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"Mach deinen Dreck weg und entschuldige dich"

Die Jugendministerin war da und auch die Youtube-Stars Daaruum und Marie Meimberg. Die Aktion "361°" gegen Cybermobbing war ein Erfolg. Und es gab jede Menge Tipps.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Selfie gegen die Hater: Daaruum, Ministerin Manuela Schwesig und Marie Meimberg

Selfie gegen die Hater: Daaruum, Ministerin Manuela Schwesig und Marie Meimberg

Natürlich ist die Hoffnung, dass Hass, Diskriminierung und Respektlosigkeit eines Tages aus dem Netz verschwinden werden, totaler Blödsinn. Die Frage ist nicht, ob man damit umgehen muss, sondern wie. Die besten Antworten zum Themen Cybermobbing kamen bei der Abschlussveranstaltung der Youtube-Kampagne "361° Respekt" von Jugendlichen selbst, die zusammen mit Youtube-Stars wie LeFloid und Daaruum in Videos die Frage beantwortet haben: "Was macht dich stark?". Rund 2,1, Millionen Mal wurden die Filme insgesamt schon geklickt, in denen immer wieder Freunde, Familie und das Verantwortungsbewusstsein für andere als Mittel gegen Mobbing genannt werden.

Luana ist 17 und gehört zu den Netzperten, einer Schülergruppe aus dem Raum Stuttgart, die mit einem Schulsozialarbeiter und einem Medienpädagogen zusammen einen Workshop erarbeitet haben, den sie anderen Schülern vorstellen. "Wir gehen durch sechste bis achte Klassen und zeigen zum Beispiel, wie die Privatsphäreeinstellungen bei Facebook funktionieren", sagt sie. "Die sind immer schön versteckt." Da Facebook aber "eh gerade stirbt", geht es jetzt mehr um Whatsapp und Snapchat. Ihr Tipp? "Darauf achten, was man von sich preisgibt - und wem."

Besagter Schulsozialarbeiter heißt Lars Piechot, und er verbringe 50 Prozent seiner Arbeitzeit mit dem Thema Soziale Medien. Die Hoffnung, dass Whatsapp ein kleineres Übel sei als Facebook trüge, fügt er an: "Es ist nicht mehr die Riesenöffentlichkeit, aber die gleiche Problematik". Sein Tipp: "So wenig Angriffsfläche bieten wie möglich."

Soziale Medien sozial machen

Als Jugendministerin Manuela Schwesig auf die Bühne steigt, spricht sie in größeren Bildern: Das Thema Cybermobbing habe viel mit Freiheit zu tun. "Freiheit im Netz heißt nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will. Die Freiheit endet, wenn ich einem anderen Menschen die Freiheit nehme, indem ich ihn einschränke und verletze". Da ist er wieder, Immanuel Kants Kategorischer Imperativ, der auch nach 226 Jahren uneingeschränkt Gültigkeit hat.

Der erhobene Zeigefinger von Erwachsenen bringe wenig, führt Schwesig aus. Die wüssten es ja selbst nicht besser, wenn man sich das Netz angucke. "Aber auch Eltern müssen das Vertrauen haben, mit solchen Themen umzugehen." Und dann ihr Aufruf: "Machen wir die Sozialen Medien wirklich sozial."

Die Trennung zwischen real und online ist Quatsch

Deutlichere Worte findet die Netz-Prominente Marie Meimberg. Der gefällt die Trennung zwischen realer und Onlinewelt überhaupt nicht. Sie würde dem Diskurs schaden, es sei schließlich das Gleiche: "Stell dir vor, du lädst Freunde ein, kochst stundenlang, dann setzt ihr euch hin, um zu essen und einer zieht die Hosen runter und kackt auf den Tisch. Es ist klar, dass er der Depp ist. Und wenn er seinen Dreck nicht wegmacht und sich entschuldigt, bleibt er es auch." Für beide Welten müssen die gleichen Regeln gelten. "Was ich auf im Bus nicht will, will ich auch nicht auf Twitter!", sagt Meimberg.

Ihr Tipp gegen das Gemobbt-werden? Die offene Ansprache. Ihre erste Erfahrung stamme aus der Zeit vor dem Internet, sei aber bis heute prägend. "Ich war in der dritten Klasse und bin als Mädchen aus dem Norden im tiefsten Süden gelandet." Ihr Dialekt war falsch, der Beruf ihrer Eltern, alles. "Das Wichtigte ist, irgendwann von Mensch zu Mensch zu sagen: 'Das tut mir weh!' Es war der mutigste Tag in meinem Leben, als ich zum Anführer gegangen bin." Und dann? "Dann hat er sich entschuldigt, weil er das gar nicht so gemeint hat. Er fühlte sich von mir eingeschüchtert."

"Da läuft einiges ein"

Ein paar Meter weiter posiert Youtube-Star Daaruum zuerst mit Schwesig, dann mit Jugendlichen Kampagnenteilnehmern. Und, kennt Daaruum Cybermobbing? Weder in der Schule, noch im Privatleben, sagt sie. Aber seitdem sie in der Öffentlichkeit stehe, gebe es natürlich Hater in den Kommentaren. "Nach dem ersten Shitstorm wegen einer Kooperation mit einer Firma war ich echt fertig. Wenn man dann allein in seinem Zimmer sitzt, ist das nicht schön. Manchmal dauert das mehrere Tage", sagt die 24-Jährige. Aber meist vergehe es auch bald wieder. "Und das Positive überwiegt. Was mir hilft, ist antworten. Obwohl es falsch ist." Und weil es eigentlich unfair sei, den Hatern zu antworten und den Postitiven nicht, habe sie die Regel: "Auf eine Negativ-Antwort kommen drei Positive!"

Und auch Ministerinnen werden gemobbt: Zuerst sagt Schwesig, als Politikerin müsse man Mobbing abkönnen. Dann aber gibt sie zu, dass bei Themen wie Rechtsextremismus, Islam- und Frauenfeindlichkeit schon einiges einlaufe. "Zum Glück schützen mich immer rund zwei Drittel der Follower." Plötzlich trifft einen die Einsicht, dass dies wirklich ein Troll-freier Raum zu sein scheint.

Und diese Veranstaltung schafft noch etwas - ganz nebenbei. Während Schüler ihre Projekte vorstellen - vom Kurzfilm über einen Mobbingfall bis zum Poetryslam -, wird klar, dass der beliebte Vorwurf an die Jugend "unpolitisch, indifferent und dumm" zu sein, arrogant und falsch ist. Das findet auch Meimberg: "Guckt euch mal die Kommentare unter LeFloid an!" Nur weil anders über politische Themen dusktiert werde, sei das nicht schlechter. Aber das ist eine andere Diskussion.

  Netzperten heißt eine Gruppe von Schülern aus dem Raum Stuttgart, die anderen Schülern zeigen, wie sie sich schützen können.

Netzperten heißt eine Gruppe von Schülern aus dem Raum Stuttgart, die anderen Schülern zeigen, wie sie sich schützen können.

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