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9. Juli 2008, 20:45 Uhr

Identitätsklau im Online-Netzwerk

Der Hacker war bei Freddy wohl systematisch vorgegangen. Er hatte Freunden aus allen sozialen Netzen, die Freddy an verschiedenen Orten hat, geschrieben. So haben Leute aus ihrem Abiturjahrgang, Freunde im Ausland und diejenigen aus ihrem Augsburger Freundeskreis solche gehackten Mails bekommen. Diejenigen, die darauf eingestiegen waren, mit denen hat er weitergeschrieben. Teilweise waren es Flirts, teilweise Bosheiten. Bis heute weiß Freddy nicht, wem der Hacker solche Mails geschickt hat. Es sei gut möglich, dass Freunde oder Bekannte nun sauer auf sie seien und sie noch gar nichts davon wisse. Der Hacker hat bei Themen, die in Freddys Freundeskreis gerade aktuell waren, sogar mitdiskutiert. Das ging soweit, dass "er wusste, wie ich mit wem stehe und mit wem ich gerade ein Techtelmechtel hatte," berichtet sie. "Es ist eine abartige Vorstellung, dass jemand Tage damit verbringt, sich mit Hilfe alter Nachrichten in mein Leben einzulesen."

"Die Betreiber von Internet-Communities halten nicht Schritt mit ihrer Verbreitung. Sie haben zu wenig Personal, um Fälle wie Freddys schnell zu bearbeiten," kritisiert der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix. Er benennt, was Freddy passierte: Identitätsdiebstahl. "Ich würde empfehlen, Nachrichten regelmäßig zu löschen, die Profilleiste für Unbekannte zu sperren und nur wenige Informationen über sich einzustellen. Den Inhalt der Nachrichten würde ich auf oberflächliche Themen beschränken," warnt der Datenschützer.

Hacker suchen sich gezielt extrovertierte StudiVZ-Nutzer aus, ist die Vermutung der zuständigen Kriminalpolizei. Wer gut aussehe, eine lange Freundesliste habe und viel über das Portal kommuniziere, sei besonders gefährdet.

Konsequenzen sind hart

Ungeklärt bleibt für Freddy, ob es reine Willkür war, dass es sie getroffen hat oder ob es jemand war, den sie kennt, ein Nachbar oder ein Bekannter. Die Konsequenzen sind für Freddy hart: "Eine meiner Freundinnen redet nicht mehr mit mir." Der Freund ihrer Freundin hat von Freddys Account Nachrichten bekommen, in denen stand, dass sie sich mit ihm treffen will, um mit ihm zu schlafen. Die Richtigstellungen kosten Freddy viel Kraft und Zeit. Gerüchte wieder aus der Welt zu schaffen, sei nicht leicht, denn ein Rest an Misstrauen bleibe bei vielen zurück.

Ihren Account bei StudiVZ hat Freddy erst vor einigen Tagen gelöscht. "Ich habe alle Namen aus meiner Freundesliste aufgeschrieben, um sie später wieder zu finden," sagt die 23-Jährige. Sie hat sich nun unter einem Pseudonym und ohne Foto wieder bei StudiVZ angemeldet. "Ich kann nicht einfach auf alle Daten, die ich dadurch habe, verzichten." Die Daten, die Freddy im Laufe der Jahre über StudiVZ gesammelt hat, sind für sie sehr wertvoll, denn "es gibt viele Kontakte, die ich ohne das StudiVZ nie wieder haben werde".

Jetzt nutzt Freddy andere Kommunikationswege wieder häufiger, als die Internetcommunity: das Handy und das Festnetztelefon. Denn dabei kann wenigstens nur jemand mithören und nicht in ihrem Namen sprechen.

