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Die fetten Jahre sind vorbei

Kim Dotcom war einst ein schillernder Internetstar. Seit der filmreifen Festnahme im Januar 2012 versucht er sich an seinem Comeback. Heute wird er 40. Zeit, es ruhiger angehen zu lassen.

Von Christoph Fröhlich

Kim Dotcom beim Start seines Megaupload-Nachfolgers MEGA im Januar 2013.

Kim Dotcom beim Start seines Megaupload-Nachfolgers MEGA im Januar 2013.

Kim Dotcom war nie ein Mann der leisen Töne. Fuhr der Internetmillionär in den Zoo, tat er das in einem schwarzen Rolls-Royce mit dem Kennzeichen "GOD". Er ließ mit Bikinimädchen auf meterlangen Yachten die Champagnerkorken knallen, nahm mit seinem Ferrari an illegalen Straßenrennen teil und reiste mit einem Hubschrauber am Wochenende mal eben zum Grand-Prix der Formel 1 in Monaco. Sein Haus in Coatesville, 300 Kilometer nordwestlich von Auckland, ist das größte und teuerste Grundstück Neuseelands, es hat einen Wert von 25 bis 30 Millionen US-Dollar. Der dazugehörige Garten ist so riesig, dass man auf ein schwarzes Golfmobil angewiesen ist, um zügig von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Auf dem Gelände thronen zwei meterhohe Plastik-Giraffen.

Die 175-Millionen-Dollar-Webseite

All das konnte sich der in Kiel geborene Kim Schmitz, der sich später Kim Dotcom nannte, mühelos leisten. Er wurde reich mit dem Filesharingportal Megaupload, einer 2005 gegründeten Webseite, auf der urheberrechtlich geschützte Filme, Lieder und Software feilgeboten wurden. Der zwei Meter große und fast drei Zentner schwere Deutsche wurde zum Liebling der Raubkopierer, ein schillernder Internetstar - und sehr reich: Mehr als 175 Millionen Dollar spülte die Webseite in wenigen Jahren in seine Kasse. Das Geschäft lief offenbar so gut, dass Dotcom schon vor zehn Jahren tönte, dass er zu den zehn reichsten Männern der Welt gehören wolle. Gier und Größenwahn prägten viele Jahre sein Leben.

Heute feiert das Enfant terrible des Internets seinen 40. Geburtstag. Und vergleicht man die Anekdoten von damals mit seinem Leben heute, ist er kaum noch wiederzuerkennen. Aus dem protzsüchtigen Playboy ist ein fünffacher Familienvater geworden, der mit seinen Kindern lieber Schwäne füttert, als mit seinem High-Speed-Boliden durch Europa zu düsen. Und der sich jetzt als Freiheitskämpfer und Hit-Produzent versucht.

Und dann kam "The Raid"

Das wichtigste Datum im Leben des Kim Dotcom ist der 20. Januar 2012: In den frühen Morgenstunden stürmten 76 Polizisten, einige mit MP5-Schnellfeuergewehren bewaffnet, im Auftrag der US-Bundespolizei FBI das Anwesen des Internetunternehmers. Im Web ist jenes Datum seither als "The Raid", die Razzia, bekannt. Dotcom wurde verhaftet, sein Vermögen eingefroren, die Luxusautos beschlagnahmt, die Webseite Megaupload dichtgemacht. Als Betreiber der Onlinespeicher-Plattform wurden ihm Verstöße gegen das Urheberrecht, Geldwäsche und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Neuseeland kann er seitdem nicht verlassen, die USA fordern seine Auslieferung, ihn erwarten mehrere Jahre Haft. Seinen Geburtstag wird er dieses Jahr erzwungenermaßen in seiner Wahlheimat verbringen.

