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18. August 2008, 12:10 Uhr

Vom Kinderkram zur Mafiawaffe

Vor genau fünf Jahren infizierte "Sobig.F" Tausende Rechner und verursachte Schäden in Millionenhöhe. Viele Eigenschaften, die der Computervirus erstmals zeigte, gehören heute zum Standardrepertoire. Doch Experten sind sich einig: Im Vergleich zu heutigen Würmern ist "Sobig.F" harmlos. Schutz ist unverzichtbar.

Wenn der Rechner einmal befallen ist, ist der Frust groß© Picture-Alliance

Ein gefährlicher Computer-Virus hat vor fünf Jahren die Internetwelt in Schrecken versetzt. Kurz nach der Entdeckung am 18. August 2003 gab das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) eine Warnung vor dem Schädling aus. Binnen nur weniger Stunden hatte "Sobig.F" Tausende Rechner infiziert. Doch heute klingen die Schäden, die "Sobig.F" angerichtet hat, für Experten fast wie ein harmloses Märchen aus längst vergangener Zeit. "Diese Art von Internet-Seuche wäre heute lächerlich", sagt der Karlsruher Viren-Experte Christoph Fischer. "So etwas passiert heute stündlich."

Noch vor wenigen Jahren stammten Viren, Würmer und etliche andere Computer-Schädlinge vorwiegend aus der Hand ehrgeiziger, junger Hobby-Programmierer. Mit ihren "Hacker"-Künsten die Welt in Atem zu halten, war für sie meist die größte Auszeichnung. Auch der Urheber des Wurms "I love you", der im Jahr 2000 noch als bösartigster Virus der Computergeschichte galt, war wie viele andere Hacker ein junger Student. Inzwischen haben sich Methoden und Ziele verändert, auch die Hacker sind längst keine jugendlichen PC-Freaks mehr. "Das ist eine richtige Industrie geworden", sagt Fischer. Wer heute Schädlinge im Netz verbreite, wolle Geld verdienen. Dahinter steckten Banden mit mafiösen Strukturen.

Trendwende bei den Schädlingen

"Sobig.F" war gar nicht der erste seiner Art, aber die Variante "F" machte den Schädling besonders tückisch. Anders als viele andere Schädlinge vor ihm richtete er nicht einmal großen Schaden auf den einzelnen Rechnern an, die er befiel. Dennoch kollabierten E-Mail- Systeme, Server brachen zusammen, die "New York Times" musste nach der Infektion alle Redaktionsrechner herunterfahren. Der bezifferte Schaden ging in die Millionenhöhe. Der Antiviren-Spezialist Kaspersky Lab sprach von der "größten Epidemie" in den vergangenen anderthalb Jahren. "Sobig.F" markierte aber auch eine Art Trendwende in der Geschichte der Computer-Schädlinge.

Als einer der ersten seiner Art installierte "Sobig.F" ein sogenanntes Trojanisches Pferd auf den infizierten Rechnern. Damit wurden für weitere Schädlinge aus dem Internet die Hintertüren der PCs weit geöffnet, wertvolle Daten waren vor Spähangriffen nicht mehr sicher. Auf der von Kaspersky Lab heute regelmäßig veröffentlichten "Top 10" der gefährlichsten Computerschädlinge rangieren neun Spionageprogramme, die ein "Trojan" im Namen tragen.

Der User musste noch selbst klicken

Seine kriminelle Natur tarnte "Sobig.F", indem er den Absender der Mail fälschte. "Das macht heute jeder Versender von Spam-Mails", sagt Fischer. Während heute zum Teil schon der Besuch einer nicht erkennbar infizierten Website ausreicht, um sich einen Schädling einzufangen, musste der Empfänger einer mit "Sobig.F" infizierten E- Mail allerdings noch selbst den Datei-Anhang öffnen, um die Infektion in Gang zu setzen.

Die Zeiten, in denen Teenager Viren in Umlauf bringen, seien endgültig vorbei, konstatierte Eugene Kaspersky, Chef des russischen Anti-Viren-Spezialisten, bereits anderthalb Jahre nach dem ersten Auftreten von "Sobig F". Heute liegen vorwiegend Kriminelle auf der Lauer nach unbedarften Internetnutzern: Auf kaum erkennbar infizierten Websites, mit heimlich versteckten Trojanischen Pferden, unbemerkt eingeschleuster Spionage-Software, die sogar die Bewegung auf der Tastatur bei der Eingabe von Namen, Kontonummer oder Pin-Nummer aufzeichnet. Und sie sind nur auf eines aus: das Geld ihrer Opfer.

