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11. Dezember 2009, 12:08 Uhr

Königliche Fete für das Echtzeit-Netz

Le Web, Le Web 09, Internet, Web, Web 2.0, Paris

YouTube-Mitgründer Chad Hurley (links) im Gespräch mit Konferenz-Organisator Loic Le Meur. Hurley war einer von zahlreichen amerikanischen Internetstars, die aus dem Silicon Valley angereist waren© Karsten Lemm

Mekka für Jungunternehmer

So machen sie das in Amerika, besonders im Silicon Valley, dem Mekka für Jungunternehmen. Aber lässt sich das so einfach auf Europa übertragen? "Das Silicon Valley ist in einer einzigartigen Lage", sagt YouTube-Mitgründer Chad Hurley im Gespräch mit stern.de. "Ideen allein reichen ja nicht - man braucht ein ganzes Ökosystem." Die Universitäten, die Geldgeber, die Unternehmer - eine seltene Mischung aus Köpfen und Kapital ist das, schwer zu kopieren, auch wenn es viele Gegenden rund um die Welt seit langem versuchen. Und so gehen manche Jungfirmen aus Europa lieber gleich nach Kalifornien.

Während Hurley auf der Bühne sitzt und über seine Liebe zur Formel 1 spricht, stehen ein Stockwerk tiefer Vincent Rithner und François Bochatay beisammen. Die beiden Schweizer haben "Sobees" entwickelt, eine kostenlose Software, die Freunden von sozialen Netzen helfen soll, im Gewirr der verschiedenen Dienste den Überblick zu behalten: Ob Facebook, Twitter, MySpace oder LinkedIn, alle Informationen fließen mit Sobees an einer Stelle zusammen. Deutsche Netzwerke wie Xing und StudiVZ würden die Schweizer auch gern einbeziehen, "aber die sind sehr verschlossen", klagt Bochatay. Stattdessen gibt es Sobees jetzt für Yahoo, so stehen die Nachrichten aus dem sozialen Netz gleich neben der E-Mail. "Wir haben zwei Jahre lang Kontakte im Silicon Valley aufgebaut", erzählen die Sobees-Gründer, "und jetzt zahlt es sich aus. Viele andere Firmen aus Europa konzentrieren sich einfach nur auf ihr eigenes Land."

Dabei macht es das WWW ja eigentlich ganz leicht, Menschen in aller Welt zu erreichen. Gleich neben Sobees demonstriert Stefan Lemper seinen "Club Cooee": Die deutsche Jungfirma verbindet Chat und Instant Messages mit 3D-Welten, wie man sie aus Computerspielen und Second Life kennt. Plötzlich haben alle Teilnehmer an virtuellen Unterhaltungen ein Gesicht, sie sind Figuren, die sich bewegen und eine Mimik haben, nicht mehr nur ein Name in einem Textfeld. "Jeder kann sich individuell ausdrücken", erklärt Lemper und zeigt, wie man mit ein paar Mausklick seine Avatar-Figur neu einkleiden oder ihr eine andere Frisur geben kann. "Man bekommt sofort einen Eindruck vom anderen", sagt Lemper, "es zeigt, wie jemand erscheinen möchte".

Nutzer hat die Zehn-Mann-Firma aus Kaiserslautern schon rund um die Welt gefunden. Auch der Name ist international: "Cooee", erklärt Lemper, ist der Ausdruck der Ureinwohner in Australien, wenn sie auf sich aufmerksam machen wollen. Dem Start-up selbst ist das schon gut gelungen; Club Cooee gehört zu einer Gruppe von Auserwählten, die Microsoft in seine "BizSpark"-Initiative aufgenommen hat, ein Förderprogramm für vielversprechende Jung-Unternehmen. "Unser Traum ist es, dass wir einen Großteil derjenigen, die Instant Messaging privat und zur Unterhaltung nutzen, für Cooee interessieren, weil wir eine spannende Alternative bieten", erklärt Lemper. Mehr muss gar nicht sein. So groß zu werden wie YouTube oder Facebook, das steht nicht auf dem Programm. "Das wäre vermessen", sagt der 39-jährige Firmenchef.

 
 
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