Für 299 Euro erhält man neben dem Titel einen Quadratmeter Land und ein Versprechen: "Mit Ihrem Engagement unterstützen Sie das Ziel der Stadt Berga und des Interessenvereins Schloss Berga e.V., die historisch bedeutende Schlossanlage zu erhalten und wertvolle Bauelemente wieder aufzubauen."
Doch die Sache ist nicht so einfach. Derzeitiger Besitzer von Schloss Berga ist nicht die Stadt oder der tatsächlich existierende Interessenverein, sondern Michael Hillmann, ein Geschäftspartner von Heiko Nowak. Er wickelt die Ebay-Geschäfte ab und bekommt auch erst einmal das Geld. Das ist nicht wenig, zumal neben den Titeln auch Prägezangen, Bademäntel oder Handtücher mit Wappen und Grafenschriftzug verkauft werden. "Angedacht war, dass 50 Prozent der Einahmen an den Verein gehen - aber es gibt Diskrepanzen", sagt der Vereinsvorsitzende Helmut Müller. "Es wurden schon über 400 Titel verkauft. Wenn wir das versprochene Geld bekommen hätten, wären wir mit dem Ausbau längst fertig." Auch von dem ersten symbolischen Scheck über 20.000 Euro, der im April 2008 von Heiko Nowak vor laufenden Fernsehkameras übergeben wurde, seien erst 15.000 Euro an den Verein geflossen. Müller will sich wie der Bürgermeister der Stadt bald mit allen Parteien zusammensetzen. Es müsse einiges geklärt werden. Zumal Friedrich Senff, ein Mitarbeiter von Hillmann, dem Ebay-Magazin gegenüber behauptet, dass 80 Prozent der Einnahmen weitergeleitet werden: "Käufer sind auch viele Rechtsanwälte, es geht also alles mit rechten Dingen zu." Seit Mitte Juni sind alle Angebote um das Schloss Berga bei Ebay nicht mehr online. Senff hatte noch betont, dass Heiko Nowak als Schirmherr für Seriosität stünde. Schließlich habe er sich schon vorher für den Naturschutz engagiert. Auf der Webseite des Ideengebers findet sich etwa das "Projekt Moor". Hier kann man für 299 Euro 300 Quadratmeter Land im "Harder Moor" in Niedersachsen erstehen, das von der Graf von Roit Liegenschafts- und Verwaltungsgesellschaft als privates Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Für das "redliche und zielgerichtete Engagement" gibt es dann den Titel "Graf von Roit zu Hoya". Auf der Seite findet man den Hinweis: "Ausdrücklich distanzieren wir uns vom sogenannten 'Titelhandel', da wir im Bestreben der Hilfe für die Natur nicht die Profit- und Geltungsgier ... unterstützen wollen, sondern ... privaten Naturschutz betreiben." Das suggeriert Gemeinnützigkeit. Darauf angesprochen, wehrt Nowak ab. "Das ist kein Hilfsprojekt. Eine GmbH muss Gewinne einfahren - und das Projekt Moorland ist ein Geschäftsmodell für den Immobilienverkauf", erklärt er. Das ist problematisch.
"Es spricht nicht für Seriosität, wenn erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennbar ist, wohin Gelder fließen", sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Sein Institut warnt vor Internethändlern, die kaufen und spenden verknüpfen wollen. In den DZI-Spenden-Tipps heißt es: "Hier besteht die Gefahr, dass gewerbliche und gemeinnützige Interessen miteinander vermischt werden. Der sichere Weg bleibt die direkte, wohlüberlegte Spende an eine seriöse Organisation."
Natürlich ist der Handel mit noblen Namen nicht neu - schon im Mittelalter wurden falsche Herrschertitel verwendet. Aber wieso kaufen sich Leute heute einen Adelstitel? Immerhin wurden bereits im Jahre 1919 mit der Weimarer Reichsverfassung alle besonderen Rechte des Adels in Deutschland abgeschafft. Jungunternehmer Roman Aland hat eine Antwort: "Ich habe bewusst nach einem Titel gesucht, da mir ein Bekannter dazu geraten hat. Wenn ich Aufträge haben will, sagte er, muss ein guter Name auf der Visitenkarte stehen." Er hat schließlich bei Maximilian Heitzer den Titel "Graf von Mainberg" erstanden. "Der neue Name macht einfach schick was her. Ich werde öfter zu Partys eingeladen und darauf angesprochen", erzählt Aland. "Ich sage dann immer, ich habe den Titel 'erworben'." Dass es ein Kauf bei Ebay war, verrät er nicht. Einer der vielen Grafen von Berga betont dagegen, etwas Tolles für den Aufbau von Schlössern getan zu haben. "Mit meinem Geld konnte ich nützliche Projekte fördern", sagt er. Seinen Namen will er nicht nennen. Ihn ärgern die Nachfragen. "Ich bin im Adelsverband und mittlerweile vom Königshaus Hohenzollern nobilitiert, ich weiß gar nicht, was Sie wollen." Vielleicht reicht zur Erklärung auch ein Blick auf die Ebay-Kategorie, in die fast all diese Angebote einsortiert sind: "Sammeln & Seltenes > Total Verrücktes > Total durchgeknallt".