Heute kommen pro Monat 400.000 neue Schädlinge im Internet hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, sich beim Besuch einer manipulierten Website zu infizieren, liege bei 20 Prozent, sagt Fischer. "Die Infektionsraten sind heute jenseits von Gut und Böse." Längst ist ein Wettlauf um die Zeit entbrannt zwischen kriminellen Versendern von Spam-Mails oder Spionage-Programmen und den Herstellern von Virenschutzprogrammen. Die kriminelle Szene nutze inzwischen auch Software, mit der sie ihren Schadcode immer besser tarnen könne, erklärt Fischer. Die traditionell von der Industrie eingesetzte Technologie, das Internet nach Schädlingen zu durchsuchen (zu "scannen"), werde immer schneller durch kleinste Änderungen ausgetrickst. "Das ist ein Teufelskreis, den die Industrie nicht mehr lange durchhalten dürfte", sagt Fischer.

Renate Grimming/DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Tommes1000 (19.08.2008, 20:35 Uhr)
Noch ein kleiner ;-) Nachtrag...
Hallo,
noch ein kleiner ;-) Nachtrag.
Linux ist heute weit verbreitet rund um den Globus, und führend im Netzwerkbereich. Es würde sich also durchaus lohnen, dafür Viren und Co. zu programmieren.
Das geschieht aber nicht.
Grund: alles, was in Windows reinfleuchen und kreuchen kann, kanns unter Linux schon mal nicht, weil beide Systeme völlig unterschiedlich aufgebaut sind. Hinzu kommt, daß Linux-Betriebssysteme durch die riesigen Nutzergemeinschaften, auch Communities genannt, einer wesentlich intensiveren Kontrolle und Überwachung bezgl. Fehlern unterliegen, als das bei Windows jemals der Fall sein könnte. Und: die Distributoren, also die Firmen, die Linux-Zusammenstellungen anbieten, wie z.B. Ubuntu oder OpenSuse oder Mandriva, reagieren dank der immens großen Linux-Communities auf Bugs weitaus schneller, als Microsoft das jemals könnte. Zudem arbeiten an Linux-Betriebssystremen weltweit neben angestellten Mitarbeitern auch viele Ehrenamtliche - soviele Mitarbeiter kann Microsoft nie haben.
Um nun unter Linux als Schadprogramm eindringen zu können, müßte ein solches Schadprogramm zudem von außen zunächst sogenannte "root"-Rechte oder auch Administrator-Rechte erlangen, um eindringen _und_ dann ausführbar zu werden und so dann Schaden anrichten zu können. Grund: während Windows von Hause aus so installiert wird, daß ständig der Adminstrator erster und sogleich aktiver User ist, ist genau das unter Linux nicht der Fall. Windows Vista mitlerweile kopiert genau dieses Linux-Verhalten - und mit Recht!
Da also Linux-Anwender nicht als Administratoren arbeiten (bei Vista, aber auch XP sollten sie auch nicht tun...), sondern als User ohne Rechte zum Ausführbarmachen von Dateien, kann ein Schadprogramm gleich welcher Art das von außen rein und Schaden anrichten will, die nötigen Rechte dazu unter Linux gar nicht erst erlangen. Es kann ggf. eindringen, ja, z.B. über eine eMail, oder weil der User vor dem PC leider dauernd im Internet auf alles klickt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, ja, aber weil es keine ausführenden Rechte erlangen konnte, kann das Schadprogramm unter Linux nichts tun. Toter Fisch.
Dieses ansich einfache, logische und gerade daher geniale Sicherheitskonzept von unixoiden Betriebssystemen verstehen aber viele Windows-User nicht, weil sie meinen, mit einer Software-Firewall, einem Antiviren-Programm und einem Spybot-Searcher sicher genug zu sein - und weil sie durchweg als Administrator arbeiten und nicht bereit sind, sich in die Materie einzuarbeiten und das zum Positiven zu ändern. Daß gerade das Arbeiten unter Windows als Administrator eine Riesendummheit ist, sollte nach der Lektüre der Beiträge hier zu diesem Thema jedem/jeder einleuchten.
Und das es leider immer noch viel zu viele Leute gibt, die ihren PC nicht selbst sachgerecht installieren _und_ einrichten können, und sich nebst ihrer Datensicherheit irgendwelchen angeblich kundigen Freunden oder Kollegen oder Nachbarn anvertrauen, ist unter Windows-Usern leider auch ein Phänomen, daß man hier mit einbeziehen muß.
Man/frau arbeitet nicht als Administrator. Nur als User. Unter Linux, unter Windows, unter Unix und unter Apple MacOS. Basta. Nur: diese eherne Regel muß man/frau sich eben in die Birne prügeln, und man/frau muß dazu bereit sein, zu lernen, wie man/frau PCs sachgerecht nicht nur installiert, sondern eben auch einrichtet, so daß sie, egal unter welchem System, so sicher wie möglich sind. Linux tut sowas bei der Installation grundsätzlich (geht gar nicht anders), und Windows Vista tut das jetzt auch, vor allem in den höherwertigen Versionen.
