
David Sacks, Gründer und Vorstandchef des sozialen Netzwerks für Firmenkunden, Yammer, fotografiert in seinem Büro in San Francisco, 30. April 2012.© Karsten Lemm
Das kaum acht Jahre alte Facebook wird wohl 100 Milliarden Dollar schwer, wenn es nun an die Börse geht. So schätzen es die meisten Beobachter, obwohl der Umsatz im vorigen Jahr bei vergleichsweise bescheidenen 3,7 Milliarden Dollar lag. Dass die Aktie floppen könnte, scheint kein Thema im Silicon Valley. Die Frage ist eigentlich nur, wie man selbst profitieren könnte. Während sich die Spekulationen überschlagen, wann wohl Publikumslieblinge wie Twitter, AirBnB und Pinterest an die Börse gehen, präsentieren sich hoffnungsfrohe Startups bei Investoren-Veranstaltungen, die wie Speed Dating ablaufen: Fünf bis zehn Minuten haben die Gründer Zeit, um ihr Startup in voller Schönheit zu präsentieren und Begehrlichkeit zu wecken. Dann klickt es, oder man zieht weiter. Die Anbandelungstreffen tragen Namen wie Finovate, Founder Showcase oder SFNewTech; und an Jungfirmen, die als "Flirq", "Artify It" oder "Kabbage" ins Leben starten, zeigt sich, dass unverwechselbare Internetadressen rar werden.
Trotz allem sitzt das Geld längst noch nicht wieder so locker wie zu Zeiten des ersten Dotcom-Booms: Mehr als 25 Milliarden Dollar investierten risikofreudige Investoren im Rekordjahr 2000 in scheinbar vielversprechende Ideen aus dem Techniktal - 2010 war es lediglich ein Fünftel davon. Erst in den vergangenen Monaten ist das Geschäft wieder kräftig in Fahrt gekommen. "Das Silicon Valley hat beim Zusammenbruch des Dotcom-Booms tiefe Narben davon getragen", sagt David Sacks. Als PayPal-Geschäftsführer half er 2001 mit, den Bezahldienst an die Börse zu bringen; inzwischen hat der 39-Jährige sein eigenes Unternehmen gestartet, Yammer.
Das Wort steht eigentlich für Jammern und Wehklagen, doch die Firma verspricht ihren Kunden das Gegenteil: glückliche Mitarbeiter, die mit Schwung durch den Tag gehen, weil sie sich zwanglos mit Kollegen austauschen, beraten und gegenseitig anfeuern können. Es ist eine Art Facebook fürs Büro, das von mehr als 200.000 Firmen genutzt wird, darunter Shell, O2, Tui und der Paketdienst DHL.
Sacks' Blick aus dem Fenster geht auf ein Industriegebiet in San Francisco voller Neubauten, das vor wenigen Jahren noch eine Wüstenei aus Parkplätzen und Lagerhäusern war. Vor der Tür röhren Dieselloks der "Caltrain"-Züge, die ins Silicon Valley pendeln. Sitzplätze sind zu Stoßzeiten rar geworden, und Firmen wie Yammer balgen sich mit immer neuen Konkurrenten um kostbare Büroflächen. Wenn sein soziales Netzwerk weiter wächst wie bisher, peilt auch Sacks die Wall Street an.
Ein Börsengang bedeute "einen großen psychologischen Einschnitt". Schließlich schaut die ganze Welt fortan doppelt hin, und jeder Fehltritt kann Millionen kosten. Auch Mark Zuckerberg wird das erleben. Und doch stellt die ganze Region vorsorglich den Champagner kalt, weit mehr noch als bei Googles Börsengang 2004. "Google war riesig", sagt Sacks. Und doch kein Vergleich zu Facebook, nicht von der gefühlten Temperatur her. "Facebook wird noch zehnmal größer."
Kein Zweifel auch bei "Buck's", dass dieser Aufschwung echt ist und auf jeden Fall von Dauer. "1999 waren erst 200 Millionen Menschen online", rechnet der Investor Tony Perkins vor. "Heute sind es über zwei Milliarden." Er sieht eine "ganze Generation von jungen Unternehmern" heranwachsen, die traditionelle Geschäftsmodelle neu erfinden und dabei etablierte Imperien am Wegesrand in Trümmern liegend zurücklassen. "Aus der Zerstörung", sagt Perkins, "ergeben sich Chancen für Hunderte von neuen Startups." Gut, dass "Buck's" schon um 7 Uhr morgens aufmacht und die Kaffeekanne keinen Boden hat - aufgefüllt wird gratis, immer und immer wieder. Anschubfinanzierung für die Digitalmilliardäre von morgen.