Was die Qualität von Wikipedia-Einträgen außerdem in Verruf bringt, ist der Einfluss von PR-Leuten und Lobbyisten, die bestimmte Einträge nach ihren Vorstellungen umschreiben, meistens um Firmen und Personen in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Seit 2007 gibt es den Wikiscanner, eine Software, die anhand von IP-Adressen überprüft, ob Einträge von Computern in Unternehmen, Organisationen oder politischen Einrichtungen aus verändert wurden. Die Ergebnisse sorgten in den USA für Aufsehen: CIA und FBI hatten diverse Wikipedia-Seiten verändert. Mehrere geschönte Politikerbiografien wurden entdeckt. Sogar Wikipedia-Gründer Jimmy Wales selbst kam in Erklärungsnot, weil er den Eintrag über seine eigene Person verändert hatte.
Viele Veränderungen zu Artikeln, die Betroffene selbst vornehmen, werden von den Wikipedia-Admins nicht akzeptiert und rückgängig gemacht. Das passierte schon 2005 zum Beispiel dem FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Er hatte seinen Eintrag in der freien Enzyklopädie bearbeiten lassen, um seiner Meinung nach fehlerhafte Fakten zu korrigieren. Binnen weniger Minuten wurden die Änderungen jedoch wieder aufgehoben. Nach der vierten Löschung einzelner Passagen erfolgte sogar eine Sperrung der entsprechenden IP-Adresse. In einem Brief beschwerte sich Niebel über das Vorgehen. Der Wikipedia-Admin begründete sein Vorgehen so: Sämtliche Löschungen seien kommentarlos erfolgt, weswegen man diese rückgängig gemacht habe. "Es ist nicht ganz klar, ob (…) alle vier von Ihnen gelöschten Absätze unwahr sind. Es gehört jedoch zu den redaktionellen Prinzipien der Wikipedia, alle Aussagen zu belegen." Im Nachhinein wurden einige Passagen des entsprechenden Eintrags verändert und entschärft.
Was also tun, wenn man berechtigte Änderungsvorschläge hat, diese wegen des Misstrauens der Wikipedianer aber nicht veröffentlicht werden? Wikipedia-Gründer Wales empfahl in der "New York Times" Betroffenen, sich auf der entsprechenden Diskussionsseite, die es zu jedem Artikel gibt, anzumelden und dort seine Anmerkungen und Änderungsforderungen zur Debatte zu stellen und zu vertreten. Auch Sebastian Moleski, Zweiter Vorsitzender von Wikipedia Deutschland, rät zur Zusammenarbeit: Wenn Personen mit Inhalten der Wikipedia über sich selbst nicht einverstanden seien, gebe es andere Wege als den juristischen, um zum Ziel zu kommen, sagte er der DPA. Die überwiegende Mehrzahl von Problemen werde einvernehmlich intern gelöst, ohne dass Gerichte bemüht werden müssten.
Rechtsanwalt Stephan Mathé empfiehlt, "zunächst auf die Rechtskeule zu verzichten. Eine Klage wird meistens teuer sein, und es wird nicht viel dabei herauskommen." Es sei erfolgversprechender, sich direkt an die Betreiber zu wenden. Allerdings betont der Jurist auch deren Sorgfaltspflicht. "Wenn schon nicht verhindert werden kann, dass falsche Informationen veröffentlicht werden, muss es doch ein funktionierendes System geben, um diese Fehler schnell zu entfernen." Wenn das gewährleistet sei, so Mathé, würden deutsche Gerichte auch nicht mehr so schnell die Verantwortung beim Betreiber sehen: "Die müssen überzeugend zeigen, dass sie tun, was sie können."
Dass der Artikel über Heilmann Fehler hatte, räumt auch Moleski ein: "Seit Freitag wurde der Artikel hundertfach überarbeitet und dabei auch einige unbewiesene Behauptungen über Heilmann entfernt." Dennoch scheint die Kontroverse dem Lexikon nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: "Die Anzahl von Solidaritätsbekundungen, E-Mails, Telefonanten und nicht zuletzt Spenden war enorm", so Moleski. Während sonst durchschnittlich 3000 Euro pro Tag an Spenden eingenommen werden, schnellte am Samstag das Spendenvolumen auf über 16.000 Euro hoch.