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Der Mann, der auf Twitter immer wieder ums Leben kommt

Istanbul, Orlando, Egyptair: Jedes Mal, wenn in den vergangenen Wochen bei einem tragischen Ereignis Menschen starben, soll auch ein Mann namens Alfonso unter den Opfern gewesen sein. Twitter-User posten sein Foto und trauern um ihn. Immer wieder.

Angeblicher Alfonso

Das Foto dieses Mannes wird immer wieder auf Twitter gepostet

Das letzte Mal passierte es nach dem Terroranschlag am Istanbuler Flughafen. Kaum war bekannt, was geschehen war, ging wieder Alfonsos Foto um die Welt. Man suche nach ihm, hieß es, er sei verschwunden. Man vermisse ihn. Dazu wurde das Bild eines jungen Mannes gepostet.

Es war nicht der erste Tod, den Alfonso - wenn er denn so heißt - virtuell sterben musste. Bereits nach dem Absturz des Egyptair-Flugzeugs am 19. Mai und nach dem im Nachtklub "Pulse" am 12. Juni waren Fotos von ihm gepostet worden, er gelte als vermisst, schrieben die Twitter-Nutzer dazu, manche behaupteten, er sei ihr Bruder. Jedes Mal, wenn in den vergangenen Wochen Menschen bei einem Terroranschlag starben, sollte auch Alfonso unter den Opfern sein. Sucht man das Foto im Internet, gelangt man noch immer zu zahlreichen Accounts, auf denen es gepostet wurde; manche von ihnen sind nun gesperrt.


Auch Medien, die über Reaktionen und Opfer berichteten, griffen das Bild des Mannes auf, die "New York Times" band es in ein Video über den Amoklauf in Orlando ein. Inzwischen hat sie es aus dem Film entfernt. Man wisse nicht sicher, ob der Mann zu den Opfer zähle, heißt es nun.

Alfonso, das ist inzwischen klar, kam bei keinem der Ereignisse wirklich ums Leben. Unklar ist jedoch, wer die Aktion gestartet hat. Und vor allem, warum.

Alles ein Racheakt?

Der französische Sender "France24" versuchte, die Geschichte dahinter zu recherchieren. Die Journalisten schrieben verschiedene Menschen an, die das Foto gepostet hatten, und fragten nach. Alle erzählten die gleiche Geschichte: Der Mann sei ein Betrüger und habe sie um Geld gebracht. "Er war mein Freund, aber er hat mich und mindestens vier Menschen, die ich kenne, um Geld betrogen", zitiert der Sender einen Nutzer. Man habe sich an die Justiz gewandt, aber das Verfahren ziehe sich hin. "Daher haben wir uns entschieden, ihn zu bestrafen, indem wir sein Foto online posten. Wir wollen seinen Ruf ruinieren. Wir wollen, dass die ganze Welt sein Gesicht wiedererkennt."

Den Journalisten gelang es nach eigenen Angaben auch, den Mann zu kontaktieren, der auf den Bildern abgebildet ist. Ob er tatsächlich Alfonso heißt, wird nicht bekannt. Aber auch er bestätigt, dass alles nach einem Rechtsstreit angefangen habe. "Nun ist mein Bild in mehreren Geschichten erschienen, die auch auf geteilt werden. Ich habe mehrere Medien wie etwa die BBC und die New York Times kontaktiert und sie gebeten, mein Bild zu löschen, aber sie haben nie geantwortet."

Ob die Geschichte stimmt, ist jedoch nicht ganz klar. Es gibt auf der Seite keine Angaben, wie der Sender den Mann aufgespürt oder seine Identität verifiziert haben will.

car

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