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4. Juli 2008, 12:29 Uhr

Bei Youtube in der Datenfalle

Trotz dieser Aussagen des Unternehmens bleiben Datenschützer skeptisch: "Es handelt es sich um interessante und wirtschaftlich bedeutsame Daten, die zu allen möglichen Zwecken ausgewertet werden können. Wenn Viacom sagt, keine Privatnutzer aufs Korn zu nehmen, müssen sie erstmal die Privatnutzer feststellen. Das bedeutet, bis dahin sind sie in der Auswertung mit drin", sagt Marit Hansen. Die Stellvertretende Landesbeauftragte für den Datenschutz in Schleswig-Holstein führt weiter aus: "Selbst wenn Viacom sich korrekt verhält, gibt es den Transfer von Google an Viacom, bei dem vermutlich auch mehrere Hände beteiligt sind. In jedem Fall haben wir nach der Weitergabe der Daten mehr Zugriffsberechtigte auf die Daten als vorher."

180-Grad-Wende in der Argumentation

Google selbst hatte dem Richter die entsprechende Munition geliefert. Denn bisher hatte der Suchmaschinenbetreiber immer argumentiert, dass die Daten über das Nutzungsverhalten der User gar nicht personenbezogen seien und daher auch problemlos über einen langen Zeitraum gespeichert und ausgewertet werden könnten. "Dass dies so nicht haltbar ist, hatte schon der Fall von AOLSearch aus dem Jahr 2006 gezeigt, bei dem von einem Teil der ins Internet gestellten Suchmaschinen-Logfiles auf reale Personen geschlossen werden konnte", erinnert sich Datenschützerin Hansen. Gegenüber dem Gericht versuchte Google nun die umgekehrte Argumentation: Die Daten seien sehr wohl personenbezogen und dürften deshalb nicht herausgegeben werden. Das Gericht folgte dieser neuen Sichtweise nicht.

Die Stimmung im Netz brodelt. "Richter Stanton ist ein Schwachkopf", grollte der einflussreiche Techcrunch-Blogger Michael Arrington mit Blick auf den New Yorker Richter Louis Stanton, der den umstrittenen Urteilsspruch gegen Google gefällt hatte. Und Arringtons Leser forderten: "Verklagen wir den Richter!" Auf diversen Seiten wurde die Rechtmäßigkeit der Anordnung in Frage gestellt, und tatsächlich meldeten sich umgehend Experten, die in dem Richterspruch einen Verstoß gegen Datenschutzgesetze sehen. "Die Nutzer sollten die Möglichkeit haben, gegen die Weitergabe dieser zutiefst privaten Informationen Widerspruch einzulegen", fordert Kurt Opsahl von der Electronic Frontier Foundation, denn die Daten seien durch den "Video Privacy Protection Act" geschützt und dürften nicht an Viacom überreicht werden.

Kommt Angst vor dem Web 2.0?

Der Streit, wie auch immer er ausgeht, könnte weitreichende Folgen für Web 2.0-Dienste ganz allgemein haben, da viele von ihnen - von Facebook über Flickr bis hin zu StudiVZ - auf die rege Beteiligung ihrer Nutzer angewiesen sind. Was passiert, wenn die sich nun einschüchtern lassen? "Normalerweise denkt niemand daran, dass seine Daten einmal an Dritte weitergereicht werden könnten", sagt Aaron Perzanowski, Internetexperte an der Universität Berkeley. Sollte das Viacom-Urteil hohe Wellen schlagen, "werden die Leute sich womöglich stärker zurückhalten". Mehr Bewusstsein für Datenschutz im Internet sei allerdings grundsätzlich zu begrüßen, argumentiert der kalifornische Professor. "Auf jeder Webseite hinterlassen wir eine lange Spur von persönlichen Informationen, vielleicht ist es ganz gut, wenn das nun einmal zum Thema wird." Besonders Google sitze auf einem "enormen Berg an Informationen", sagt Perzanowski, "und das ist vielen Leuten normalerweise gar nicht bewusst".

Und die Deutschen?

Unter den Daten, die an Viacom gegeben werden sollen, sind auch solche deutscher Youtube-Nutzer. Marit Hansen: "Die Folgen für deutsche Nutzer sind noch nicht klar: Es besteht die Möglichkeit, dass die Daten nicht nur für die Verfolgung von Copyright-Verletzungen, sondern auch darüber hinaus analysiert und verwendet werden." Es könnten Klagen erhoben werden, so die Datenschutzbeauftragte, oder werden die Daten nur für gezielte Werbung ausgewertet. Aber auch schlimmere Folgen kann Hansen sich vorstellen: "Möglicherweise geraten deutsche Nutzer auf die Liste derjenigen, die nicht in die USA einreisen dürfen."

Die Technik bleibt geheim

In einer Hinsicht immerhin errang der Suchmaschinen-Riese vor Gericht einen Sieg: Anders als von Viacom verlangt, muss Google nicht offenlegen, wie seine Software genau funktioniert, mit der Nutzer Videos auf Youtube finden. Viacom habe keine hinreichenden Beweise vorgelegt, dass Googles geheimer Programmcode zwischen urheberrechtlich geschützten und nicht geschützten Videos unterscheiden könne, urteilte der Richter. Deshalb solle die Firma nicht gezwungen werden, Geheimnisse preiszugeben, "nur um Spekulationen aus dem Weg zu räumen". Dass seine Anordnung an Google, die Nutzerdaten weiterzugeben, die Privatspäre von Millionen verletzten könnte, wies Richter Stanton dagegen selbst als "spekulativ" zurück.

