Der Hacker war bei Freddy wohl systematisch vorgegangen. Er hatte Freunden aus allen sozialen Netzen, die Freddy an verschiedenen Orten hat, geschrieben. So haben Leute aus ihrem Abiturjahrgang, Freunde im Ausland und diejenigen aus ihrem Augsburger Freundeskreis solche gehackten Mails bekommen. Diejenigen, die darauf eingestiegen waren, mit denen hat er weitergeschrieben. Teilweise waren es Flirts, teilweise Bosheiten. Bis heute weiß Freddy nicht, wem der Hacker solche Mails geschickt hat. Es sei gut möglich, dass Freunde oder Bekannte nun sauer auf sie seien und sie noch gar nichts davon wisse. Der Hacker hat bei Themen, die in Freddys Freundeskreis gerade aktuell waren, sogar mitdiskutiert. Das ging soweit, dass "er wusste, wie ich mit wem stehe und mit wem ich gerade ein Techtelmechtel hatte," berichtet sie. "Es ist eine abartige Vorstellung, dass jemand Tage damit verbringt, sich mit Hilfe alter Nachrichten in mein Leben einzulesen."
"Die Betreiber von Internet-Communities halten nicht Schritt mit ihrer Verbreitung. Sie haben zu wenig Personal, um Fälle wie Freddys schnell zu bearbeiten," kritisiert der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix. Er benennt, was Freddy passierte: Identitätsdiebstahl. "Ich würde empfehlen, Nachrichten regelmäßig zu löschen, die Profilleiste für Unbekannte zu sperren und nur wenige Informationen über sich einzustellen. Den Inhalt der Nachrichten würde ich auf oberflächliche Themen beschränken," warnt der Datenschützer.
Hacker suchen sich gezielt extrovertierte StudiVZ-Nutzer aus, ist die Vermutung der zuständigen Kriminalpolizei. Wer gut aussehe, eine lange Freundesliste habe und viel über das Portal kommuniziere, sei besonders gefährdet.
Ungeklärt bleibt für Freddy, ob es reine Willkür war, dass es sie getroffen hat oder ob es jemand war, den sie kennt, ein Nachbar oder ein Bekannter. Die Konsequenzen sind für Freddy hart: "Eine meiner Freundinnen redet nicht mehr mit mir." Der Freund ihrer Freundin hat von Freddys Account Nachrichten bekommen, in denen stand, dass sie sich mit ihm treffen will, um mit ihm zu schlafen. Die Richtigstellungen kosten Freddy viel Kraft und Zeit. Gerüchte wieder aus der Welt zu schaffen, sei nicht leicht, denn ein Rest an Misstrauen bleibe bei vielen zurück.
Ihren Account bei StudiVZ hat Freddy erst vor einigen Tagen gelöscht. "Ich habe alle Namen aus meiner Freundesliste aufgeschrieben, um sie später wieder zu finden," sagt die 23-Jährige. Sie hat sich nun unter einem Pseudonym und ohne Foto wieder bei StudiVZ angemeldet. "Ich kann nicht einfach auf alle Daten, die ich dadurch habe, verzichten." Die Daten, die Freddy im Laufe der Jahre über StudiVZ gesammelt hat, sind für sie sehr wertvoll, denn "es gibt viele Kontakte, die ich ohne das StudiVZ nie wieder haben werde".
Jetzt nutzt Freddy andere Kommunikationswege wieder häufiger, als die Internetcommunity: das Handy und das Festnetztelefon. Denn dabei kann wenigstens nur jemand mithören und nicht in ihrem Namen sprechen.