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Spione attackieren zunehmend Behördennetze

Es ist schon lange nicht mehr wie beim Gentleman-Haudegen James Bond: Der moderne Spion greift Wissen ab, indem er in fremde Computernetze eindringt. Deutsche Regierungsstellen registrieren eine steigende Zahl von Angriffen auf elektronische Netze - vor allem aus China.

Deutsche Regierungsstellen und Behörden geraten immer stärker ins Visier ausländischer Cyber-Spione. Vor allem aus China werden Angriffe verzeichnet. Insgesamt seien von Januar bis September dieses Jahres rund 1600 ausländische Attacken auf Computer und Großrechner festgestellt worden, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Paris. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2009 waren es insgesamt 900 Angriffe. Die Bundesregierung plant ein Cyber-Abwehrzentrum.

Paris bestätigte damit Zahlen der WAZ-Mediengruppe. Die meisten Attacken kämen aus der Volksrepublik China, sagte er. Die Bundesregierung wolle im kommenden Jahr ein nationales Cyber- Abwehrzentrum schaffen. Dort sollen unter anderem Spezialisten aus dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz zusammenarbeiten.

"Wissen abschöpfen"

"Deutschland ist ein hoch technisiertes Land mit viel Erfahrung, mit viel Wissen. Natürlich sind andere bemüht, dieses Wissen abzuschöpfen", sagte Paris. Letztlich sei es auch Aufgabe ausländischer Nachrichtendienste zu schauen, was in anderen Ländern passiere. Darüber, ob auch der Bundesnachrichtendienst über Computernetze spioniert, schwieg sich die Bundesregierung aus.

Den ausländischen Spionen gehe es darum, Wissen abzuziehen - und zwar aus der staatlichen Verwaltung und der Wirtschaft. Das Thema gewinne an Bedeutung, weil immer mehr Wissen elektronisch aufbewahrt und über elektronische Netze verschickt werde. "Vor 30 Jahren hatte der Spion eine kleine Kamera, drang irgendwo ein, öffnete den Koffer, fotografierte, verschwand und trank einen Cocktail", sagte Paris. Heute kämen die Spione über das elektronische Netz.

Cyber-Abwehrzentrum in Planung

Die Bundesregierung wolle das Thema im kommenden Jahr verstärkt angehen und ein Cyber-Abwehrzentrum schaffen. Es soll Attacken erkennen, bewerten und Gegenstrategien entwickeln. Das Zentrum soll nach Angaben von Paris aber keine neue Behörde sein, sondern vorhandenes Wissen von Experten zusammenführen. Beteiligt werden sollen auch das Bundeskriminalamt und der Bundesnachrichtendienst - zudem soll Wissen aus der privaten Wirtschaft einfließen.

Innenstaatssekretär Klaus-Dieter Fritsche hatte kürzlich bei einer Veranstaltung erklärt, die klassischen Spionageziele Politik und Militär stünden weiterhin im Visier fremder Nachrichtendienste. Die Spione arbeiteten aber auch verstärkt gegen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Unternehmen und Staaten versuchten zunehmend, an wichtige Informationen von Unternehmen zu gelangen. Dies sei eine große Gefahr für den Industriestandort Deutschland.

Während sich Großunternehmen der Gefahr bewusst seien und sich wappneten, seien mittelständische Unternehmen oft noch nicht auf die Cyber-Gefahren vorbereitet. Laut Fritsche gehen wissenschaftliche Studien davon aus, dass durch Wirtschaftsspionage in Deutschland jährlich ein Schaden von schätzungsweise 20 bis 50 Milliarden Euro entsteht. Wegen des hohen Dunkelfeldes sei der tatsächliche Schaden aber nicht eindeutig bezifferbar.

san/DPA/DPA

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