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11. November 2002, 09:46 Uhr

Lesen und lesen lassen

Über Fachliteratur mitreden zu können, bedeutete früher lesen, lesen, lesen. Heute fassen Agenturen den Inhalt eines Buches auf wenigen Seiten zusammen, der Zugriff erfolgt per Internet.

Screenshot GetAbstract© GetAbstract

Über Fachliteratur mitreden zu können, war früher Schwerstarbeit: Seite für Seite wollten sperrige, vor Fachchinesisch strotzende Wälzer erkämpft sein. Heute müssen Menschen, die belesen wirken wollen, keine Bücherwürmer mehr sein. Agenturen lesen gegen Bezahlung: Sie fassen den Inhalt eines Buches auf wenigen Seiten zusammen, der Zugriff erfolgt per Internet.

Alle wichtigen Thesen kennen lernen

»2000 aktuelle Titel können Kunden von unserer Homepage als Kurzbuch herunter laden«, sagt Thomas Bergen. Er ist Vorstand der Schweizer Firma getAbstract, die mit einer Million Downloads jährlich beim bezahlten Lesen im deutschsprachigen Raum die Nase vorn hat. Seine Mitarbeiter - meist Journalisten oder Uni-Dozenten - fassen pro Woche zehn Bücher auf je fünf Seiten zusammen. »Im Gegensatz zu einer Buchbesprechung ist die Inhaltsangabe viel ausführlicher. Nach der Kurzbuch-Lektüre kennt man alle wichtigen Thesen«, sagt Bergen.

Up to date sein mit wenig Aufwand

Knapp zehn Euro kostet einmal Lesen für Eilige: als Dokument für PC, Taschencomputer (PDA) oder als digitale Audio-Datei für den MP3-Player. Im Abo ist es billiger. Das Geld ist in den Augen von Thomas Blees, Sprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, gut angelegt. Er sagt, was viele denken: »Ich bin kein Mensch, der massenhaft Wirtschaftsbücher kauft. Die Zusammenfassungen helfen mir, up to date zu sein.«

Beitrag zur Management-Ausbildung

Mitarbeiter, die mitreden können, nutzen der Firma - egal, auf welche Weise sie sich ihr Wissen aneignen. Das haben neben KPMG auch Ernst & Young, Siemens oder SAP erkannt. Die Unternehmen lassen ihre Beschäftigten im firmeneigenen Intranet Kurzbücher schmökern. »Damit leisten wir einen Beitrag zur Management-Ausbildung unserer Mitarbeiter«, sagt Axel Lange von der Schweizer Großbank UBS. Das Bankhaus lässt sich den Service rund 100.000 Euro im Jahr kosten.

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