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10. November 2008, 10:43 Uhr

Als der Computer Grippe bekam

Der Anfang war ganz harmlos: Vor 25 Jahren schrieb ein Doktorand in Los Angeles ein Computer-Programm, das sich fortpflanzen konnte - die Geburtsstunde des Computervirus. Heute ist aus der Erfindung eine weltweite Gefahr geworden. Die Web-Mafia nutzt Viren, Würmer und Trojaner für Geldwäsche, Konten-Plünderung und Password-Klau.

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Nichts geht mehr: Vor 25 Jahren erblickte der erste Computervirus das Licht der Welt© Picture-Alliance

Kann ein Computer krank werden? Als Fred Cohen sich mit dieser Frage beschäftigte, war das Thema eher akademischer Natur: Die Menschen schrieben noch Briefe statt E-Mails, in den Büros ratterten Schreibmaschinen statt PC-Tastaturen. Um zu zeigen, dass ein Rechner von einem Virus befallen werden kann, schrieb der Doktorand von der Southern California University in Los Angeles vor 25 Jahren, am 10. November 1983, als erster ein funktionsfähiges Programm, das sich fortpflanzte. Er ahnte, dass seine Entdeckung gefährlich ist. Dass sie eine solche kriminelle Karriere hinlegen würde, konnte er sich nicht ausmalen.

Vorbilder aus der Biologie

Als Cohen Computerviren definierte, hatte er deren Vorbilder aus der Biologie im Hinterkopf: Es handle sich um Programme, die andere Programme infizieren könnten, indem sie diese veränderten und etwa eine Kopie von sich selbst in den Quellcode einfügten, schrieb er in einem damals viel beachteten Aufsatz. Ohne dass es der Computer-Nutzer bemerkt, können die elektronischen Erreger die Kontrolle des Systems übernehmen. Heute steht der Begriff für ein hochgerüstetes Arsenal schädlicher Software (Malware), mit denen Cyber-Kriminelle private Nutzer wie Firmen attackieren: Würmer, Trojaner, Spyware.

Damals wie heute ging es um die Kontrolle über den Rechner - doch die Absichten der Viren-Autoren könnten unterschiedlicher nicht sein. "Damals haben die Viren-Autoren oft nur Schabernack betrieben", sagt Raimund Genes, Technikvorstand beim Software-Hersteller Trend Micro. Eine Botschaft auf dem Bildschirm, das war's. Schaden haben zwar auch diese Viren angerichtet, doch richtig bösartig war nur ein Bruchteil.

Doch schon bald setzten nicht mehr allein Programmierer und Jugendliche mit Ego-Problemen Viren in Umlauf, sondern immer mehr Cyber-Gangster, die Raubzüge auf den Rechnern der arglosen Nutzer starten wollten. Denn immer mehr Menschen beschafften sich erst einen PC, später einen Internetzugang. Sie erledigten online Bankgeschäfte, schrieben E-Mails oder kauften Bücher, CDs und Trödel.

Spätestens seit fünf Jahren geht es vor allem ums Geld. "Die Täter denken marktorientiert", sagt der Karlsruher IT-Experte Christoph Fischer. "Sie wollen Bankkonten und Aktienportfolios plündern oder eBay-Konten für Geldwäsche nutzen." Er sieht mafiöse Banden am Werk - in Deutschland vor allem aus Osteuropa. Im Unterschied zu früher wird der Bildschirm allerdings nur noch selten schwarz. "Die bösen Jungs haben kein Interesse daran, ihre Aktivitäten sichtbar zu machen", sagt Trend-Micro-Experte Raimund Genes. Die Zahl der Schädlinge nimmt trotzdem rasant zu: Laut einer Untersuchung von Trend Micro kommen jeden Monat 500.000 mit Variationen im Quellcode hinzu.

Ein Impfstoff ist nicht in Sicht

Ein Impfstoff gegen die Seuche ist nicht in Sicht. "Die Branche ist professionell geworden und kann die besten Informatiker bezahlen, um Viren schreiben zu lassen", sagt Prof. Norbert Pohlmann von der FH Gelsenkirchen. Zudem sei die Immunabwehr der Computersysteme schwach - alle wiesen Lücken auf, die ein kundiger Angreifer ausnutzen kann. Und da ist noch der Anwender, der leichtfertig Links zu gefährlichen Websites anklickt oder verseuchte E-Mails öffnet. Das sieht Fred Cohen 25 Jahre nach seiner Entdeckung als größtes Problem: "Viele Viren verbreiten sich aus psychologischen Gründen - Spam legt ja nicht den Computer herein, sondern den User."

Viren, Würmer und Co. nützen aber nicht nur den Kriminellen, sondern sind mittlerweile auch eine einträgliche Geschäftsgrundlage für die Hersteller von Anti-Virus-Software. Eine ganze Industrie vermarktet Programme zur Abwehr der vielfältigen Gefahren aus dem Netz oder kassiert für ihr Fachwissen satte Honorare. Auch Pionier Fred Cohen, der sich schon 1984 über Therapien gegen Computerviren Gedanken machte, verdient heute damit sein Geld: Er gründete eine Beratungsfirma für "den Schutz von Informationen".

