Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Gegen FBI-Schnüffelei: Warum ausgerechnet Apple & Co. plötzlich Datenschützer sind

Apple weigert sich, der US-Bundespolizei eine Hintertür zu öffnen. Aus gutem Grund: Die Firmen aus dem Silicon Valley haben erkannt, dass sie so ein Stück Glaubwürdigkeit zurückerobern können.

Apple wehrt sich gegen das FBI? In Sachen Datenschutz? Und bekommt Flankenschutz von, Achtung: Google und der Facebook-Tochter Whatsapp? Was ist das denn? Verdienen die nicht sonst ihre Fantastilliarden damit, dass sie unsere Daten fröhlich und freigiebig verhökern? Schwingen sich jetzt ausgerecht die großen Datensammler aus dem Silicon Valley zu Gralshütern unseres Privatlebens auf? Ist das eine besondere Form der amerikanischen Maskerade – oder ist das vielleicht, unter Umständen, sogar: glaubwürdig?

Es ist glaubwürdig, zumindest ein Stück weit. Aber dazu gleich.


Apple gegen das FBI

Darum geht es: Das FBI will Apple dazu zwingen, das verschlüsselte iPhone von Syed F. zu knacken. F. ist einer der Attentäter von San Bernardino. Zusammen mit seiner Frau hatte er im vergangenen Dezember in der kalifornischen Kleinstadt 14 Menschen erschossen. 22 weitere Personen wurden verletzt. Das Paar, das die Terrororganisation "Islamischer Staat" unterstützt haben soll, starb in einem Feuergefecht mit der Polizei. Das Problem für die US-Bundespolizei: das iPhone von Syed F. ist verschlüsselt. Und deshalb fordert das FBI Apple nun auf, ein besonderes Betriebssystem zu programmieren. Das soll dem FBI helfen, heißt es, dieses eine iPhone zu knacken. Eine Richterin hat das FBI unterstützt und eine Anordnung erlassen.

Apple-Chef Tim Cook jedoch widersetzt sich der Forderung, auch mit einem offenen Brief. So ein besonderes Betriebssystem führe tatsächlich dazu, dass die Regierung zu allen Geräten Zugang bekomme. Es schaffe eine Hintertür zu den Daten der Kunden. Das lasse Apple nicht zu, denn sonst würde der Konzern ja seine eigenen Kunden hacken. Google-Chef Sundar Pichai unterstützte Cook. Er warnt vor einem „besorgniserregenden Präzedenzfall“, die Privatsphäre der Nutzer werde verletzt. Und Pichai ist nicht der einzige Cook-Unterstützer. Whatsapp-Gründer Jan Koum, schrieb auf Facebook. „Wir dürfen diesen gefährlichen Präzedenzfall nicht zulassen.“ Es gehe um die Freiheit. Das Valley rüstet sich gegen Washington.

Das klingt alles sehr wohlfeil. Aber es ist nur der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die zwischen den Techkonzernen und der Politik in Washington schon seit einiger Zeit schwelt. Zwar müssen die Digitalkonzerne Strafverfolgungsbehörden schon jetzt Daten einzelner Nutzer übergeben. Dafür gibt es eindeutige Rechtsvorschriften. Aber im Namen der Sicherheit fordern Polizei und Geheimdienste mehr: Eben Hintertüren, pauschale Zugänge – unabhängig von der jeweiligen Verschlüsselungstechnik. Das Motto lautet: Sicherheit über alles.


Glaubwürdige Gegenwehr

Die Konzerne sträuben sich. Und diese Gegenwehr ist glaubwürdig - auch wenn sie vor allem von geschäftlichen Interessen motiviert sein mag. Denn Apple, Google und Co. haben in der Post-Snowden-Ära erkannt, dass es für sie schädlich ist, wenn der Eindruck entsteht, dass sie nur willfährige Handlanger - kalifornische Spione - der US-Regierung sind. Das Image schadet, in den USA, besonders aber in Europa. Was machen die mit unseren Daten? Auf dem alten Kontinent schlägt das Misstrauen längst auf Politik und Gerichte durch. Der Europäische Gerichtshof hat im vergangenen Jahr den pauschalen Datentransfer über das so genannte Safe-Harbor-Abkommen genau mit dem Argument gekippt, dass Daten in den USA nicht als sicher gelten können. Der Snowden-Fall hatte gezeigt, wie beliebig der US-Geheimdienst NSA Daten abfischt.

Eine Profilierungschance für das Silicon Valley

Der Streit um die „Hintertüren“, die „Back Doors“, bietet dem Silicon Valley nun eine Chance, sich von der Praxis der US-Regierung öffentlichkeitswirksam abzusetzen, den Kunden – vor allem in Europa – zu zeigen: Wir sind doch die Guten. Und in dieser Diskussion ist es richtig, sich auf die Seite der Datenkraken zu stellen. Denn wenn erst die Technik dazu existiert, Verschlüsselungscodes zu brechen, werden sie alle Regierungen dieser Welt anwenden wollen, demokratische, autoritäre, totalitäre. Skepsis gegenüber den Datenschützern aus Kalifornien ist weiter ein Muss, gute, glaubwürdige Verschlüsselungstechnologien sind auf Jahre hinaus ein zentrales Thema. Aber es ist gut, wenn die Konzerne erkannt haben, dass Datenschutz für sie nicht nur ein Plus sein kann, sondern Geschäftsinteresse – und sich für diese Sache einsetzen.

Es ist ein paar Monate her. Da konnte ich in der Facebook-Zentrale in Dublin mit Alex Stamos sprechen, Facebooks Sicherheitschef. Stamos ist ein cooler Typ. Hemdsärmelig, direkt, leidenschaftlich. Vor etwas mehr als einem Jahr hat er sich, damals noch bei Yahoo, bei einer Anhörung im Kongress mit NSA-Chef Mike Rogers angelegt – auch wegen der Hintertüren. In Dublin sagte er: „Aus unserer Sicht sind starke Verschlüsselungssysteme entscheidend, wenn es darum geht, die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen. Die Vereinigten Staaten sollten die Idee, Sicherheit zu schwächen, nicht mit einem demokratischen Stempel versehen. Das ist nichts, was liberale Demokratien tun sollten.“ Monate später zeigt sich einmal mehr, wie Recht der Mann hat.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools