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Der König der Schummler

Wenn beim Computerspielen das Rätsel zu schwer, der Gegner zu stark, die Munition zu knapp ist, hilft nur Schummeln. Dabei helfen findige Sucher wie der Leipziger René Meyer.

Eigentlich klingt "König der Schummler" gar nicht schmeichelhaft. Doch was in Schule und Beruf eher als negative Charakterdarstellung daherkommen würde, ist im Falle des Leipzigers René Meyer eine lobende Anerkennung für seine Spezialität. Der 35-Jährige sammelt und veröffentlicht nämlich Tricks - so genannte Cheats _ und Lösungen für Computerspiele.

Auf der diesjährigen Games Convention in Leipzig startete er sein jüngstes Projekt: Die Suchmaschine mogelpower.com, deren Name Eingeweihte sofort an mogelpower.de denken lässt. Meyer sieht nicht unbedingt wie der Prototyp des Spielers aus, der nächtelang vor dem Computer hockt und daddelt. Eher könnte man an einen Buchhalter oder Sparkassenangestellten denken, wenn er da mit akkuratem Kurzhaarschnitt und freundlich lächelnd vor einem steht. Doch er ist tatsächlich einer, der Computerspielen bis auf den tiefsten Grund geht, der verzweifelten Spielern mit seinem Wissen auch aus verzwickten Situationen hilft. Bereits zu DDR-Zeiten beschäftigte sich der 1970 geborene Meyer mit Computern. So lernte er auf einem DDR-Homecomputer von Robotron die Programmiersprache Assembler. Die Faszination für die Technik und die Medien, die auf Computern zum Einsatz kommen, führten bald zu seinem ersten "Hack"-Erfolg: "Ich habe ein Spiel, das 'Pyramide' hieß, geknackt", erinnert sich Meyer im Gespräch mit AP. Ende der 80er Jahre sei das gewesen, mithin kurz vor dem Ende des "real existierenden Sozialismus auf deutschem Boden".

Mit der politischen Wende im Osten Deutschlands eröffneten sich auch für Meyer neue Möglichkeiten. Er befasste sich intensiv mit Spielen und Anwendungen für Computer und kam so nach und nach den Programmierern und ihren Tricks auf die Schliche. "Dabei spiele ich die Games gar nicht, sondern schaue mir die Programmcodes genau an", verrät er. An bestimmten Stellen sei zu finden, wonach es den Spieler gelüstet: Einstellmöglichkeiten für unbegrenzte Leben, für Waffen, für Geld, das bei Aufbaustrategien gebraucht wird. "Oft sitze ich tatsächlich nächtelang an einem Spiel", erzählt der sympathische Leipziger. Dann schaut er sich umfangreiche Dateien an, geht in die tiefsten Tiefen eines Spiels, sucht Programm- oder auch Textdateien, die ihm Auskunft darüber geben, wie ein Spiel überlistet werden kann. "Manche Entwickler machen es einem einfach", gibt Meyer gerne zu. Die bauten Codes ein, die sehr schnell zu finden seien - "vermutlich, weil sie nicht wollen, dass Spieler total frustriert werden", meint der "Schummelkönig". Denn schließlich soll der Gamer am Ball bleiben und nicht vorschnell die Flinte ins Korn werfen.

Meyer hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht. 1994 erschien sein erstes "Mogel-Power"-Buch, eine Cheat-Sammlung für PC-Spiele, dem im Laufe der Jahre etliche folgen sollten. Neben den Cheats für PC-Spiele sammeln Meyer und seine Mitstreiter in der "Schreibfabrik" auch Tipps und Tricks für Konsolen wie die PlayStation, die Xbox oder den GameBoy.

Nicht nur Schummelei im Sinn

Fast 100 Bücher und mehrere tausend Artikel hat die in wechselnder Besetzung spielende Mannschaft rund um Meyer geschrieben. Dabei geht es längst nicht nur um Spiele und Cheats, vielmehr verfassen die Computerfans Werke über Programmierung und geben Ratschläge für MP3, für Nutzer von Google und Ebay, beschreiben und erklären die Funktionsweise von drahtlosen Netzwerken und vieles mehr. Bereits 1998 ging dann die Cheat-Sammlung mogelpower.de online. Auf die Web-Site greifen nach Meyers Angaben täglich rund 600.000 Besucher zu, inzwischen wurde schon die 100millionste Anfrage registriert. Im Forum stellen Nutzer täglich bis zu 2.000 Beiträge ein, bisher wurden rund 1,3 Millionen Einträge gezählt. Wie Meyer erklärte, tauschen sich tausende von Besuchern täglich über Spiele aus, diskutieren aber auch über Schulprobleme, Politik oder Musik und Filme.

Jüngstes Kind in der Meyer'schen Familie ist nun also die Spiele-Suchmaschine mogelpower.com. Wie Meyer sagte, listet die Suchmaschine zu fast jedem beliebigen Spiel Links zu Nachrichten, Testberichten, Demoversionen, Patches und Cheats auf. Mit dabei sind 250.000 Links zu rund 50 Spielemagazinen aus dem In- und Ausland. Eine spezielle Ausgabe der Web-Site gibt es für das Handy-Display. "Das Zusammenspiel von Technik und Spiel ist es, worauf ich im Lauf der Jahre zu schauen gelernt habe", sagt der 35-Jährige. Wobei der Spaß aber keinesfalls zu kurz kommt: So ist unter der von ihm betreuten Web-Site eastereggs.de das zu finden, was Programmierer an kleinen Gags in Software einbauen. Sehr zur Freude von Meyer, der auch andere gern daran teilhaben lässt.

Jörg Aberger/AP/AP
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