Das ist vorbei. Mir haben viele Leute angeboten, ich soll es wieder machen und etwas für sie aufbauen. Nein! Das war so eine stressige Zeit – fürchterlich!
Jein. Was ich zeigen wollte in dem Buch ist erst einmal, dass das Geschäft nicht so easy ist. Es ist immer etwas Neues passiert, weil alles neu war. Wir sind damals mitgewachsen mit einem neuen Markt. Ich glaube, das ist heute einfacher.
Weil die Systeme inzwischen erprobt sind. Als wir begonnen haben, war von Paypal zum Beispiel noch gar keine Rede. Dann ist Paypal erfunden worden. Dann hat Paypal immer neue Sachen eingeführt, etwa wenn der Kunde nicht zufrieden ist mit der Ware, kann er einfach den Betrag blocken und kriegt sein Geld zurück. Wahnsinn! Dann haben natürlich hunderte Leute irgendeine Kleinigkeit auszusetzen gehabt und sofort ihr Geld geblockt. Bis PayPal darauf gekommen ist, dass es so auch nicht geht. Heute gibt es ein anderes Verfahren dafür. Oder Bewertungsrücknahmen. Da gab es früher auch die wüstesten Systeme.
Sicher. Und ganz ehrlich: Das haben wir uns auch überlegt. Wir haben es nie durchgezogen, aber es ist wahnsinnig leicht. Etwa die Geschichte mit dem Autoradio. Da haben zwei Typen bei uns ein Autoradio auf 40 Millionen Euro raufgeboten. Im Prinzip egal, aber wenn das verkauft ist, fallen 3,5 Millionen Euro Gebühren an. Und in dem Moment wird das Konto gesperrt.
Niemand hat dort daran gedacht, dass jemand so etwas tun könnte. Die Idee ist auch nicht dumm. Die Betrüger haben das natürlich am Freitag Nachmittag eingefädelt, als damals niemand mehr erreichbar war bei Ebay. Und bis Montag früh konnten wir keine neuen Artikel mehr einstellen. Mit der Bürokratie bei Ebay hat es dann bis Mittwoch gedauert, bis wir wieder ein Konto hatten, mit dem wir Artikel listen konnten.
Durchaus. Im Weihnachtsgeschäft haben einmal angebliche Kunden per Nachnahme Ware zu Fantasieadressen in Italien bestellt. Ganz teure Sachen wie Hightech- Kameras und LCD-Fernseher, nichts unter 1000 Euro. Wir waren natürlich happy, haben alles rausgeschickt. Irgendwann haben wir gecheckt, dass diese Ad- ressen nicht existieren. Und im Januar haben wir dann für eine halbe Millionen Euro Ware zurückbekommen, die zur der Zeit fast unverkäuflich ist.
2,5 bis 3 Millionen Euro.
Am Ende haben wir uns ausgerechnet, dass wir für den Betrag auch eine Riesen- Shoppingmall hätten kaufen können. Und mit den steigenden Gebühren konnten wir kaum mithalten. Als die Gebühren am Anfang noch recht niedrig waren, haben wir in Europa Ware eingekauft. Dann haben wir gesehen, dass es sich nicht mehr lohnt, deshalb haben wir begonnen, sehr viel Grauware zu importieren und Elektronik zu verkaufen. Dann hat sich das auch nicht mehr gelohnt, weil die Gebühren wieder raufgingen und die Margen runter. Also fingen wir an, Produkte direkt aus China zu importieren. Und das hat eigentlich bis zuletzt gut funktioniert – wenn wir nur mit der Finanzierung hingekommen wären.
Ich rate allen, darauf zu achten, dass ihre Ware möglichst garantie- und problemfrei ist. Wir haben damals zum Beispiel sehr gute Erfahrungen gemacht mit Produkten, die man verbaut, etwa Autoelektronik oder Duschen. Das ist ideal, weil der Kunde ein gewisses Maß an Wissen über diesen Artikel hat – sonst bestellt er ihn gar nicht, weil er ihn nicht einbauen kann. Wenn bei so einem Kunden eine Kleinigkeit kaputt ist, und das kann einfach passieren, dann kann er es selbst reparieren. Wenn ich aber mit Kunden handle, die keine Ahnung von einem Produkt haben, ist alles viel schwieriger. Da wird auch mal ein Fernseher als defekt zurückgeschickt, weil jemand den Einschaltknopf nicht findet.
Auf alle Fälle. Das ist eine Falle, die erst nach sechs Monaten zuschnappt. Am Anfang funktioniert alles super, weil sich noch kein Kunde beschwert – und nach einem halben Jahr geht es plötzlich los.
Ich arbeite als eine Art Künstler. Ich suche Motive aus und lasse sie in China in Öl malen. Das verkaufe ich in Galerien hier in Wien, in Amsterdam und in London. Und ich berate Firmen in Sachen Ebay und beim Import aus Fernost.
Nein, ich habe Erfahrung und aus meinen Fehlern gelernt. Sie interviewen mich ja auch, obwohl ich pleitegegangen bin.
Ich kann davon leben. Ich leide aber immer noch unter dem Konkurs. Ich konnte mich mit zwei Banken vergleichen, aber eine dritte steigt mir noch nach, und wenn ich mich mit der vergleichen kann, habe ich es vielleicht bald hinter mir. Wenn nicht, kann das noch jahrelang gehen.
Nein. Der Großteil der Kunden hat ja sowieso von Ebay und Paypal über den Käuferschutz das Geld wiederbekommen. Deswegen hält sich mein Mitleid für die Kunden in Grenzen. Aber ich habe mir gegenüber ein schlechtes Gewissen. Ich habe schließlich mein ganzes Vermögen verloren.