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17. September 2009, 10:30 Uhr

Deutschland als Spam-Testfeld

Auf dem Anti-Spam-Gipfel in Wiesbaden ging es unter anderem um die Verbindungen von Spam-Versendern und Virenautoren. Um die Effektivität ihrer Botnetze zu testen, nutzten die Kriminellen besonders gerne Deutschland, berichten Experten. Das hat einen Grund.

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Jeder kennt das Spam-Problem© AFP

Kriminelle dringen laut Experten mit Computerviren immer öfter in fremde Rechner ein und nutzten sie heimlich für ihre Machenschaften. "Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit bis zu einem Viertel der Rechner infiziert ist", sagte Sven Karge vom Verband der Deutschen Internetwirtschaft eco der Deutschen Presse-Agentur dpa. Karge organisierte den 7. Deutschen Anti-Spam-Gipfel in Wiesbaden. Die verseuchten Rechner werden laut Karge zunehmend über das Internet zu illegalen Großnetzen verbunden und für kriminelle Zwecke missbraucht - darunter vor allem das Versenden unerwünschter Werbung durch Spam-E-Mails.

Ohne das Wissen der Computerbesitzer rauben die über Viren eingeschmuggelten Programme Rechnerkapazitäten. Diese Fernsteuerung funktioniert immer, wenn der Nutzer im Internet ist. "Dann nimmt das Programm Kontakt auf zu seinem Herrn und Meister", berichtete Karge. So können befallene Computer massenhaft zusammengeschlossen werden und es entstehen sogenannte Botnetze. Über sie senden Kriminelle neue Spam-Mails, ohne dass das zurückzuverfolgen ist. Es lassen sich auch gezielt die Internetschaltstellen ganzer Länder angreifen, damit sie zusammenbrechen. Erst im Juli waren die USA Ziel eines Angriffs. 2007 traf eine Attacke Estland. Die Internetauftritte von Regierungen waren tagelang lahmgelegt, aber auch Unternehmen waren betroffen.

Angriff der Botnetz-Mafia

"Es gibt eine Botnetz-Mafia, die locker die Hälfte der weltweiten Spam-Mails verschickt", sagte Karge. Sie arbeite als technischer Dienstleister für Kriminelle, die etwa gefälschte Viagra-Pillen über Spam-Werbung anpreisen wollen. "Man kann sagen, dass Deutschland ein Testfeld für Spammer ist, weil hier die Sicherheitsanforderungen hoch sind. Nach dem Motto: Hat man hier Erfolg, klappt es auch anderswo."

Helfen gegen den Teufelskreis aus Botnetzen, in den immer neue Rechner hineingezogen werden, könne jeder Computerbesitzer. "Man darf nicht ohne ein Anti-Viren-Programm ins Internet gehen - die gibt es ja schon kostenlos. Und man sollte außerdem Windows so eingestellt haben, dass täglich automatisiert nach Updates gefragt wird." Diese zwei Grundregeln würden helfen, Sicherheitslücken zu schließen und Viren fernzuhalten. Bereits infizierte Rechner blieben aber ein Problem, räumte Karge ein. "Ich würde mir ein Projekt wünschen, in dem Anlaufstellen Computerbesitzern Hilfe anbieten, um die Rechner zu säubern." Das sei oft schon über telefonische Anleitung möglich.

DPA
 
 
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