Mitarbeit: Ralf Sander
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KOMMENTARE (10 von 16)
 
Saddams_Rache (06.07.2008, 10:11 Uhr)
@known
es geht doch nicht darum man..
nebenbei gemerkt, wer zieht sich schon musik oder filme die er verachtet :/ ..
MS ist ok.. die machen ihre geschäfte und scheffeln millionen mit ihrer monopolstellung, mit der tatsache dass 85% alles pc's ihr betriebssystem nutzen, bestimmt nicht mit den einnahmen die sie mit irgendnem OS machen..
über google lässt sich streiten..hier hat die konkurrenz eindeutig gepennt.. aber es gilt webwide immer noch das gesetz, dass wer seine perönlichen daten wietergibt seber schuld ist..
und wenn du schonmal im ausland gewesen wäst, würde dich vielleciht auffallen, dass dieses rechts-/unrechtsbewusstsein bezüglich raubkopien wie es in dland gelebt wird, fast schon enmalig ist..
da werden massenwiese raubkopien am strassenrand vertickt, egal ob OS, oder filme oder musik.. UND DIE LEBEN AUCH ..und sehr gut :)
von den 85% alles PC's die mit einem
Ms-OS laufen, sind schätzungweise 70% raubkopien.. der rest sind unternehmen..
fahr mal nach spanien, portugal.. oder polen oder tschechien .. da lachen sie sich kaput über leute mit deinen ansichten..
aber na ya.. wer zu viel kohle hat und nich t weiss was er sonst damit anstellen soll.. :/
Known (05.07.2008, 18:11 Uhr)
@Saddams_Rache
"und die haben es nich anders vedient als gedemütigt und ausgenomen zu werden..." Wenn Sie diese Leute so behämmert finden und ihren Lebensstil hassen, dann sollten Sie so ehrlich sein und diese Musik nicht kaufen, aber nicht ankommen, meckern und sich es dann doch kostenlos anhören. Höhepunkt der Bigotterie. Das selbe gilt für Software: hey, Microsoft ist doch so ein riesiger Konzern und böse noch dazu, denen macht das nichts aus, Millionen zu verlieren. Wenn Sie Microsoft doof finden, benutzen Sie Linux und finden sich damit ab, dass Sie z.B. keine Treiber für ein bestimmtes Gerät bekommen und nicht die neusten Spiele spielen können. Das selbe gilt z.B. für Programme wie Photoshop die mit Millionen Aufwand entwickelt werden; wem erzähle ich das? Das die Datenkrake Nr.1, Google, von den Urheberrechtsverletzungen auch noch profitiert ist unsäglich; GEIZ IST GEIL!
Saddams_Rache (05.07.2008, 12:06 Uhr)
@Xyr2
..keinplan..^^ ncih dass ich wüsste..oder?
Xyr2 (05.07.2008, 01:20 Uhr)
@Saddams_Rache
hey, wer bist du? kenn ich dich? :D
Saddams_Rache (04.07.2008, 21:39 Uhr)
@Xyr2
jaman.. du bist hier im stern :)
schon echt beängstigend .. es ist wirklich so.. dass du wenn du n verlag hättest, du wirklich jeden scheiss als "die wahrheit" verkaufen kannst..
und das dumme fussvolk glaubt es nicht nur.. es plappert auch alles nach
Saddams_Rache (04.07.2008, 21:35 Uhr)
@Known
lächerlich!!
.. zufällig bin ich z.b. einer dieser entwickler und gaaaanz zufällig mache ich auch musik..
jeder der sich wirklich für einen ernstzunehmenden künsler hält WILL dass seine werke unters volk kommen .. EGAL WIE ..
die von denen du redest, sind irgendwelche möchtegerns die NUR EINS wollen..nämlich kohle scheffeln !!! .. und die haben es nich anders vedient als gedemütigt und ausgenomen zu werden.. basta!
nebenbeigemerkt würden diese affen keinen müden cent von der kohle sehen.. das sind alles profite der industrie.. und DIE ist das personifizierte böse auf dieser welt..
es schadet NIEMANDEM wenn man die sogenannten "illegalen raubkopien" verbreitet.. im gegenteil
die meisten die sich z.b. ein lied aus m web ziehen würden sich die cd sowieso nicht kaufen.. und opensource gibts auch nicht erst seit gestern ..
Xyr2 (04.07.2008, 18:25 Uhr)
....
witzig zu beobachten wie innerhalb von kurzer zeit aus 12 kommentaren erst 10 und dann nurnoch 9 werden...
Known (04.07.2008, 17:24 Uhr)
@taucher1102
"Dieses Scheiß Urheberrecht!..." Dieser "Scheiß" würde Ihnen mehr einleuchten, wenn Sie z.B. Musiker, Softwareentwickler oder Schauspieler wären und Millionen Dollar verlieren würden. Sie wären der erste der nach Bestrafung schreien würde.
Mensch.Student (04.07.2008, 17:04 Uhr)
Eine andere Datenfalle ...
unter anderem auch hier im stern gibt es lauter tests in welchem man einen ziemlich private dinge fragt ... was wäre wohl wenn diese daten in verknüpfung mit kommentaren an die falschen hände geraten ....
Antipathisant (04.07.2008, 16:55 Uhr)
In den A... gekniffen...
Recht witzig, zu beobachten, wie ein Medien-Konzern gegen die eigene Zielgruppe vorgeht. Wäre eigentlich der PR-GAU schlechthin, falls die MTV-Klientel nicht schon zu verblöded ist, zu begreifen, wer ihnen da auf ihrem Web-2.0-Spielplatz in den Sandkasten scheißt. Unabhängig davon ist jegliche Aktivität im Internet - die Meinungsäußerung in diesem Forum eingeschlossen - dazu geeignet, Rückschlüsse auf den jeweiligen Nutzer abzuleiten.
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