Aber warum eigentlich? Warum gilt meist nur in den USA: "The sky is the limit", die Ambitionen sind grenzenlos? "Die meisten europäischen Unternehmer gehen mit sehr bescheidenen Zielen an den Start", erklärt Edward Shenderovich, Managing Director bei Kite Ventures in Moskau. "Sie wollen gar nicht die Welt erobern, sondern einfach nur in ihrem eigenen Bereich Erfolg haben." Vielleicht, spekuliert der 33-Jährige, der lange in Kalifornien gelebt hat, fehle den Europäern da einfach ein Stück Unbekümmertheit, eine kindliche Naivität, die Amerikanern hilft, große Pläne zu schmieden und Neues auszuprobieren. "Man braucht das ja auch", sagt Shenderovich, "wenn man es wagen soll, von der Klippe zu springen."
Gegen Ende des zweiten Tages greift dann doch noch ein Europäer nach den Sternen, als der Franzose Tariq Krim auf die Bühne tritt und "Jolicloud" vorstellt: ein neues Betriebssystem speziell für Mini-Laptops, die hauptsächlich mit dem Internet arbeiten, sogenannte Netbooks. "Im nächsten Jahr wird es 50 Millionen Netbooks geben", rechnet Krim dem Publikum vor, "und was wäre, wenn all diese Geräte über ein Betriebssystem verknüpft wären, das Funktionen aus sozialen Netzen einbindet?" Google plant mit seinem "Chrome OS" Ähnliches, und Microsoft ist mit Windows immer noch der Platzhirsch der PC-Welt - scheinbar übermächtige Gegner, aber das kümmert Krim nicht. Er träumt trotzdem seinen Traum. "Wir wollen dafür sorgen, dass sich selbst die billigsten Rechner schön bedienen lassen", erklärt er. "Wir glauben, dass diese Maschinen das Zeug haben, alles zu verändern."
Sollen die Skeptiker ruhig die Nase rümpfen. Vielleicht, wenn er Glück hat und sein Plan aufgeht, steht Krim bei der nächsten "Le Web"-Konferenz wieder auf der Bühne - und wird gefeiert wie ein König.