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11. Dezember 2009, 12:08 Uhr

Königliche Fete für das Echtzeit-Netz

Einfallsreichtum der Amerikaner

Es ist die Art von Einfallsreichtum, die man sonst eher von Amerikanern kennt - von den Erfolgreichen der Internetwelt, die auch in Paris als Vorbilder dienen und einer nach dem anderen auf der Bühne stehen: Vertreter von Facebook, MySpace, Twitter, LinkedIn - und gleich nochmal Twitter, in Form von Jack Dorsey, einem der Gründer, der schon wieder weitergezogen ist und sich jetzt der nächsten Idee widmet. "Es ist sehr, sehr einfach, etwas mit einer Kreditkarte zu bezahlen", erzählt Dorsey, während er auf der Bühne steht, ein iPhone in der Hand, "aber enorm schwer, sich selbst per Kreditkarte bezahlen zu lassen. Also haben wir uns etwas überlegt, um das möglich zu machen."

Ein kleiner Plastik-Quader, an das iPhone gesteckt, verwandelt das Mobiltelefon in ein Kreditkarten-Lesegerät, das jeder immer bei sich tragen kann. Die Plastikkarte wird einfach durch den Aufsatz gezogen, das iPhone übernimmt die Datenverarbeitung; im Zusammenspiel mit der Software, die Dorseys neue Firma "Squares" entwickelt hat, könnte daraus ein bargeldloses Bezahlsystem für Jedermann werden. "Aus unserer Sicht eignet sich das für Händler genauso wie für Privatleute", sagt Dorsey, "zum Beispiel, um jemandem nach einem gemeinsamen Dinner Geld zurückzuzahlen."

Verrückt? Absurd? Ein Träumer? In Europa, das hört man immer wieder auf dieser Konferenz, sind Skeptiker schnell dabei, abseitige Ideen kleinzureden, im Keim zu ersticken, selbst wenn sie bei Erfolg sehr lukrativ sein könnten. "Keiner wollte uns Startkapital geben", klagt Niklas Zennström, Mitgründer des Internet-Telefondienstes Skype. "Alle europäischen Risiko-Investoren fanden Skype zu riskant." Zennström und sein Partner Janus Friis wagten es trotzdem - und verkauften Skype 2005 für 2,6 Milliarden Dollar an das Auktionshaus eBay.

Den Großteil seiner Rede widmet der Schwede dem Unterschied zwischen alter und neuer Welt: Hier Zögerlichkeit und Scheu vor dem Unbekannten, dort die Bereitschaft, immer wieder Neues in Angriff zu nehmen - auch wenn es längst nicht immer klappt. "Für Erfolg gibt es keine Garantie, keine feste Formel", sagt Zennström - er hat das selbst erfahren, als sein Internet-TV-Service Joost eine Bauchlandung machte. Aber ohne Ausprobieren, ohne Mut zum Risiko gibt es auch keine Chance auf Erfolg, argumentiert er, deshalb müsse Europa das "Stigma des Versagens" überwinden: Scheitern ist OK. Man steht wieder auf, hat etwas gelernt, versucht das Nächste. Bis es irgendwann klappt.

Seite 1: Königliche Fete für das Echtzeit-Netz
Seite 2: Einfallsreichtum der Amerikaner
Seite 3: Mekka für Jungunternehmer
Seite 4: Europäer wollen nicht die Welt erobern
 
 
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