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Darum ist Google jetzt wertvoller als Apple

Wachablösung im Silicon Valley: Google ist jetzt das wertvollste Unternehmen der Welt, Apple muss den Thron räumen. Für den Aufstieg des Suchmaschinen-Riesen gibt es viele Gründe.

Google ist das wertvollste Unternehmen der Welt und hat Apple verdrängt

Google ist das wertvollste Unternehmen der Welt und hat Apple verdrängt

Das Silicon Valley - und auch die Börse - hat einen neuen König: Alphabet, der Mutterkonzern des Suchmaschinenriesen Google, ist jetzt das wertvollste Unternehmen der Welt und hat damit Apple den Rang abgelaufen - zumindest vorerst. Um den Titel des am höchsten bewerteten Unternehmens offiziell zu übernehmen, muss Alphabet die Kursgewinne beim US-Börsenstart am Dienstag behaupten.

Das dürfte aber nur eine Formalie sein, denn der Konzern konnte die Anleger in nahezu allen Geschäftsbereichen positiv überraschen. Ganz im Gegensatz zu Apple: Tim Cook musste vergangene Woche den ersten Umsatzrückgang seit 2003 ankündigen, was die Talfahrt der Aktie weiter beschleunigte. Bei Google deutet jedoch nichts daraufhin, dass es demnächst bergab geht: Allein im letzten halben Jahr konnte das Unternehmen seinen Börsenwert fast verdoppeln. Dafür gibt es viele Gründe.

Google dominiert, Youtube legt zu

Zunächst ist Alphabet wirtschaftlich sehr gut aufgestellt: Im Weihnachtsgeschäft erwirtschaftete der Konzern 21,3 Milliarden Dollar - ein Plus von etwa 18 Prozent. Der Gewinn schnellte auf 4,92 Milliarden Dollar empor. Zwar heißt die Konzernmutter Alphabet, den Großteil der Umsätze erwirtschaftet aber nach wie vor Google, vor allem in den alteingesessenen Sparten: der Suche und der Online-Werbung. Sie sind nach wie vor das Fundament des Unternehmens und zeigen, dass Google in diesem Bereich selbst nach mehr als einem Jahrzehnt immer noch die klare Nummer eins ist. Das schafft Vertrauen bei den Anlegern.

Mit Google Mail, Maps oder dem Browser Chrome hat der Konzern viele populäre Dienste im Angebot. Und Android hat sich zum populärsten Betriebssystem der Welt gemausert. Zwar verdient der Konzern damit vergleichsweise wenig Geld - seit 2008 waren es gerade einmal 31 Milliarden Dollar -, doch die Software sichert dem Konzern einen festen Platz auf Milliarden Geräten. Dagegen sieht selbst Apples iOS alt aus.

Ein echter Goldesel ist mittlerweile das Videoportal Youtube: Einst für 1,65 Milliarden Dollar gekauft, erwirtschaftete die Seite Schätzungen zufolge allein im vergangenen Jahr 4,28 Milliarden Dollar. Und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein: Google will Youtube zu einer Art neuem Netflix mit eigenen TV-Shows und Filmen umbauen und mit einem Abomodell noch mehr Geld einnehmen.

Google investiert in die Zukunft

Der Grund für die hohe Börsenbewertung sind nicht nur die derzeitigen Geschäfte. Denn bei den Umsätzen und Gewinnen spielt Apple in einer viel höheren Liga. Große Hoffnungen setzen die Anleger aber in die vielen Zukunftsprojekte. Damit macht der Konzern bislang zwar keinen Gewinn - ganz im Gegenteil: Im vergangenen Jahr investierte Alphabet mehr als drei Milliarden Dollar in die Moonshots, also potenziell zukunftsträchtige Projekte. Doch das Unternehmen beweist damit, dass es sich immer wieder neu erfinden kann und Innovationen vorantreibt. Dabei hat es gleich mehrere vielversprechende Produkte in der Pipeline:

Virtual Reality

Brille auf und abtauchen in völlig neue Welten - die virtuelle Realität (VR) könnte das nächste große Ding werden. Das glauben nicht nur ein paar Nischenanbieter, sondern auch Branchen-Giganten wie Apple (tüftelt an einer VR-Brille) oder Facebook (hat mit Oculus Rift die populärste VR-Brille im Angebot). Google setzt dagegen auf die Billiglösung Cardboard, einer Art 3D-Brille aus Karton, in die das Smartphone eingesteckt wird. Dem "Wall Street Journal" zufolge war das aber nur der Vorgeschmack: Angeblich arbeitet Google an einer Version mit Android-Betriebssystem und 3D-Audio-Sound.

