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29. September 2007, 07:42 Uhr

Mehr als Rote Khmer und Pol Pot

Kambodscha war jahrzehntelang eines der isoliertesten Länder der Erde. Langsam öffnet sich die Gesellschaft, die die Spätschäden des Schreckensregimes der Roten Khmer noch immer spürt. Wichtiges Werkzeug der Öffnung: Blogs - eine kleine Kulturrevolution.

Ein kambodschanischer Blogger testet beim Kambodschanischen Bloggertreffen in der Hauptstadt Phnom Penh© Heng Sinith/AP

Ein junger kambodschanischer Blogger stellte kürzlich die Frage, ob der frühere König Norodom Sihanouk nicht der erste Blogger des Landes gewesen sei. Eine endgültige Antwort darauf gab es nicht, möglich ist es schon. Die Website des 84-jährigen wird seit 2002 von seinen Mitarbeitern täglich mit seinen Ansichten zur Entwicklung des Landes, aber auch mit Berichten über seine Korrespondenz aktualisiert.

Und junge kambodschanische Blogger folgen dem König gerne. Sie berichten über ihr Leben, kommunizieren mit anderen im Ausland, auch wenn die ständigen Probleme mit der Stromversorgung es ihnen nicht gerade leicht machen. "Diese Selbstentfaltung ist eine Art kulturelle Revolution", sagt Norbert Klein. Der Deutsche lebt seinen vielen Jahren in Kambodscha. Er ist wohl derjenige, der die E-Mail 1994 in Kambodscha einführte. "Es ist etwas völlig Neues im kambodschanischen Leben", sagt Klein.

Eine völlig neue Welt

Kambodschaner, die die Möglichkeit zum Bloggen haben, entdecken eine völlig neue Welt. Auf ihren Websites diskutieren sie aktuelle Fragen zur Entwicklung des Landes, aber auch Themen wie die Korruption. "Das Bloggen verändert die Art und Weise wie wir kommunizieren und Informationen austauschen", sagt der 25-jährige Blogger Ly Borin. Er war völlig überrascht, als er auf seine Äußerungen zur Lebensmittelsicherheit eine Reaktion aus dem Ausland bekam. Noch vor ein paar Jahren sei es in Kambodscha völlig undenkbar gewesen, mit einem Fremden, der weit entfernt wohnt, zu kommunizieren, sagt Ly Borin.

Kambodscha wurde in den 70er Jahren durch die Herrschaft der Roten Khmer, die praktisch alle Verbindungen zum Rest der Welt kappten, eines der isoliertesten Länder der Welt. Die radikale Ideologie des so genannten Steinzeitkommunismus kostete rund 1,7 Millionen Menschen das Leben. 1979 wurden die Roten Khmer zwar gestürzt, erholt hat sich das Land aber bis heute immer noch nicht ganz - gerade einmal 0,3 Prozent der Kambodschaner haben einen regelmäßigen Internetzugang. Im benachbarten Thailand sind es 13 Prozent, in Vietnam 19 Prozent.

Es gibt mehrere Gründe, die derzeit einer stärkeren Verbreitung des Internets in Kambodscha im Wege stehen. So sind die Verbindungskosten noch sehr hoch. In einem Internet-Cafe kostet eine Stunde rund 2.000 Riel (rund 40 Cent), der Tagesverdienst von 35 Prozent der Menschen liegt aber noch darunter. Ein Problem ist auch die Sprache. Englisch, die wichtigste Sprache im Internet, wird nur von sehr wenigen Menschen in Kambodscha gesprochen. Auch sind gerade ältere Kambodschaner nach den Erfahrungen in der Vergangenheit sehr vorsichtig, ihre Meinung offen zu sagen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert auch immer wieder das Vorgehen der Regierung gegen Dissidenten. Eine Zensur im Internet gibt es aber nicht.

Blogger Ly Borin erklärt, viele ältere Kambodschaner, die seit 30 Jahren ums Überleben kämpften, seien mit moderner Technik wie Computern einfach überfordert. "Dem können sie nicht mehr folgen", sagt Ly Borin. Denjenigen, die das Internet nutzen können, geht es nun darum, zu zeigen, dass ihr Land sich verändert. "Kambodscha, das sind nicht nur die Roten Khmer und Pol Pot", sagt der 25-jährige Bun Tharum. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, der Welt zu zeigen, was wir denken und wie wir uns weiterentwickeln."

Ker Munthit/AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
waelder (30.09.2007, 06:16 Uhr)
Entwicklung in Kambodscha
Als 1970 die USA Kambodscha mit Gewalt überzogen, gab es weltweit Demonstrationen dagegen (u.a. im Mai 1970 unter meiner Anmeldung in Köln).
Als ich dann 2004 im Rahmen eines EU-Projektes zur Erhaltung der Artenvielfalt für kurze Zeit nach Pnom Penh reiste, war ich positiv überrascht. Die Stadt zeigt wenig an Kriegsauswirkungen, Englisch ist eine gängige Sprache und die Haltung gegenüber Fremden ist sehr freundlich und zuvorkommend. Die Visa-Erteilung bei der Ankunft ist für 30 Tage gegen eine Gebühr von 20 US Dollar schnell und problemlos; der Flughafen ist neu, modern und sehr, sehr sauber. Allerdings ist das Land immer noch stark vermint, aber mit Kambodschanern als Begleitung besteht wenig Gefahr auf ein solches Ding zu treten. Kambodscha ist auf jeden Fall eine Reise wert - nicht nur wegen Angkor Wat!
gmathol (30.09.2007, 05:19 Uhr)
Pol Pot wurde moeglich weil Nixon Kambodscha bombardierte.
Kambodscha war ein unschuldiges buddhistisches Land. Auf dem sogenannten Ho-Chi-Min Pfad wurden angeblich Waffen nach Vietnam geschmuggelt. Die USA bombardierten ein friedliches fast im Mittelalter lebendes Volk das allerdings schon unter den Franzosen gelitten hatte.
Heute ist Kambodscha ein Urlaubsort fuer Kinderschaender.
Langsam kotzt mich die christliche Moral des Westens nur noch an.
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