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12. Juni 2007, 07:04 Uhr

"Trojanisches Pferd" in Windows

Auf dem Entwicklerforum von Apple hat Firmengründer Steve Jobs Produkte vorgestellt, die Microsoft Konkurrenz machen sollen: So soll der Web-Browser "Safari" künftig auch PC-User von seinen Qualitäten überzeugen. Die Anleger zeigten sich allerdings entäuscht - die Apple-Aktie fiel.

Neues bei Apple: Steve Jobs präsentierte den Web-Browser "Safari" und das Betriebssystem "Mac OS X Leopard"© Paul Sakuma/AP

Microsoft gegen Apple - Windows gegen Macintosh - kaum ein Wettstreit in der Computergeschichte wurde so emotional ausgetragen wie der Konkurrenzkampf zwischen den Firmengründern Bill Gates und Steve Jobs. Dabei ist Microsoft seit den achtziger Jahren ein wichtiger Software-Lieferant für die Apple-Plattform - und Apple gehört mit seiner Musiksoftware iTunes zu den größten Software-Herstellern für Windows-PCs. Nach dem Erfolg von iTunes in der PC-Gemeinde will Apple nun ein weiteres Trojanisches Pferd auf den Windows-Desktop schieben: Der Browser Safari soll wie iTunes die PC-Anhänger davon überzeugen, wie elegant und leistungsfähig Programme von Apple sind - und ihnen langfristig einen kompletten Wechsel zu den Computern von Apple nahe legen.

Keine gute Ausgangsposition

Die Startposition von Apple für einen neuen "Browserkrieg" sieht nicht gerade ideal aus: Mit einem Marktanteil von 78 Prozent hat der Internet Explorer von Microsoft Konkurrenten wie Firefox oder Opera weit hinter sich gelassen. Die Mac-Variante des Internet-Programms Safari kommt nach Angaben von Apple lediglich auf fünf Prozent.

Jobs hofft nun, dass mit der Popularität von iTunes auch dem Windows-Safari auf die Beine geholfen werden kann. "Wir denken, dass Windows-Anwender ziemlich beeindruckt sein werden, wenn sie sehen wie schnell und intuitiv das Surfen mit Safari sein kann", sagte Apple-Chef Jobs auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco. "Viele hundert Millionen Windows-Anwender setzen bereits iTunes ein und wir freuen uns, sie auch vom überlegenen Browsererlebnis von Safari zu überzeugen." Eine Vorab-Version des neuen Apple-Browsers ist von sofort an verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden.

iPhone gemeinsam mit Google entwickelt

Google-Chef Eric Schmidt, der bei Apple im Aufsichtsrat (Board) sitzt, nahm unter den rund 5000 Zuhörern im Moscone-Center die Ankündigung von Jobs mit einem breiten Grinsen auf. Der Browser-Vorstoß von Apple passt gut zur Strategie des Suchmaschinengiganten, Online-Programme wie Google Docs als Alternative zu den Produkten von Microsoft zu positionieren.

Zuvor waren Apple und Google schon bei der Entwicklung des neuen Apple-Handys iPhone zusammengerückt. Für das Smartphone hat der Suchmaschinenanbieter seine Kartenanwendung Google Maps modifiziert. Die Mehrzahl der Software-Entwickler im Apple-Umfeld wird dieses Privileg nicht in Anspruch nehmen können. Apple forderte die Programmierer auf, Anwendungen für Safari zu schreiben, die damit auch auf dem iPhone laufen würden. Die meisten Entwickler in San Francisco hatten sich im Vorfeld allerdings mehr versprochen und auf einen direkten Zugriff auf das Betriebssystem des iPhones gehofft.

Kein Ultraleicht-Notebook, keinen neuen iMac

Apple wird das iPhone am 29. Juni in den USA zusammen mit dem Telekomriesen AT&T auf den Markt bringen. Ein Starttermin für Europa steht noch nicht exakt fest. Im Januar hatte Steve Jobs angekündigt, das iPhone im vierten Quartal 2007 auch in Europa einzuführen. Unklar ist weiterhin, ob Apple für Europa nur einen Telekomkonzern als Partner auswählt oder das iPhone mit mehreren Providern vertreiben wird.

Die WWDC-Besucher, die auf weitere Produktankündigungen von Apple spekuliert hatten wurden enttäuscht. Der Zauberer Steve Jobs hatte weder ein neues Ultraleicht-Notebook noch einen neuen iMac im Zylinder. Die Börse in New York reagierte prompt: Die Aktie von Apple fiel an der Technologiebörse Nasdaq um 4,30 Dollar auf 120,19 Dollar. Seit der Ankündigung des iPhones am 9. Januar 2007 hatte sich die Aktie um 46 Prozent verteuert. Vergangene Woche erreichte sie mit 127,61 Dollar ein Allzeithoch.

Neues Betriebssystem präsentiert

Jobs präsentierte auf der Konferenz auch die nahezu fertig gestellte Version des neuen Apple-Betriebssystems "Mac OS X Leopard", das im Oktober 2007 auf den Markt kommen soll. Leopard enthalte mehr als 300 neue Funktionen, sagte Jobs, darunter einen neu gestalteten Schreibtisch ("Desktop") und eine "Stacks" genannte Methode, mit der sich Dateien auf intuitive Weise auf dem virtuellen Schreibtisch eines Apple Macintosh organisieren lassen. In den USA wird "Leopard" 129 Dollar kosten. Für eine "Familienlizenz" mit bis zu fünf Rechnern verlangt Apple 199 Dollar.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
gsc777 (13.06.2007, 10:15 Uhr)
Und das ist iMac?
Den Safari habe installiert und wollte ihn ausprobieren. Kein Wunder, dass die Aktie abstürzt. Der Browser tut es ja auch dauernd. Unbrauchbar!
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