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14. Juli 2010, 14:56 Uhr

Telekom startet Elektrobrief gratis

Die Deutsche Telekom reagiert mit einer vorerst kostenlosen De-Mail auf das Vorgehen seines Konkurrenten United Internet. Die Attacke richtet sich aber auch gegen das Angebot der Post, die mit ihrem E-Brief Geld verdienen will. Von Arndt Ohler

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Bei Schriftverkehr mit Behörden soll dieses Bild bald der Vergangenheit angehören: Die De-Mail soll das Briefgeheimnis auch ins Web bringen© Martin Meissner/AP

Die Deutsche Telekom pariert den Vorstoß ihres Rivalen United Internet. Seit am Montag können sich Interessierte bei der Telekom kostenlos für eine Adresse im neuen elektronischen Briefsystem De-Mail registrieren. Dabei werden Nachrichten in einem geschlossenen System sicher und rechtsverbindlich an einen Empfänger zugestellt. "Ziel ist es, das Gleiche, was wir in Papierform haben, ins Internet zu übertragen", sagte T-Systems-Chef Reinhard Clemens. United Internet hatte erst vor wenigen Tagen mit der Registrierung von De-Mail-Adressen auf den eigenen Portalen GMX.de und Web.de begonnen.

Neben United Internet greift die Telekom mit De-Mail auch die Deutsche Post an, die morgen Details zu ihrem Projekt E-Postbrief vorstellen will. In diesem System werden Briefe online als E-Mails geschrieben und anschließend von der Post ausgedruckt, frankiert und im Umschlag zugestellt.

Zu Beginn kostenfrei

Um möglichst viele Neukunden sowie bestehende T-Online-Nutzer zu überzeugen, sind die Registrierung und der Versand von De-Mails bei der Telekom zumindest zu Beginn kostenfrei. "Um das Projekt anzuschieben, investieren wir das Geld", sagte Clemens. "Wir vermarkten das nicht über Privatkunden sondern über Firmen." Gehe dieser Plan auf, sei es das Ziel, De-Mail für Privatkunden weiter kostenlos anzubieten. Je Kunde fällt ein mittlerer einstelliger Euro-Betrag für Registrierung sowie Identitätsprüfung an. Bei GMX.de und Web.de wird der Versand nach Angaben aus informierten Kreisen etwa 15 Cent kosten.

De-Mail ist ein wichtiger Bestandteil der Telekom-Strategie. Der Konzern will vor allem für Firmen Rechnungen, Versicherungspolicen oder andere rechtlich relevante Dokumente gegen Gebühr verschicken. T-Systems rechnet vor, dass jährlich etwa zehn Milliarden Briefe per herkömmlicher Post verschickt werden, die für das De-Mail-System infrage kommen könnten. So habe die Bundesagentur für Arbeit jährliche Kosten für den Briefversand von 70 Millionen Euro. Neben De-Mail verfolgt die Telekom auch weitere Projekte, um die Abhängigkeit vom stagnierenden Festnetzgeschäft zu mildern, etwa Investitionen in intelligente Stromnetze, das Internetgeschäft oder Angebote rund um das Auto.

Die Registrierungsphase ist für die Anbieter von Elektrobriefen besonders wichtig: Nur wenn es gelingt, Millionen von Kunden für das eigene System zu gewinnen, kann das Geschäftsmodell funktionieren. Denn für Großkunden ist es nur dann attraktiv, wenn sie sich beim Versand von Geschäftspost relativ sicher sein können, dass die meisten Empfänger eine De-Mail-Adresse besitzen. Ansonsten müssten weiter parallel große Mengen an Briefen verschickt werden.

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland"

E-Mail, aber sicher Zweifelsfall
Bislang können wichtige Dokumente wie Strafzettel oder Mahnungen nicht per E-Mail verschickt, werden, da sich nur schwer beweisen lässt, dass die E-Mail angekommen ist.

Zweifelsfrei
Beim Projekt De-Mail kann die Zustellung elektronischer Post dagegen eindeutig belegt werden, da sich die Teilnehmer identifizieren müssen, bevor sie eine Adresse erhalten. Ihre Angaben werden von unabhängigen Stellen geprüft. Zugleich verpflichten sich die Anbieter, Verschlüsselungsstandards einzuhalten.

Von Arndt Ohler
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
NotOnTheGuestlist (16.07.2010, 10:33 Uhr)
100pro Anschluss...
...an die Worte der bisherigen Kommentatoren. 100%ige Zustellung- auch bei Stromausfall, überlastete Server, Viren etc? Wenn mein schriftliches Einwurfeinschreiben mit fristgerechter Kündigung meiner Wohnung erst nach sechs Tagen angekommen ist, bei der Nachforschung der Absender(!) von der Post befragt wird wann er diesen Brief erhalten hat, mir die Post dazu rät zukünftig einen Expressbrief für satte achtzehn Euro hierfür zu nutzen, überbringe ich meine Schreiben besser persönlich und in Gegenwart eines Zeugen an den Empfänger. Keinen Stress, keinen Ärger, und hundertprozentig zugestellt...
mantrid (14.07.2010, 17:29 Uhr)
Kostenlos? Wer es glaubt...
Naja, spätestens beim Ausdrucken zahlt der Endkunde. Dazu kommen dann noch die Kosten für die arbeitslosen Briefzusteller und Sortierer, die der Endverbraucher über seine Steuern und Abgaben mitfinanziert.

NSA, CIA und BND usw. werden fleissig die private Post einsehen. Endlich kein mühevolles Öffnen der Briefe mit Wasserdampf mehr. Bitte nicht meckern, dient alles zum Schutz vor bitterbösen Terroristen.

Später dann wird es wahrscheinlich kostenpflichtig werden, sich die Post in Papierform zustellen zu lassen. So wie es heute schon oft Aufpreis kostet, wenn man die Einzugsermächtigung für Lastschriften verweigert.
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