Manch eine Leseratte der neuen Generation spart mit Hilfe der Kurzbücher sogar Geld: »Viele Neuerscheinungen klingen auf den ersten Blick reißerisch, bringen aber inhaltlich wenig Neues«, sagt der Lausanner Wirtschaftsprofessor Max von Zedtwitz. »Nach Lesen der Zusammenfassung weiß ich, ob ich das Buch kaufen werde oder nicht.«
Selbst die Auswahl der Bücher kann man heute Agenturen überlassen. »Vielbeschäftigte Manager wollen nicht unter Tausenden von Titeln wählen«, sagt Business-Bestsellers.de-Gründer Alexander Krunic. Bei seiner Firma bezahlen Kunden dafür, monatlich die drei wichtigsten Wirtschaftsbücher als Zusammenfassung zu erhalten.
Wirtschaftstitel sind die unbestrittenen Stars der Kurzbuchliga. Zwar sind auch Reisebücher, Romane und die Bibel als »literarischer Quickie« zu bekommen. Die meisten Kurzbuch-Anbieter - etwa Isi- check.de, Ise-online.net, Summaries.Com oder Summary.Com - verstehen sich aber als Infokanäle für ökonomische Literatur. Wenige Firmen setzen andere Schwerpunkte: Shortbooks.de etwa fasst Job- und Sex- Ratgeberbücher zusammen.
»Mit Wirtschaftsbüchern kann man am besten Geld verdienen«, sagt getAbstract-Chef Bergen, dessen Firma seit diesem Jahr schwarze Zahlen schreibt. Umsatzzahlen nennt er jedoch nicht. In den Naturwissenschaften sei ein vergleichbares Angebot nicht so wichtig, da alle neuen Veröffentlichungen ohnehin über eine Zusammenfassung (Abstract) verfügten.
Angst vor dem Ende des Buches hat in der Branche trotzdem niemand. »Das ist doch Werbung für unseren Verlag«, sagt Corinna Rygalski vom Frankfurter Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter. »Solche Tools können zum Finden des richtigen Buches eine große Hilfe sein«, ergänzt Eugen Emmerling, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Arno Schütze