Von Heidi Beha
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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Andi_3000 (11.07.2008, 20:53 Uhr)
Telefon ist doch auch nicht sicher...
Zitat vom Stern Artikel: "Jetzt nutzt Freddy andere Kommunikationswege wieder häufiger, als die Internetcommunity: das Handy und das Festnetztelefon. Denn dabei kann wenigstens nur jemand mithören und nicht in ihrem Namen sprechen."
Richtig, aber mitschneiden und analysieren geht. Und dann geht es los...
Elementarteilchen (11.07.2008, 11:53 Uhr)
Habe selten so schöne Artikel hier gelesen!
Sehr spannend! Und vor allem sowohl recherchiert, als auch gut geschrieben! Der Einstieg und der Schluss sind besonders gut gelungen!
Würde gerne mehr von diesem Autor lesen!
havranek (10.07.2008, 13:34 Uhr)
Online "Freunde"
Schon toll dieses Internet, vorallem wenn sich dann im StudiVZ die Bild- oder Stern-Reporter als virtuelle Freunde ausgeben, um danach auf hinterlistige Weise an Informationen rankommen und sich einen Dreck um Moral oder Privatspähre der Opfer kümmern.
Im Prinzip fast gleichzustellen mit Pädophilen, die wenden die gleichen Taktiken an wie man so liest.
warbird (10.07.2008, 09:41 Uhr)
Identitätsklau
Am Ende der ersten Seite steht "Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zu dem Identitätsklau kam". Kann jemand dazu auf der zweiten Seite was konkretes finden, oder hab ich das überlesen?!
exiled (10.07.2008, 09:34 Uhr)
@faustjucken_de
...das mag ja richtig sein, nur was nützt Dir das? Angenommen, wir beziehen das jetzt mal auf meine ID: aus meinen Kommentaren kannst du nicht im Geringsten darauf schließen, wer ich bin, bestenfalls, wie ich bezüglich des ein oder anderen Temas denke. Klar kannst du Dich hier im Forum unter dem gleichen Nicknamen anmelden und Unruhe verbreiten, aber das iteressiert mich doch herzlich wenig, denn ich wäre ja schön doof, wenn ich mich hier unter meinen richtigen Daten angemeldet hätte. Soetwas macht man einfach nicht, weil's viel zu riskant ist. Selbst bei Ebay würde ich da nicht machen. Allerdings ist es dort nicht so schwierig, auf eine Person zu schließen, denn die Adresse, die man angibt, um sich seine Items schicken zu lassen, verrät natürlich vieles.
Selbst die Surf-ID lässt sich umgehen, also kann noch nicht einmal wirklich nachvollzogen werden, wo der böse Wicht eigentlich sitzt:) Nur soviel zum Thema Selbstoffenbarung.
Absolut sicher ist man niemals - das ist klar, denn alles, was sich ein schlauer Kopf ausdenkt, wird promt von einem anderen Kopf ausgetrickst oder weiter entwickelt. das ist Fortschritt und nicht zu vermeiden.
Aber man kann sein Risiko minimieren, wenn man nicht naiv seine Sachen im Netz abstreut, besonders nicht in 'Sozialen Netzwerken', denn da würde jeder Gangster zuerst nachsuchen.

frank77777 (10.07.2008, 09:29 Uhr)
@faustjucken ähem ???
lol Super Argument du googlest um
hier die Kommentare zu lesen.
Sind Kommentare neuerdings geheim.
Ich schmeiss mich weg vor lachen.
Wahrscheinlich erhälst Du deine Tageszeitung verschlüsselt, aber kein Problem .... lach
frank77777 (10.07.2008, 09:23 Uhr)
Hey ufbasse !!!
Selten so gelacht !!!
Das sind die selben leute die Ihre
Geheimzahl auf die EC Karte schreiben und sich dann wundern......
faustjucken_de (10.07.2008, 09:05 Uhr)
Jaja, das Internet ist böse..
Jetzt kommen all die Mahner wieder aus ihren Löchenr gekrochen...
"Jaja, wie dumm muss man sein...?"
"Wer stellt schon Persönliches ins Netz..." Blablabla
Immer die gleiche Leier.
Dann sage ich euch mal folgendes, ihr Klugscheißer, ich gebe euren Nick von STERN in google ein und finde rückwirkend jeden Kommentar, den ihr je hier abgelassen habt.
Soweit zu dem Thema Selbstoffenbarung.
Was der Studentin passiert ist, ist absolut traumatisch, aber trotzdem ein bedauerlicher Einzellfall.
Und wie schon ein Vorredner bin ich auch der Meinung, dass höchstwahrscheinlich ihr Rechner gehackt ist. Dazu gibt es tausend Möglichkeiten: Backdoors, USB-Sticks, Keylogger, WLAN-Lücken etc.
Da nützt auch das beste Passwort nichts.
vegefranz (10.07.2008, 08:17 Uhr)
dämlich
wie man es dreht und wendet: die Studentin ist durch ihre eigene Fahrlässigkeit (vulgo: Dämlichkeit)in diese Lage gekommen. Wer auch nur im Entferntesten an eine Privatsphäre im Netz durch "Passwörter" glaubt, dem ist nicht zu helfen
endbenutzer (10.07.2008, 08:04 Uhr)
Wie krank...
...muss so ein Hacker eigentlich sein, dass so etwas Spaß bereitet?
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