Internationale Konkurrenz haben die Vorreiter aus den USA bisher wenig. Jüngster Zuwachs unter den digitalen Nachlassverwaltern ist Mywebwill aus Schweden. Anstoß für das Unternehmen gab ein Profil bei Facebook. Öffentliche Trauer im virtuellen Raum, wie Freunde und Angehörige sie im Falle von Matthias Streitwieser betreiben, hat Sunniva Geertinger als unerträglich empfunden.
Wochenlang versuchte sie, das Profil ihres verstorbenen Freundes zu löschen. Grüße seiner Onlinefreunde oder die letzten Urlaubsbilder waren ihr kein Trost, sondern verfolgten sie wie ein Gespenst. Andere Freunde aber beharrten darauf, die Seite zu erhalten. Darum erfand sie Mywebwill, wo Internetnutzer in einem digitalen Testament festlegen sollen, welchen Umgang sie sich für ihren virtuellen Nachlass wünschen. Ob ihre Profile gelöscht oder erhalten werden sollen und wer die Passwörter bekommt. Zudem können sie eine letzte Mail an Freunde und Verwandte verfassen, die nach dem Tod verschickt wird.
In Deutschland hat sich bisher nur der Anbieter Idivus vorgewagt. Wie bei US-Vorbild Legacy Lockers können Mitglieder hier Daten und Passwörter hinterlegen und verwalten sowie Nachrichten für Freunde aufbewahren. 1,50 Euro kostet das im Monat. Angemeldet haben sich - wie bei den meisten dieser Dienste - bisher nur wenige Menschen. Von den Einnahmen kann Idivus gerade mal die laufenden Kosten decken. "Uns war schon klar, dass man damit kein Geld verdienen kann", sagt Marco Hamburger, Projektmanager und einer der beiden Gründer von Idivus. "Aber das wird noch kommen, das Netz hat an dieser Stelle ein Problem. Wir wollten früh am Markt sein."
"Noch ist die Internetgemeinde jung, aber spätestens in zehn Jahren werden sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, was aus ihrem digitalen Nachlass wird", sagt Theologin Janetzky. Schon jetzt merke sie in ihrer Arbeit mit Bestattern, dass das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. Was auch der Bundesverband Digitale Wirtschaft beobachtet: "Künftig werden sich immer mehr Dienste um digitalen Nachlass kümmern", sagt Axel Schmiegelow, Vorsitzender der Fachgruppe Social Media. In der Branche werde eifrig nach Methoden und Automatismen gesucht, mit denen man auf digitale Todesfälle reagieren kann. "Wir stehen hier jedoch erst am Anfang einer Entwicklung", sagt Schmiegelow.
Das Internet hat das Leben verändert, allmählich verändert es auch den Umgang mit dem Tod. Manche Menschen tauchen als Verstorbene überhaupt erst im Netz auf, etwa in Trauer- und Erinnerungsvideos. Manche wiederum scheinen gar nicht aus dem Leben zu verschwinden. "Er ist immer noch unter uns" steht auf der Profilseite von Matthias Streitwieser. "Die Accounts werden nicht gelöscht. Erinnert Euch an ihn. Ihr sollt wissen, dass er immer noch da ist." Wenn man seine Fotos betrachtet, hat man fast das Gefühl, dass es so ist.