Dabei sieht sich Demand Media gar nicht als Nachrichtenanbieter, sondern klärt mit seinen Websites ehow.com, Livestrong.com oder Expert-Village Fragen des Alltags. "Wie kringel ich meine Haare mit einem Lockenstab? Wie koche ich einen Hummer? Wie reagiere ich auf den Toyota-Rückruf?" stehen in der Top 10 der beliebtesten Themen. Dem Content-Produzenten geht es offensichtlich nicht darum, durch Berichterstattung Fragen aufzuwerfen, sondern solche zu beantworten, die in den Köpfen der Internetgemeinde bereits entstanden sind.
Mitgründer Shawn Colo bekennt sich sogar dazu, Nachrichten völlig uninteressant zu finden, da sie üblicherweise nicht in sein Schema passen. "Diese Inhalte liegen unterhalb der Schwelle, über der ein Thema liegen muss, um in unsere Auftragsliste aufgenommen zu werden", so Colo. Was ein Redakteur für berichtenswert hält, wird für ihn erst dann aufregend, wenn es weitere drei Kriterien erfüllt: Es muss ein ausreichend großes Publikum finden, genügend Werbung anziehen und im Wettbewerb mit anderen Anbietern bestehen können. "Wir sind mehr ein Partner als ein Konkurrent", sagt Colo. "Wir helfen klassischen Inhalteproduzenten, konkurrenzfähiger zu werden." Auf dem deutschen Markt ist ein Projekt in der Größe von Demand Media neu. Die meisten Frage-Antwort-Spielchen werden in Blogs ausgetragen, auf Seiten wie Suite101.com beschäftigt sich ein Netzwerk freier Autoren mit Sachthemen. Für Demand Media scheint es recht unkompliziert zu sein, Ende des Jahres eine deutsche Ehow-Seite zu schalten. "Das deutsche Publikum ist wie das amerikanische oder englische", sagt Colo. "Die Leute möchten unterhalten werden und lesen, was sie interessiert". Der hiesige Werbemarkt dürfte die kalifornischen Wissensfabrikanten gelockt haben: Er wuchs im Krisenjahr 2009 um zwölf Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.
Gefunden in ... "Financial Times Deutschland"