Sicher, ein wenig Werbung lässt sich verkaufen. So hängt das Berliner Startup Magpie & Friends Reklamebotschaften an Tweets an und teilt den Erlös mit den Absendern. Aber das ist eine Ausnahme in einem schwierigen Markt. Onlinewerbung tut sich in der Krise schwer. In den USA hatte die Wachstumskurve 2008 eine deutliche Delle. "Die Einnahmen aus Werbung im Internet werden bei Weitem nicht in dem Umfang zunehmen, den viele in Geschäftsmodellen einplanen", warnt Christian Nagel, Geschäftsführer des Riskokapitalinvestors Earlybird.
Und dass soziale Netzwerke keine Reklame mögen, haben bereits die Facebook-Macher lernen müssen. Deren Versuch, persönliche Daten wie die politische Haltung oder den Familienstand der Nutzer für eine gezielte Werbung zu vermarkten, löste 2007 große Proteste aus. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg musste den Rückzug antreten. Schätzungen zufolge liegen die jährlichen Werbeumsätze, die Facebook mit mehr als 200 Millionen Nutzern einfährt, bei gerade mal 300 Millionen Dollar. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Firmenwert weit unter den 15 Milliarden Dollar liegen, auf den er vor zwei Jahren geschätzt wurde, als Microsoft sich in die Firma einkaufte.
Ob es was nützt, wenn eine Blase die andere schluckt? Ende vergangenen Jahres soll Facebook mit Twitter verhandelt haben. Williams winkte schließlich ab - zu verschieden waren die Meinungen über den Wert Twitters. Auch die Verhandlungen mit Google sollen deswegen stocken. Die Google-Chefs sind vorsichtiger geworden. Nach dem Kauf von Youtube haben sie lernen müssen, wie weit Wunsch und Wirklichkeit im Web 2.0 auseinander liegen.
Die Videoplattform wurde mit Aktien im Wert von 1,65 Milliarden Dollar bezahlt. Doch dann blieben auch hier die Werbeerlöse weit hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Jahr rechnet Spencer Wang, Analyst bei Credit Suisse, mit einem Verlust von 470 Millionen Dollar. Zu hoch sind die Kosten für Lizenzen und Technik. "Ohne Googles Kapital und Infrastruktur hätte Youtube möglicherweise nicht überlebt", schreibt der renommierte Silicon-Valley-Blogger Arrington
Immerhin räumt Arrington dem Kurznachrichtendienst doch noch größere Chancen ein als Youtube. "Der Betrieb von Twitter kostet deutlich weniger." Auch sieht Arrington einen Trumpf in der Suchfunktion des Dienstes. Sie ermöglicht es Unternehmen, nach Tweets über ihre Produkte zu suchen und zielgenau Anzeigen zu platzieren. "Darauf werden die ihr Geschäftsmodell aufbauen", ist der Branchenexperte überzeugt. Arrington hofft, dass Twitter es aus eigener Kraft schaffen wird. "Alle Startups, die einen Börsengang anstreben, sind gut für das Silicon Valley", sagt er. Viele der jungen Unternehmen verschwänden nach einer Übernahme durch Konzerne in einem schwarzen Loch.
Doch weil es derzeit niemand bis an die Börse schafft, ahnt der Blogger, dass er schon bald über die nächste Übernahmespekulation berichten wird. Wenn Googles Interesse an Twitter anhalte, könnten auch die Wettbewerber nicht untätig bleiben. "Microsoft würde verhindern wollen, das Twitter wie Youtube in die Hände von Google fällt", prophezeit er. Dann dürften sich die Bewertungen hochschaukeln - und für Williams könnte es ausgehen wie immer: Er sei eigentlich nur "ein Bauernjunge aus Nebraska", sagt der Twitter-Chef, der bislang "sehr viel Glück im Beruf und im Leben hatte".