Von Christof Kermann, DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Malt (11.11.2008, 11:18 Uhr)
Danke...
...Leute, jetzt hab's sogar ich geblickt ;-)
STR_EDDS (11.11.2008, 02:32 Uhr)
:-)
@Malt: Sorry für das Fach-Chinesisch. Ich glaube, ich habe das nicht mehr so ganz unter Kontrolle. :-)
.
@Necros. Super! Der Babelfisch ist nichts dagegen. :-) Passt alles auf den Punkt.
Necros (10.11.2008, 20:27 Uhr)
@Malt
Das ist eigentlich ganz einfach. Es gibt Kits (also kleine Programme), mit denen Spreader (also Personen, die Software, Musik, Filme ins Netz stellen) selber Viren schreiben können. Diese Viren werden an die Software (Filme, etc.) angehängt und verbreiten sich so zuerst in illegalen Bereichen, wo sich User Raupkopien aller Art besorgen. Okay? 2. Teil: Um die User daran zu hindern, Spiele und Musik zu kopieren, erfindet die Industrie immer wieder kleine Schweinereien (die sie Kopierschutz nennen), die Ihren Rechner ausspionieren. Dabei vergessen sie allerdings, dass jeder halbwegs schlaue Raupkopierer innerhalb von Minuten Mittel und Wege findet, diese Sicherheitsprogramme zu umgehen...
Virusscanner ignorieren diese Spionage aber seltsamerweise, weshalb man halt munkelt, dass dort eine verhängnisvolle Zusammenarbeit besteht... :-) Heuristik beschreibt die Fähigkeit von Virusscannern, Viren anhand ihres *Verhaltens* zu erkennen. Er schaut also, was das Programm macht (Dateien manipuliert, Internetverbindungen erstellt, etc.) und versucht so herauszufinden, ob es sich um einen Virus handelt. Die Schutzprogramme der Industrie finden Virusscanner aber nie, was (wie schon gesagt) seltsam ist... Noch Fragen? :-)
horst.pachulke (10.11.2008, 18:45 Uhr)
Seit einem dreiviertel Jahr habe ich keine Probleme mehr mit Viren.
Hab' vor einem dreiviertel Jahr Linux installiert.
Diesen "hochfahren-im-abgesicherten-Modus"-Blärf - weswegen auch immer - hatte ich seither nicht mehr.
Malt (10.11.2008, 18:04 Uhr)
Lieber STR_EDDS...
...danke für die Erleuterung, ich habe aber leider kein Wort verstanden... ich bin doch nur ein popliger User ;-)... aber Gott sei dank habe ich hier nen EDV (oder heisst das mittlerweile wieder anders?) Spezialisten, der sich mit dem Kram auskennt. Da sist ja ne völlig neue Sprache ;-)
STR_EDDS (10.11.2008, 15:45 Uhr)
@pistenpirat
Die Tatsache dass ich klug bin, steht hier nicht zur Debatte. ;-)
.
Vorschlag: wenn Sie von den "Fachbegriffen" einige nicht verstehen, fragen Sie den Poster (mich) oder google. Einfach dumm rumfrotzeln lässt zwar keine Rückschlüsse auf Ihre Klugheit zu, jedoch auf Ihren Stil, bzw. auf das Fehlen dessen.
Clibanarius (10.11.2008, 13:22 Uhr)
Pistenpirat
Wen glaubst du mit "wir" zu vertreten? Wer selbst so verwirrt ist, Urheber von nur 2 Postings zu verwechseln, dem braucht man nicht zu erklären was eine Heuristik, Rootkit oder Keygen ist.
pistenpirat (10.11.2008, 13:02 Uhr)
wie bitte ?
STR_EDDS (10.11.2008, 12:46 Uhr)
@Malt
Lieber Malt, hätten Sie nicht noch mehr Fachbegriffe verwenden können ?
Na ja, jetzt wissen wir wenigsten,
wie klug Sie sind.
STR_EDDS (10.11.2008, 12:46 Uhr)
@Malt
Derzeit kommen ca. 70% der aktuellen Viren und Spybots aus Desaese Construction-Kits. Damit kann jeder durchschnittliche Spreader seine tollen "Warez" impfen, bevor sie über einen Torrent oder übers Usenet verteilt werden. Da die Welt eben gerne "dezentrale Sicherungskopien" benutzt, vebreitet sich das zeug wie der Teufel. Die Hersteller brauchen sich insofern keine Sorgen um Aufträge machen.
.
Bei gewerblichen Rootkits darf man den Blick schon eher richtung Sony/BMG u. Co. richten. Was die für Schweinereien (damals "XPC") im System anstellen, nur um ihren idiotischen Kopierschutz zu implementieren, ist schon heftig. Die Tatsache dass die Virenscanner unisono solche gewerblichen Seuchen ignorieren, jedoch durch falsch getriggerte Heuristik per Default jeden Keygen als Trojaner markieren, ist der eigentliche Skandal.
Malt (10.11.2008, 11:31 Uhr)
Ich bin ja...
...nach wie vor der Überzeugung dass die meisten Würmer, Trojaner etc. von den Firmen geschrieben werden, die die Anti-Virusprogramme herstellen... ein sich selbst am Leben erhaltender Markt... deshalb schlagen, falls mal ein Outsider einen Virus programmiert, ja auch immer so hohe Wellen... den da ist einfach niemand im Vorfeld darauf vorbereitet!
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