Viele Vorwürfe gegen Dotcom haben sich mittlerweile als haltlos herausgestellt, die Polizei-Razzia wurde für rechtswidrig erklärt. John Key, der neuseeländische Premierminister, musste sich später sogar öffentlich bei dem Deutschen entschuldigen, weil man ihn illegal abgehört und seine Rechner überwacht hat. Große Teile seines Vermögens sind aber immer noch eingefroren.

Neuer "Mega"-Speicherdienst: Kim Dotcoms Größenwahn-Show
Hat Kim Dotcom die arbeitslosen weiblichen Gaddhafi-Bodyguards engagiert? Zur Vorstellung seiner neuen Datenplattform "Mega" griff der Internetunternehmer tief in die Trickkiste. Mit einer riesigen Show auf seinem Anwesen in Coatesville nördlich von Auckland in Neuseeland launchte der in Kiel geborene Kim Schmitz kurz vor seinem 39. Geburtstag den neuen Dienst.  Ein Jahr nach der Razzia auf seinem Anwesen startet "Mega" und registrierte Schmitz' Angaben zufolge gleich in den ersten 14 Stunden eine halbe Million Nutzer. Dem Vorgänger "Megaupload" hatten die US-Behörden massive Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen und den Dienst aus dem Netz genommen.  "Wir bieten einen smarteren, schnelleren und sichereren Weg, um Inhalte in der Internet-Cloud zu speichern", sagte Dotcom bei seiner Party. Das von den USA gegen ihn betriebene Auslieferungsverfahren soll in diesem Jahr entschieden werden.

Hat Kim Dotcom die arbeitslosen weiblichen Gaddhafi-Bodyguards engagiert? Zur Vorstellung seiner neuen Datenplattform "Mega" griff der Internetunternehmer tief in die Trickkiste. Mit einer riesigen Show auf seinem Anwesen in Coatesville nördlich von Auckland in Neuseeland launchte der in Kiel geborene Kim Schmitz kurz vor seinem 39. Geburtstag den neuen Dienst.

Ein Jahr nach der Razzia auf seinem Anwesen startet "Mega" und registrierte Schmitz' Angaben zufolge gleich in den ersten 14 Stunden eine halbe Million Nutzer. Dem Vorgänger "Megaupload" hatten die US-Behörden massive Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen und den Dienst aus dem Netz genommen.

"Wir bieten einen smarteren, schnelleren und sichereren Weg, um Inhalte in der Internet-Cloud zu speichern", sagte Dotcom bei seiner Party. Das von den USA gegen ihn betriebene Auslieferungsverfahren soll in diesem Jahr entschieden werden.

Dotcom arbeitet am Mega-Comeback

Genützt hat das Kim Dotcom nur wenig: Sein profitables Geschäft, das ihm ein Leben in Saus und Braus ermöglichte, ist am Ende. Im vergangenen Jahr wagte er mit seiner neuen Dateitauschplattform MEGA, die vollständig auf die Privatsphäre der User abzielt, das Comeback. Es war ein Bilderbuchstart, die Server brachen unter der Last der Anfragen zusammen. Nach vier Wochen hatte die Webseite drei Millionen Mitglieder, mittlerweile sind es fünf Millionen. Ein Achtungserfolg, aber nicht mehr. Megaupload hatte 180 Millionen registrierte Nutzer, zu Hochzeiten wurden vier Prozent des weltweiten Datenverkehrs über Dotcoms Server abgewickelt. Von all dem ist MEGA meilenweit entfernt.

Nun, ein Jahr nach dem Comeback, hat Kim Dotcom sein neuestes Werk vorgestellt: Baboom. Das einst als Megabox angepriesene Projekt soll eine Art Hybrid aus Apples iTunes und dem Musikstreamingdienst Spotify sein. Zum Start gibt es Dotcoms neues Album "Good Times" in voller Länge zum Probehören. Er hat das komplette Album selbst arrangiert, erzählte er in einem Interview mit dem britischen "Guardian". "Wenn du eine Familie mit fünf Kindern hast und du wirst mit einer Anklageschrift konfrontierst, bei der du 80 Jahre ins Gefängnis sollst, bist du in keiner guten Verfassung. Deshalb hat mir die Musik wirklich geholfen. Wenn ich im Studio war, war alles andere einfach weg", sagte er der Zeitung.