Das Internet der Dinge

Schlaue Kühlschränke, intelligente Thermostate - das Internet der Dinge ist längst Realität. Und auch hier will Google ganz oben mitmischen: Mit Brillo hat man ein eigenes Betriebssystem für smarte Geräte am Start, Weave ist die dazu passende Kommunikationsplattform. Zudem hat man mit Thread ein neues Netzwerkprotokoll erfunden, dass deutlich energiesparsamer als Bluetooth oder Wlan ist. Das ist insofern interessant, weil Geräte wie smarte Türschlösser mit einer handelsüblichen AA-Batterie dann monatelang durchhalten könnten. Das ständige Aufladen wäre dann überfällig.

Zudem hat sich der Konzern mit Nest einen der führenden Anbieter für schicke, smarte Heimgeräte einverleibt. Es wurde gegründet vom iPod-Erfinger Tony Fadell, derzeit bietet es etwa Thermostate und Rauchmelder an, die in Notfällen über die Cloud eine Nachricht an das Handy des Besitzers schicken können. 

Google forscht an selbstfahrenden Autos

Google forscht an selbstfahrenden Autos


Selbstfahrende Autos

Eines der vielversprechendsten Projekte ist Googles selbstfahrendes Auto. Der Konzern hat nicht vor, eigene Autos zu bauen, stattdessen sollen traditionelle Hersteller wie Ford das System nutzen und in ihren Autos verbauen. Losgehen soll es bereits 2020, dann soll das selbstfahrende Google-Auto kommerziell an den Start gehen. Bis dahin will auch Apple ein eigenes Auto anbieten - zuletzt soll es bei der Entwicklung aber einige Rückschläge gegeben haben.

Project Loon

Ob Google mit diesem Projekt jemals Geld verdienen wird, ist fraglich. Bei Loon geht es darum, abgeschiedene Regionen durch ein schwebendes Netzwerk tausender Hightech-Ballons mit Internet zu versorgen. Sie sollen die Internetsignale aus versorgten Gebieten in entlegene Gegenden weitergeben. Die Ballons sollen dabei in der Stratosphäre oberhalb von schlechtem Wetter und doppelt so hoch wie Flugzeuge fliegen. Für das bloße Auge seien sie schwer zu erkennen, erklärte Google. Eine große Versuchsreihe soll demnächst in Indonesien starten. Das Land besteht aus tausenden Inseln, die zum Teil von Dschungel bewachsen oder bergig sind. Das Verlegen von Glasfaserkabeln und das Aufstellen von Funkmasten ist dort schwierig.

Project Wing

Google will nicht nur das Internet über unsere Köpfe hinwegbeamen, sondern entwickelt - ähnlich wie Amazon - auch Drohnen, die Produkte liefern sollen. Das scheint zunächst wenig Sinn zu machen, denn Google hat nur eine Handvoll Produkte im Angebot. Doch sollte Google einen Durchbruch bei der Drohnenlieferung erzielen, könnte es den Dienst an andere Händler lizenzieren. 

DeepMind

Schon jetzt ist Google ganz stark, wenn es um die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen geht.  Das Unternehmen DeepMind kaufte Google im Jahr 2014, seitdem treibt die Firma das Machine Learning voran. Und erzielt offenbar stetig Fortschritte: Erst vor wenigen Monaten gelang es DeepMind mit einem selbst entwickelten Programm, den mehrfachen Europameister im Brettspiel Go deutlich zu schlagen. Das ist zwar beeindruckend, Geld verdient man damit aber nicht. Noch nicht: Eines Tages könnte man mit der Technik reale Probleme lösen, etwa genauere Klimavorhersagen berechnen oder komplexe Krankheiten analysieren.

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