Jane Austen und Vergewaltigungsfantasien

29. Juli 2013, 10:49 Uhr

Für Twitter wird ein Frauenbild auf einer Geldnote zum Problem. Wegen grenzenlos sexistischer Drohungen fordert eine Petition die lange überfällige Einführung eines Missbrauchs-Meldeknopfs. Von Sophie Albers

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Die Autorin Jane Austen schmückt bald die Zehn-Pfund-Note - und lässt britische Trolle vergessen, dass die Aufforderung zur Vergewaltigung ein Tatbestand ist.©

Die Beweggründe der sogenannten Trolle sind nicht nachvollziehbar - aber diese Benutzer sozialer Dienste, die es vor allem darauf anlegen, andere Menschen möglichst persönlich zu beleidigen oder auch zu bedrohen, fühlen sich auf Twitter ausgesprochen wohl und sicher. Nun besteht endlich die Aussicht, dass sich das ändert. Grund dafür ist - kaum zu glauben - Jane Austen, die gute alte Bekannte aus dem Englischunterricht.

Anfang des 19. Jahrhunderts hat Austen mit Romanen wie "Stolz und Vorurteil" und "Emma" Literaturgeschichte geschrieben. Das ist ein Grund dafür, dass die Autorin zukünftig die Rückseite der britischen Zehn-Pfund-Note schmücken soll. Der andere ist eine entschlossene Kampagne der Journalistin und Aktivistin Caroline Criado-Perez, denn eigentlich sollte es auf den Geldscheinen - abgesehen vom Konterfei der Queen - nur noch Männer zu sehen geben.

Troll verhaftet

Gemeinsam mit anderen Aktivistinnen ihres Portals "The Women's Room" hat Criado-Perez einen Aufruf gestartet, den die Bank of England tatsächlich gehört hat. Zum Feiern war Criado-Perez trotzdem nicht zumute, denn plötzlich war sie das Opfer einer Welle des sexistischen Hasses, der seinesgleichen sucht.

Trolle ließen Vergewaltigungs- und anderen Gewaltfantasien freien Lauf. Sogar die angebliche Privatadresse von Criado-Perez wurde gepostet. 48 Stunden lang wurde sie mit Troll-Dreck überschüttet.

Criado-Perez erstattete Anzeige. Und am Montag ist tatsächlich ein 21-Jähriger in Manchester verhaftet worden. Doch sollen der allgemeinen Empörung über die Trolle, deren willkürlicher Hass ein bekanntes Problem ist, nachhaltigere Taten folgen: in Form eines Missbrauchs-Meldeknopfes bei Twitter, der es möglich macht, auf solche Hass-Wellen zu reagieren. Bisher ist schon das Melden einer einzelnen Person auf Twitter eine langwierige Angelegenheit.

57.000 Unterschriften

Nachdem Twitter sich zuerst wenig souverän zeigte - Mark S. Luckie, beim Unternehmen für Journalismus und Nachrichten zuständig, hatte aufgrund der Anfragen erstmal seinen Account gesperrt -, reagierte der Twitter-Chef Großbritanniens, Tony Wang, mit dem immer noch vorsichtigen Hinweis, dass die Meldefunktion vereinfacht werden solle.

Damit das auch wirklich passiert, läuft die nächste Petition, die einen Missbrauchs-Meldeknopf bei Twitter fordert. Mehr als 57.000 User haben bereits unterzeichnet. Und sollte das nicht reichen, gibt es den Aufruf der britischen Journalistin Caitlin Moran zum trolliday: Aus Protest wollen die Unterstützer des Meldeknopfs am 4. August Twitter boykottieren. Der 4. August ist der Internationale Tag der Freundschaft.

Trolle gibt es immer und überall. "Nehmen wir es mit ihnen auf", fordert Criado-Perez.

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