Die Arbeit hätte ihn so berührt, dass er mehrmals bei der Produktion des Albums geweint habe, ließ er die britischen Reporter wissen. Ob das stimmt, lässt sich nicht überprüfen. Auf jeden Fall sichert es ihm Schlagzeilen: Kim Dotcom war schon immer ein begnadeter Selbstdarsteller, der es verstand, die Aufmerksamkeit geschickt auf sich zu lenken. Dennoch dürfte es schwer werden für Dotcom: Der Musikstreamingmarkt ist übersättigt und derzeit wenig profitabel, zudem haben die Verhandlungen mit den großen Musikverlagen selbst bei Schwergewichten wie Apple und Google Jahre gedauert. Und ohne die Major-Label ist die Zukunft für Baboom ungewiss.

Vom Tonstudio in die Politik

Sein Hang zur Selbstdarstellung zeigt sich auch an anderer Stelle: Derzeit ist Dotcom dabei, die "Internet Party" zu gründen, die bei den Parlamentswahlen im November antreten soll. Er selbst kann dafür nicht kandidieren, weil er kein neuseeländischer Staatsbürger ist. Dass er das Zeug zum Politiker hätte, zeigte er im Sommer 2013 bei einem öffentlichen Disput mit dem neuseeländischen Premierminister. Den Wirbel um seinen 40. Geburtstag wollte er deshalb für eine bombastische Gründungsfeier nutzen. 25.000 Gäste hatten bereits zugesagt, doch die Wahlbehörden machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Dennoch: Die Partei soll mehr sein als ein bloßes Hobby des Pfundskerls mit dem losen Mundwerk. Seit der Razzia vor zwei Jahren sieht sich Dotcom als Vorreiter im Kampf gegen die weltweite Überwachung durch Geheimdienste. Der Ex-Hacker hat sich voll und ganz der Privatsphäre der Nutzer verschrieben. "Wir sind alle Kinder von Assange", sagte er dem britischen "Guardian". Die Chancen für einen Parlamentseinzug stehen nicht schlecht: In Neuseeland ist Dotcom ein bekannter Mann, seine Ansichten und seine Partei werden ernst genommen.

Meterhohe Giraffen im Garten des Dotcom Mansions

Meterhohe Giraffen im Garten des Dotcom Mansions

Deutschland ist keine Option für ihn

Sein Image als Lebemann hat er an den Nagel gehängt. "Meine Prioritäten haben sich geändert", sagte er kürzlich einem Reporter des Szene-Magazins "Vice". Waghalsige Autorennen, teure Luxusyachten, riesige Privatjets - all das bedeute ihm heute nicht mehr viel. "Alles worauf ich mich freue ist, meine Kinder zu sehen, mit ihnen zu spielen, Spaß mit ihnen zu haben." Er will ihnen ein besserer Vater sein als sein eigener, wie er in seiner 2013 erschienen Biografie berichtet. "Mein Vater ist Alkoholiker und er hat mich und meine Mutter manchmal krankenhausreif geschlagen", wird Dotcom in dem Buch zitiert.

Nach Deutschland zurückzukehren ist für den Lebemann keine Option. Von der deutschen Botschaft hat sich in den vergangenen Jahren niemand bei ihm gemeldet. Außerdem sei er viel zu begeistert von Neuseeland: Er liebe das Land nicht nur für die frische Luft und das viele Grün, sagte er dem "Guardian", sondern auch für seine Abgeschiedenheit, die eine hohe Sicherheit garantiert. In einer "Spiegel TV"-Reportage sagte er vor wenigen Monaten: "Hier möchte ich mit meiner Familie alt werden."

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