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Asoziale Apps

Ist es in Ordnung, Restaurant-Reservierungen und Parkplätze per App zu verkaufen? Was die einen für innovativ halten, finden andere einfach nur asozial - auch in der Tech-Branche im Silicon Valley.

Von Timo Brücken

Teurer Spaß: Beim Webdienst ReservationHop werden Tischreservierungen in den begehrtesten Restaurants von San Francisco verkauft.

Teurer Spaß: Beim Webdienst ReservationHop werden Tischreservierungen in den begehrtesten Restaurants von San Francisco verkauft.

Die kalifornische Tech-Branche liebt alles, was neu ist. Und sie glaubt, dass ihre Produkte die Welt verbessern. Meistens jedenfalls. Denn bei einigen frisch entwickelten Apps und Webangeboten scheinen sich die Experten in San Francisco und im Silicon Valley da nicht mehr ganz sicher zu sein. Der Begriff "Jerk Tech" (Idioten-Technologie) macht die Runde und Kritiker unken: "Die neueste Möglichkeit, sich in San Francisco wie ein Arsch aufzuführen: grundlegende soziale Gepflogenheiten missachten und damit Geld machen."

Gemeint sind Dienste wie Monkey Parking, Sweetch oder ReservationHop. Bei den ersten beiden geht es darum, den eigenen Parkplatz an jemand anderen weiterzuverkaufen. Entweder meistbietend wie bei Monkey Parking oder für einen Festpreis von 5 Dollar, wovon Sweetch 1 Dollar einbehält. Im höllischen Stadtverkehr von San Francisco sicher eine Goldgrube. Und ein Ärgernis: Öffentliche Infrastruktur, die eigentlich jedem zugänglich sein sollte, wird reserviert und verkauft. "An Menschen mit Smartphones", wie der Journalist Josh Constine anmerkt. "Du hast nur ein altes Klapphandy? Dein Problem." Die Stadt San Francisco geht mit Unterlassungsaufforderungen gegen beide Apps vor.

Der Shitstorm war vorprogrammiert

Bei ReservationHop hingegen werden Tische in den begehrtesten Restaurants der Stadt angeboten. Zwei Plätze in der "Park Tavern"? 12 Dollar. Pizza für vier bei "Zero Zero"? Leider schon vergeben. Das Dreiste daran: Es sind nicht etwa verhinderte Restaurantbesucher, die hier Reservierungen verkaufen, die sie nicht mehr brauchen. Es ist ReservationHop-Erfinder Brian Mayer, der die Tische unter falschem Namen bestellt hat. Die Idee dazu will er in der Warteschlange eines Imbisswagens gehabt haben: "Es muss doch einen Markt für die Zeit geben, die Menschen damit verbringen in feinen Restaurants auf einen Tisch zu warten", schreibt Mayer in seinem Blog.

Kapitalismus zu Ende gedacht, könnte man sagen. Oder: asoziales Verhalten. Wer Mayers Gebühr nicht bezahlen will oder kann, schaut als Gast in die Röhre. Und den Restaurants gehen Einnahmen verloren, wenn ein Platz mal nicht gekauft wird. Das versuche er zu verhindern, indem er früh genug anrufe und die Reservierung zurücknehme, beteuert Mayer. "Ich will den Restaurants ja nicht wehtun." Ohnehin sei ReservationHop eher als schnelles Experiment zu Angebot und Nachfrage gedacht, über Fragen von Ethik und Moral habe er sich dabei kaum Gedanken gemacht.

Ein Shitstorm und der Titel "meistgehasster Mann San Franciscos" blieben ihm trotzdem nicht erspart.

Was ist echt und was Parodie?

Denn Mayers Aktion trifft einen Nerv. "Disruption" ist ein Zauberwort der Tech- und Startup-Welt. Es meint, dass ein neuer Player in den Markt kommt und die alten, etablierten Anbieter ins Wanken bringt, zum Beispiel mit Hilfe neuer Technologie. Und das sorgt oft für Ärger, Die Taxi-Apps Uber und MyTaxi sind Beispiele, die auch hierzulande bekannt ist. "Jerk Tech" wie Monkey Parking, Sweetch und ReservationHop sei hingegen etwas ganz anderes, schreibt Josh Constine: "Es ist eine Sache, einem großen, stagnierenden Unternehmen mit neuer Technologie Konkurrenz zu machen. Aber es ist eine andere, die kleinen Leute zu bescheißen, nur weil man etwas verkaufen kann, das eigentlich gratis sein sollte."

Warum also nicht auch Plätze in der Notaufnahme versteigern, Notrufnummern reservieren oder Geld vom Hintermann verlangen, bevor man sich im Kino hinsetzt, fragen manche auf Twitter. Das meiste dürften Scherze sein, aber der ein oder andere könnte es vielleicht tatsächlich ernst meinen, schreibt der Autor Mathew Ingram: "Es wird immer schwieriger zu unterscheiden, was ein echtes Startup und was eine Parodie ist."

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