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23. Juni 2008, 14:32 Uhr

Schwere Panne bei Meldeämtern

Bei Einwohnermeldeämtern in Deutschland ist es zu einer schweren Panne gekommen: Wie die für die Software der Ämter verantwortliche Firma mitteilte, waren die Daten von Bürgern aus 15 Kommunen frei im Internet zugänglich - und das monatelang.

Einige Monate lang waren Meldedaten im Internet abrufbar© Colourbox

Wegen einer Panne in einer Softwarefirma sind die Meldedaten von 15 deutschen Kommunen monatelang im Internet frei verfügbar gewesen. Mit Hilfe eines Zugangscodes war es möglich, Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten von etwa 500.000 Bürgern herauszufinden, wie das Unternehmen HSH aus Ahrensfelde bei Berlin mitteilte. Nutzerkennung und Passwort waren demnach auf einer Webseite zwischen März und Juni verfügbar.

"Da ist uns ein Lapsus passiert", sagte Firmensprecher Sven Kollmorgen. Inzwischen sei die Sicherheitslücke aber geschlossen. Über den Fall berichtete zuerst das ARD-Magazin "Report München". Das so genannte Informationsregister der Firma HSH benutzen nach Unternehmensangaben insgesamt 425 Kommunen. 15 dieser Städte und Gemeinden hätten einen voreingestellten Benutzerzugang nicht wie vorgesehen geändert. Diesen Zugang benutzte die Firma HSH aber zu Demonstrationszwecken für eine Internet-Gewerberegisterauskunft, wie Sprecher Kollmorgen sagte.

Bei der Mausbewegung über den Link waren demnach die Zugangsdaten für die Melderegister zu sehen. Nach Firmenangaben wurden mit dem Zugang Daten von 3 der insgesamt 15 betroffenen Kommunen abgerufen, wie Sprecher Kollmorgen sagte. Die Zugriffe seien protokolliert worden. Alle drei Gemeinden befinden sich demnach in Brandenburg. Die Brandenburger Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge sagte, die Panne zeige, wie wichtig Datensicherheit sei. Generell sei der von Brandenburg forcierte Ausbau der papierlosen Verwaltung zu begrüßen. "E-Government ist für Bürger und Verwaltung eine wichtige Lösung. Aber man muss die Sicherheitsmechanismen überprüfen", sagte sie. Sie werde gemeinsam mit dem Landesinnenministerium prüfen, wie es zu der Panne gekommen sei. Außerdem sollten die betroffenen Kommunen kontaktiert werden.

