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Großer Streit um kleine Bildchen

1800 Euro Strafe für das Verbreiten eines Mini-Fotos: Weil ein Facebook-User einen Link samt Vorschaubild teilte, trudelte ein satte Forderung ein. Experten fürchten eine Abmahnflut.

Von Christoph Fröhlich

  Vorsicht auf Facebook: Das Teilen von Bildern ohne Einwilligung des Fotografen kann teuer werden.

Vorsicht auf Facebook: Das Teilen von Bildern ohne Einwilligung des Fotografen kann teuer werden.

Die Bilder sind gerade einmal so groß wie eine Briefmarke, messen nur wenige Pixel in Höhe und Breite und sind oft nicht einmal besonders ansehnlich. Doch die kleinen Vorschaubilder, die beim Posten eines Links automatisch erstellt werden, schwirren millionenfach durch die sozialen Netzwerke. Sie sind ja auch praktisch: Entdeckt man einen interessanten Artikel, ein witziges Foto oder das neueste Musikvideo der Lieblingsband, generieren soziale Netzwerke wie Facebook, Pinterest oder Google+ ohne Zutun des Nutzers kleine Vorschaubilder, die andere User zum Klicken anregen sollen. Nur: Darf man die Fotos, die automatisch jeden Link schmücken, eigentlich auf seiner eigenen Facebook-Seite teilen?

1800 Euro für einen Klick

Für Frank Weiß, Rechtsanwalt für Marken-, Urheber- und Internetrecht, ist der Fall klar: "Besitzt man nicht die Rechte an einem Bild, darf dieses nur mit Einwilligung der Rechteinhaber weiterverbreitet werden." Diese Regelung gelte auch für automatisch erstellte Vorschaubilder. Obwohl sich viele Nutzer nicht an diese Regelung halten, mussten sie bislang keine Strafen fürchten. Bis jetzt.

Denn nun wagt eine Berliner Kanzlei den Vorstoß und hat einen Facebook-Nutzer wegen Urheberrechtsverstößen abgemahnt. Weil der auf einer gewerblichen Profilseite einen Link samt Foto teilte, dessen Rechte er nicht besaß, forderte die Abmahnkanzlei Kosten in Höhe von 1746,69 Euro. Diese setzen sich wie folgt zusammen: Das entgangene Fotohonorar der Fotografin wird mit 600 Euro veranschlagt, hinzu kommt der sogenannte Verletzerzuschlag in gleicher Höhe und 546,69 Euro Abmahnkosten.

Knapp 1800 Euro für ein daumennagelgroßes Bild - ist das gerechtfertigt? "Ich habe ganz erhebliche Zweifel an der Höhe des Schadensersatzes sowie der entstandenen Rechtsanwaltskosten", meint Rechtsexperte Weiß, der den Angeklagten vertritt. Die Summe sei überzogen. "600 Euro finde ich für ein Bild auf einem Facebook-Profil sehr hoch." Zudem sei das Bild kaum noch erkennbar gewesen, da das soziale Netzwerk die Bilder automatisch komprimiere. Doch klare Regelungen, welche Summe angemessen sei, existieren nicht. "Es gibt deutschlandweit unterschiedliche Gerichtsentscheidungen. Das ist nicht einheitlich geregelt."

Private Facebook-Seite kein privater Raum

Im Kern schätzt Weiß die Abmahnung aber als unstrittig ein: Sei das Bild nicht "gemeinfrei", unterliegt es also keinem Urheberrecht, dürfe es auch nicht ohne Einwilligung auf einer fremden Facebook-Pinnwand erscheinen. Denn: Da viele Seiten für mehrere hundert Facebook-Freunde öffentlich zugänglich sind, kann man nicht mehr von einer privaten Nutzung ausgehen. "Dass es sich bei der eigenen Facebook-Seite ausschließlich um eine private Seite handelt, ist ein Trugschluss."

Längst müssten sich User an den Grundsätzen des gewerblichen Handelns messen lassen, wie beispielsweise auch professionelle Blogger. Mit spezieller Software können Rechteinhaber automatisch das Web nach Urheberrechtsverletzungen durchforsten.

"Wir haben schon lange erwartet, dass solche Abmahnungen kommen", sagt Rechtsanwalt Weiß. "Ich sehe auch eine Gefahr, dass sich die Abmahnungen ausweiten könnten, wie es bei Ebay und anderen Plattformen schon lange der Fall ist." Diese Entwicklung schaffe enorme Unsicherheiten auf diesen Plattformen, so der Jurist. "Deshalb sollten sich Nutzer immer bewusst sein, was sie auf den einzelnen Plattformen tun. Sie müssen auf die Besonderheiten der neuen Medien aufmerksam gemacht werden."

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