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26. August 2009, 10:53 Uhr

Phischer in sozialen Netzen

Doppelt hinsehen

Damit wird Vorsicht immer wichtiger. Auch wenn es in sozialen Netzen gern locker-ungezwungen zugeht, bleiben die digitalen Tummelplätze Spiegelbilder des wirklichen Lebens - in denen Ähnliches gilt wie in der Offline-Welt: "Genauso, wie Sie nicht einfach etwas essen würden, was Sie auf der Straße finden, sollten Sie auch im Internet nicht blind zugreifen", warnt Lindqvist. Also bei Links lieber doppelt hinsehen und im Zweifel ignorieren. Obendrein rät der SRI-Forscher zur Zurückhaltung beim Teilen von persönlichen Informationen mit den tausend engsten Freunden: "Je mehr Privates in sozialen Netzen erwähnt wird, um so einfacher fällt anderen der Identitätsklau."

Die Gefahr ist offenbar vielen Nutzern durchaus bewusst - denn zahlreiche von ihnen haben schon schlechte Erfahrungen gemacht: In der Studie von AVG und CMO berichtete jeder Fünfte der gut 250 Befragten, schon ein Opfer von Identitätsklau in sozialen Netzwerken geworden zu sein. Fast die Hälfte - 47 Prozent - haben sich bereits Trojaner oder andere Malware eingefangen, und 55 Prozent erklärten, es habe Phishing-Versuche gegeben. Dennoch lasse der Großteil der Online-Gemeinde oftmals noch immer alle Vorsicht sausen, klagt AVG-Managerin MacDermott: "Man denkt nicht unbedingt an die Risiken - es geht ja ums Spaßhaben."

In Deutschland, so hat der hiesige AVG-Geschäftsführer Gerald Hahn beobachtet, teile sich das Verhalten in zwei Extreme: "Die einen vermuten überall Big Brother, die anderen öffnen ihr Profil für alle." Gerade Jüngere handelten oft so unvorsichtig, dass sie Hackern den Missbrauch ihrer Daten sehr leicht machen, sagt Hahn: "Nutzer unter 25 Jahren gehen oft sehr unbedarft mit den Risiken um, so nach dem Motto: 'Ich habe nichts Geheimes, da kann jeder draufschauen.' Viele denken dabei nur an Geld, aber die Gefahr ist viel subtiler" - wie sich an Trojaner-Software und anderen Ausspähversuchen zeige.

Grundregeln für mehr Spaß

Doch wer einige Grundregeln beachtet, kann das Risiko, bei Facebook & Co. zum Opfer von Betrügern zu werden, zumindest deutlich reduzieren - und trotzdem weiter Spaß haben. Ganz oben auf der Liste der Experten-Tipps steht der Rat, die Anmeldedaten nie an andere weiterzugeben (auch nicht an Freunde) und Passwörter sorgfältig zu wählen. Also nie "1234" oder der Name des Haustiers, der Freundin, der Lieblingsband - Informationen, die womöglich ganz offen auf den Profilseiten auftauchen. Besser sind Passwörter, die Zahlen enthalten und für andere unmöglich zu erraten sind. Idealerweise sollte das Passwort sogar einmal im Monat geändert werden, raten AVG und CMO.

Unvorsichtig handelt auch, wer sich auf einem fremden PC - etwa in einem Internetcafé - bei einem sozialen Netzwerk einloggt und am Ende einfach nur das Browserfenster schließt. "Man sollte sich immer ganz bewusst abmelden", sagt Siobhan MacDermott und obendrein darauf achten, dass Passwörter nicht auf dem PC gespeichert werden. "Sonst kann es genügen, einfach zur vorherigen Seite zurückzugehen." Schon ist der nächste Nutzer automatisch wieder angemeldet und hat Zugriff auf private Daten. Die Liste der besuchten Webseiten sollte ebenfalls einmal pro Woche aus dem Browser-Speicher gelöscht werden.

Auch beim Profil ist Vorsicht geboten: Wer es Betrügern schwer machen will, sollte bewusst Lücken lassen. "Wenn Sie Ihren Geburtstag im Profil angeben möchten, lassen Sie zumindest das Geburtsjahr weg", rät MacDermott. Bankverbindungen, Ärztediagnosen und ähnlich private Informationen hätten ohnehin in sozialen Netzwerken nichts verloren.

Verschleierte Internetadressen

Bei unbekannten, womöglich bösartigen Links können Browser-Erweiterungen helfen: AVG bietet Windows-Nutzern den kostenlosen "Link Scanner", der verspricht, bei Gefahr schon vor dem Klicken Alarm zu schlagen. Firefox-Nutzern bietet das Plug-in "LongURL" die Möglichkeit, bei kurzen Internetadressen sofort zu sehen, wohin der Mausklick wirklich führt. Das ist wichtig, weil Adressen nach dem Schema "http://tinyurl.com/cuzvb" nicht nur bei Twitter-Nutzern sehr beliebt sind, sondern zunehmend auch bei Betrügern - da sie helfen, Phishing- und Malware-Webseiten zu verschleiern.

Doch der vielleicht wichtigste Rat, den Siobhan MacDermott für soziale Netzwerker übrig hat, könnte auch von Mama und Papa kommen: "Wenn Fremde Ihnen die Freundschaft anbieten, seien Sie vorsichtig. Klicken Sie nicht einfach auf 'ja'. Es ist genau das Gleiche, als ob Ihnen ein Fremder auf der Straße begegnet." Und wie oft hat man das schon, außerhalb des Computers, dass Fremde gleich beste Freunde werden wollen?

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Von Karsten Lemm, San Francisco
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