchst unterschiedlich sind. Das WWW bedient sich bei der Übertragung von Seiten des HTTP-Protokolls (Hypertext Transfer Protocol). Für die Programmierung der Web-Seiten wird die Hypertext Markup Language (HTML) eingesetzt. Im Adressfeld des Browsers steht der Uniform Resource Locator (URL), mit dem Inhalte im Web gefunden werden.

DPA/AFP
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