Leider wollen genau das viele Windows-UserInnen nicht begreifen, und VistaUser stellen die Sicherheitsfunktionen, z.B. das UAC (Benutzerkontenverwaltung) sogar einfach ab. Und deshalb, verbunden mit der wie eine Seuche grassierenden technischen Unkenntnis bei vielen PC-AnwenderInnen werden PCs überall auf der Welt (mit Windows) schlecht installiert, kaum eingerichtet, laufen (unter Windows) als Administrator - naja, und jede/r, der/die schon mal ungewollte "Gäste" aufm PC hatte, weiß, was dann abgeht.
Und auch deshalb verbreiten sich (Windows-)Viren und Spybots und Trojaner weltweit so einfach...
Muß sowas sein?
MfG
T1000
Tommes1000 (19.08.2008, 19:36 Uhr)
Nun mal sachte und sachlich...
Hallo,
gerade weil unter Linux alles und jedes durch diverse Rechte abgesichert ist, haben Viren und Co. keine Chance. Was viele Windows-Heim-Anwender nicht wissen: ein Großteil der heutigen Computer-Netzwerke läuft nicht etwa mit Microsoft-Software, sondern mit Debian Linux. Warum? Weil alles und jedes unter Linux eben durch Rechte abgesichert ist, und weil Sicherheit das A und O bei (funktionierenden) Netzwerken ist.
Naja, und der techchannel-Artikel ist erstens sieben Jahre alt, zweitens technisch inkompetent und drittens eine Auftragsarbeit bestimmter interessierter Kreise, die sich darüber ärgern, daß eben Linux im Netzwerkbereich weltweit Vorreiter schon damals war und bis heute ist... Allein die Aussage, daß es falsch sei, daß ausführbare Dateien unter Linux sicher seien, zeigt, wie wenig Ahnung der Autor von Linux hatte - mit ausführbaren Dateien arbeitet man unter Linux nicht, es sei denn, kurzfristig als "root" (Administrator) z.B. zur Installation eines Programmes oder eines Treibers.
Ansonsten arbeitet man unter Linux strikt und generell nur als User - und der hat keinen Zugriff auf "ausführbare" Dateien und kann keine Dateien ausführbar machen. Wer das nicht glaubt, soll sich einmal mal Windows Vista sachverständig UND gründlichst anschauen - dessen im Vergleich zu Windows XP logisches Sicherheitskonzept basiert auf der Rechtevergabe und Arbeitsweise von unixoiden Betriebssystemen. Wozu neben Linux übrigens auch das aktuelle Betriebssystem von Apple gehört...
Davon aber mal ganz ab: Windows Vista ist ein schönes, starkes Stück Software, ich mag es, und hätte es gerne weiter genutzt. Aber: anstelle es komplett neu zu programmieren und sicher zu machen, hat Microsoft vieles aus Windows XP übernommen, und darunter eben vieles, was Windows auch in der Version Vista weiterhin hochempfindlich für Attacken macht. Leider.
MfG
T1000 ;-)
Maxi456 (19.08.2008, 17:31 Uhr)
@wwwilly
von "tecchannel"
"Missverständniss: Die ausführbaren Dateien (ELF-Format) von Linux sind sicher gegen Infektion."
warum habe ich das Gefühl das der Autor das nicht probiert hat? warum braucht man (als Anwender!!) *schreibenden* Zugriff auf ausführbare Dateien?
Elenaor (19.08.2008, 16:52 Uhr)
Viren gibt es überall
Der einzige Unterschied ist, dass es noch verhältnismäßig wenig Viren für Linux gibt. Aber das wird sich mit steigender Beliebtheit von Linux ändern - die Hacker gehen dahin, wo sie sich die meiste Beute erhoffen können. Ungesichert sollte man weder mit Opera noch mit den IE, weder Firefox noch Safari im Netz rumsurfen.
wwwilly (19.08.2008, 14:11 Uhr)
@Tommes1000
Das glaubst du nicht wirklich, oder? Natürlich gibt es auch unter Linux Viren! Siehe dazu z.B. http://www.tecchannel.de/sicherheit/grundlagen/401638/
Ich empfehle dir btw. dringend Brain.exe (http://brain.yubb.de/)
Tommes1000 (19.08.2008, 12:39 Uhr)
Warum...
Hallo,
warum verschweigen die AutorInnen solcher Berichte für die sicherlich reale Gefahr solcherlei Software-Schädlinge, daß davon ausschließlich das Betriebssystem Windows (98, 2000, XP, Vista) der Firma Microsoft betroffen ist?
Und daß man daher, aber auch aus Kostengründen gut beraten ist, auf Linux umzusteigen?
Zum Bleistift auf Ubuntu Linux, mit dem ich diese Zeilen hier online tippe, ohne Angst vor Viren & Co haben zu müssen, weil es die für Linux nicht gibt und aufgrund der völlig anderen und hochsicheren Systemstruktur von Linux auch nie geben kann?
MfG
Ein sehr zufriedener Linux-Anwender, der sich kürzlich erst gründlich Windows Vista angeschaut hat - mit dem Ergebnis, bei Linux zu bleiben...
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