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18. Juni 2008, 15:43 Uhr

Die Masche mit der Tasche

Im Buch erwähnen Sie eine Birkin Bag, die Sie für 22.000 Dollar gekauft und für 25.000 Dollar verkauft haben. Das sind 3000 Dollar Gewinn. War das Ihre übliche Marge?

Der Gewinn hat zwischen ein paar tausend und 15.000 Dollar geschwankt. Er hängt von der Tasche und der Nachfrage ab. Meine teuerste Tasche hat 34.000 Dollar gekostet. Verkauft habe ich Sie für 49.000 Dollar.

Sie haben herausgefunden, wie Sie in jedem Hermès-Geschäft eine Birkin Bag kriegen. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Irgendwann habe ich bemerkt, dass mir Verkäufer eine Birkin Bag anbieten, wenn ich 1000 Dollar oder mehr ausgebe und erst dann danach frage.

Michael Tonello war Visagist, bevor er als Ebay-Händler Erfolg hatte© HarperCollins

Viele Kunden haben Ihnen Wunschlisten mit Dingen geschickt, die Sie für sie einkaufen sollten. Warum haben Sie trotzdem weiterhin bei Ebay gehandelt?

Um eine Birkin Bag zu kriegen, musste ich ja viele andere Waren kaufen. Irgendwann stand mein ganzes Gästezimmer voll mit orangefarbenen Kartons. Diese Waren habe ich bei Ebay eingestellt - meistens Sachen im Wert von 300 bis 1000 Dollar. Zeitweise liefen 60 Auktionen gleichzeitig. Ich biete heute noch Reste aus dieser Zeit bei Ebay an.

Um die Birkin Bags zu kaufen, sind Sie von Stadt zu Stadt gereist.

Ich habe jetzt 110 Stempel in meinem Reisepass. In jeder Stadt bin ich im besten Hotel abgestiegen und habe in den besten Restaurants gegessen. Aber es war auch anstrengend. Ich war ja kein Tourist, sondern habe gearbeitet.

Sie haben diesen Luxus auch genossen.

Natürlich. Ich habe immer davon geträumt, so zu leben, und nun konnte ich es machen. Ich habe wie ein Milliardär gelebt, obwohl ich keiner war.

Funktioniert dieses Geschäft nur mit Hermès oder auch mit anderen Marken?

Ich kenne auch Leute, die mit Gucci, Louis Vuitton, Bottega Veneta oder Chanel Erfolg hatten. Wobei ich sagen muss: Hermès ist die beste Marke von allen. Das Unternehmen hat es geschafft, dass die Nachfrage immer höher ist als das Angebot. Wenn ich heute ein Portemonnaie für 600 Euro kaufe, ist es in fünf Jahren doppelt so viel wert, weil Hermès die Preise erhöht hat. Deswegen lässt sich selbst ein gebrauchtes Portemonnaie gut weiterverkaufen. Sogar Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's versteigern Hermès-Waren.

Ihre Artikel sind sehr teuer. Haben Sie Auch erlebt, dass Bieter misstrauisch wurden und nicht online so viel Geld ausgeben wollten?

Früher hatte ich diese Probleme nicht. Aber es ist ein bisschen schwieriger geworden, auch wenn ich das Gefühl habe, dass Ebay viel dafür tut, Käufer und Verkäufer zu schützen. Ich kann nur jedem raten, sich den Händler gut anzusehen, bei dem er etwas kauft. Wenn jemand noch nie etwas bei Ebay verkauft hat und plötzlich teure Taschen anbietet, würde ich misstrauisch werden. Ich selbst hatte nur ein- oder zweimal richtig Ärger.

Wenn man Ihre Geschichte hört, würde man am liebsten selbst anfangen, mit Luxus-Waren zu handeln. Haben Sie einen Tipp, wie man als Händler genauso erfolgreich wird wie Sie?

Es gibt viele Leute, die mich das fragen. Ich sage ihnen immer, dass sie ihren Speicher ausräumen und darauf achten sollten, welche Gegenstände ihnen am meisten Spaß machen. Bei mir waren es Bücher und Mode, bei jemand anderem könnten es Spielzeugautos sein. Ich glaube, dass man alles bei Ebay verkaufen kann. Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht.

Zur Person Bevor Michael Tonello, 49, Birkin-Taschen verkaufte, arbeitete er als Visagist. Der Amerikaner lebt heute in Barcelona und schreibt Lifestyle-Kolumnen für die Website "The Huffington Post". Seine Erlebnisse als Ebay-Verkäufer beschreibt Tonello in seinem Buch "Bringing Home the Birkin", das eben bei HarperCollins in den USA auf Englisch erschienen ist (circa 17 Euro).

Interview: Serge Debrebant
Seite 1: Die Masche mit der Tasche
Seite 2: Im Buch erwähnen Sie eine Birkin Bag, die Sie für 22.000 Dollar gekauft und für 25.000 Dollar verkauft haben. Das sind 3000 Dollar Gewinn. War das Ihre übliche Marge?
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Eisenbaer (20.06.2008, 17:53 Uhr)
Arme, Reiche...
...gibt es beide. Jeder hat so seine eigenen Probleme. Die eine sehnt sich nach überhaupt einer eigenen Handtasche, für die andere sind eben 25.000 Euro ein besseres Trinkgeld.

Na und? Kann keiner ändern, ist eben so. - Oder: Viel Spaß dabei!

Der Sinn einer Zeitschrift besteht aber nicht in dem Umbau der Gesellschaft - sieht man mal von dem "Neuen Deutschland" oder dem "Stürmer" ab - sondern in einer Beschreibung der Umstände sowie der Welt, in der wir leben. Wen es stört einen solchen Artikel zu lesen, der braucht es auch nicht tun. DIESE Freiheit hat ein jeder von uns.
Justin75 (20.06.2008, 11:21 Uhr)
Ein Fall für den Presserat
... mehr kann man zu diesem Werbe-Geschmiere nicht sagen.
Asteriskina (20.06.2008, 11:08 Uhr)
uij...Werbung pur
Auch Stern sollte Redaktion und Werbung strikt trennen. Puh........!
tagora-sagittara (20.06.2008, 10:47 Uhr)
Sowas hässliches kaufen...
nur gelanweilte Amöben... SEHEN - KLICK - GEKAUFT,... mehr Gehirnmasse ist einfach nicht vorhanden :-))
Kalox (20.06.2008, 08:50 Uhr)
spinner gibt es überall...
...die einen kaufen solche hässliche taschen, die anderen rufen bei nepp-sendern an, für jeden geldbeutel das passende!
Crossbow (20.06.2008, 07:54 Uhr)
Für diese Oma-Tasche...
...mehr als 5.000.- Euro??? Sieht aus wie aus Omas Schrank der 50er/60er Jahre. Es steht wohl wirklich jeden Morgen ein Depp auf, man muß ihn nur finden.
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