Nicht das komplette Melderegister abrufbar

Nach Angaben des Unternehmens, das sich auf Software für Behörden spezialisiert hat, konnten mit dem Zugang keine kompletten Melderegister abgerufen werden. Laut Kollmorgen musste nach einem konkreten Namen gesucht werden, um einen Treffer zu erhalten. Die Kennung sei zwischen dem 15. März bis zum vergangenen Freitag im Internet verfügbar gewesen. Inzwischen sei es nicht mehr möglich, damit Daten abzurufen. "Alle E-Government-Anwendungen wie Online-Melderegisterauskunft, Online-Anträge oder -auskünfte sind nach wie vor sicher und halten die datenschutzrechtlichen Bestimmungen konsequent ein", erklärte das Unternehmen. Welche Kommunen von der Sicherheitslücke betroffen waren, sagte der Sprecher nicht. Die 15 befänden sich im gesamten Bundesgebiet.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
hevosenkuva (24.06.2008, 23:40 Uhr)
Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu...
Ihre Daten sind absolut sicher, da können Sie absolut sicher sein. Die Anti-Terror-Datei ischt absolut sicher. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten. Ohne wenn und aber. Es wird keine Pannen geben.
Freundliche Grüße, Ihr Bundesinnenminischter.
100WorteReporter.de (24.06.2008, 14:57 Uhr)
Na so was aber auch!
Die Daten von 500.000 Einwohnern „liegen blank“. Schlaflose Nächte müssen deshalb auch in Hitzenächten nicht sein.
www.100WorteReporter.de wählt täglich einige Headlines aus, die zu einem 100 Worte Bericht in möglichst lustiger Form "verarbeitet" werden.
Wir geben auch gerne interessierten "Laien-Redakteuren" die Möglichkeit, nach Absprache einen Tages-Artikel zu erarbeiten und auf www.100WorteReporter.de zu veröffentlichen.
Herzlich willkommen!
Gruß
www.100WorteReporter.de
mtweb (24.06.2008, 10:05 Uhr)
Niveau der Berichterstattung
Sicherlich eine Panne die nicht hätte passieren dürfen. Da wurden an mehreren Stellen Fehler gemacht. Allerdings ist die Berichterstattung darüber unterstes Niveau (und dies bei einem öffentlich rechtlichen Sender). Eine Firma die in dieser Region an die hundert Arbeitsplätze geschaffen hat wird niedergemacht, weil der Kunde geschlafen hat.
Und nur weil die Sendung „Report München“ heißt, braucht man keine Werbung für ein Münchner Unternehmen machen. Da wird von einsehbaren „Einkommen“ gesprochen, in Wirklichkeit ist aber nur die Steuerklasse zu sehen.
Mit „Fantasienummern“ an Daten bekommen, hahaha. Aber den Deutschen kann man ja was erzählen...
Die Seite (www.meldebehoerde.de) war bis jetzt (fast) nur den Mitarbeitern, Behörden und der Konkurrenz bekannt. Ein Schelm der böses dabei denkt...
Kalox (24.06.2008, 09:47 Uhr)
ein betroffener dankt...
...vermutlich gehöre ich mit zu den leuten, deren daten offenstanden, denn auf meinem namen wurde von irgendjemandem ein handy-vertrag abgeschlossen...
namidh (24.06.2008, 07:18 Uhr)
Ist ja alles toll
Persönliche Daten im Netz - gut, dass wir Herr Schäuble haben. Der Retter des Datenschutzes.
jockel_us (24.06.2008, 04:53 Uhr)
@Kommentator 21: Bush...
"das braucht Bush"? Na, dann ist ja alles in Ordnung, und der kleine Patzer in Deutschland ueberhaupt nicht der Rede wert! Echt beruhigend, dass der Datenschutz wenigstens in Deutschland noch funktioniert... Und das mit dem Einwohnermeldeamt war sicher eine Verschwoerung von Scientology, Schaeuble, Anne Will und dem Fulbright-Fluegel der SPD (unter Mitwirkung von Mario Frank) und Gruner+Jahr, um die Steuernummer von Stefan Aust dem CIA zuzuspielen. Ist doch logisch. Nachzulesen im naechsten "Cicero"!
herrlehmann (23.06.2008, 23:55 Uhr)
Dieses war der erste Streich...
...und der nächste folgt sogleich?
"Elektronischer Einkommensnachweis: Die Arbeitsdaten der rund 40 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sollen bald per Chipkarte gespeichert werden."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,561562,00.html
Masterpasswort: "schäuble"
willi42 (23.06.2008, 22:54 Uhr)
Gefährlich
Da werden alle Bürger unter Generalverdacht gestellt und unsere letzte informationelle Selbstbestimmung der Datensammelflut geopfert.
Und auf der anderen Seite stellen Meldeämter ALLE persönlichen Daten inklusive Lohnsteuer frei zugreifbar ins Netz und schaffen so erst unglaubliche Möglichkeiten wie Identitätsklau für organisierte Kriminalität.
Ich vertraue diesem Staat nicht mehr. Er schützt mich nicht mehr. Also muss ich es wieder selber tun...
Kommentator21 (23.06.2008, 20:39 Uhr)
Fingerabdrücke?
Sicherlich konnte man auch die Fingerabdrücke entwenden (die in den Pass gespeicherten) und könnte die anderweitig plazieren, ungeahnte Möglichkeiten für Datendiebe.
Kommentator21 (23.06.2008, 20:34 Uhr)
wir sind nicht allein.....
mit den angeblichen Datenpannen:
http://www.tagesschau.de/ausland/datenschwund2.html
Erneut sind in Großbritannien persönliche Daten von Hunderttausenden Bürgern verloren gegangen. Wie die Regierung in London am Abend mitteilte, wurde einem Offizier der Royal Navy Mitte vergangener Woche aus einem Wagen auf einem Parkplatz in Birmingham ein Laptop gestohlen. Auf dem Computer waren demnach persönliche Angaben von rund 600.000 Angehörigen oder Bewerbern der Marine, der Marineinfanterie und der Luftwaffe gespeichert. Neben Daten zu Person und Wohnort fanden sich teilweise auch Sozialversicherungsnummern, Passnummern und Führerscheinangaben sowie medizinische und familiäre Details auf der Festplatte des Geräts.
....
Bereits der vierte Fall
Es ist bereits der vierte Fall dieser Art innerhalb von drei Monaten: Kurz vor Weihnachten war bekanntgeworden, dass im staatlichen Gesundheitswesen NHS eine CD mit vertraulichen Informationen über 160.000 kranke Kinder verloren gegangen ist. Zuvor hatten die Behörden bereits den Verlust persönlicher Daten von Millionen Kindergeldempfängern und Fahrschülern eingestehen müssen.
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