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Den Weihnachtsmann

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Ethnologe Thomas Hauschild
Ethnologe Thomas Hauschild
"Den Weihnachtsmann gibt's länger als Coca Cola"

Warum erzählen wir Kindern von einem Alten mit Bart und Fellmütze, der in Häuser einbricht und Geschenke verteilt? Der Ethnologe Thomas Hauschild hat den Weihnachtsmann erforscht und gibt Antworten.

Eine Weihnachtsgeschichte von stern.de
Eine Weihnachtsgeschichte von stern.de
Anruf vom Weihnachtsmann

Wie bringt man Kindern den Glauben an den Weihnachtsmann zurück? Und viel wichtiger: Wie sagt man dem Chef, dass er sich wie der Weihnachtsmann anhört? Alles eine Sache der Argumente.

Nachrichten-Ticker
USA geben Luftraum für den Weihnachtsmann frei

Freie Fahrt für das Weihnachtsfest: US-Behörden haben am Freitag den Luftraum für den Weihnachtsmann und seinen Schlitten freigegeben.

Der getrennte Papi
Blog "Der getrennte Papi"
Mrs. Claus (44.)

Oder: Warum wir an der Weihnachtsmann glauben sollten, unbedingt. Worum es heute geht: Eine Filmmusik (sehr früh), kein Traum (echt wahr), ein Mann (mit rotweisser Mütze), eine der Fragen (prinzipiell), die Zeit (bleibt stehen), eine Wärmflasche (ganz alt), keine Frage (niemals), Facebook (fast 54.000 Freunde). Wenn der getrennte Papi morgens um fünf aufstehen muss, um mit dem Zug von Berlin nach Hamburg zurückzufahren, ist es leider noch sehr dunkel, sehr saukalt und sehr unfreundlich draußen. Was soll's, das Schöne an so frühen Uhrzeiten ist: Es sind nur wenige Menschen unterwegs und sie, die unterwegs sind, sind für eine kurze Zwischenzeit - so wie in einigen Szenen in "Being John Malkovich" - die Inhaber der Stadt. Nämlich von jenen Teile, die sie dann gerade befahren oder begehen, Meter für Meter für Meter. Und sie spüren das auch, weil sie Dinge sehen können, die Andere später nicht mehr zu sehen bekommen. Wenn der getrennte Papi schließlich morgens um Viertelvorsechs am Bahnsteig steht, den ersten zu schwachen Kaffee und ein zu bröselndes Brioche in klammen Händen, dann muss er Musik hören. Vorzugsweise Stücke, die ihn an angenehme Umstände erinnern. Also Knopf ins Ohr und " Chaiyya Chaiyya Bollywood Joint" angeschmissen, den Eingangssong zu "Inside Man", dessen gesamter Soundtrack von Terence Blanchard ohnehin schon ein moderner Klassikern der Filmmusik ist (aber das nur am Rande geschrieben). Diese 6:10 Minuten Bollywood'schen Bombast-Pops machen müde getrennte Papis morgens ziemlich mächtig munter, das steht mal fest. Und wie der getrennte Papi so dasteht, tippt ihm jemand auf die linke Schulter, der getrennte Papi spürt, es ist wohl eine Hand, die in einem sehr dicken Handschuh, einem Fäustling, zu stecken gekommen ist. Wenn einem so morgens um kurz vor sechs jemand auf die Schulter tippt, offenbar mit einem Fäustling und man hört gerade "Chaiyya Chaiyya Bollywood Joint" und man denkt noch an einen Kinobesuch in New York (nahe dem Union Square) mit einem Freund, den man etwas aus den Augen verloren hat und man will sich eigentlich schon am liebsten nach Hamburg beamen, dann weiss der getrennte Papi: das kann nur der Weihnachtsmann sein. Und, richtig, kein Traum, sondern in der Tat, in echt, in voller Montur und in stattlicher Positur, steht der Mann mit der rotweissen Mütze und dem gar nicht so langen Bart, hinter mir. Der Mann, dessen Telephon-Nummer ich von meinem Papa geerbt habe, die ich in allen Ehren und Top-Secret halte. Wenn dann eine der wirklich wichtigen und wahrhaft wortgewaltigen Fragen gestellt wird (okay: das "wortgewaltig" passt nicht so ganz, ist aber gerade eine nette Alliteration), dann, jaaa, nur dann und nur dann wirklich: bleibt die Zeit stehen. Und lediglich der Weihnachtsmann und der getrennte Papi können sich rühren, der Rest auf dem Bahnsteig oder auf der Rolltreppe oder in dem gerade einfahrenden Zug, der wie eingefroren bremst, steht stumm und steif und starrt vor sich hin. "Glauben Ihre Kinder an den Weihnachtsmann, äh, wie soll ich's sagen, quasi, also, ich mein' mal so:  an mich ?" Fragt, ganz bescheiden, einer der populärsten Personen of all times and ever , dabei holt er aus seinem großen, roten Sack mit den weiß umsäumten Rändern eine uralte Wärmflasche aus Messing. Die stellt er zwischen uns auf die Bank auf dem Bahnsteig, auf die wir uns setzen und die Wärmflasche ist so heiß, sie strahlt eine Hitze ab, dass es sogleich verdammt schön warm wird, ums Herz und so-wie-so. Wenn der getrennte Papi über diese Frage nachdenkt, fällt ihm auf, dass er darüber gar nicht nachzudenken braucht. "Selbstverständlich glauben Marie und Alexander an Sie, Herr Weihnachtsmann, kein Frage!" Dem getrennten Papi fällt eine Szene ein, wie die Schwester vor kurzem ihren kleinen Bruder sehr bestärkte, in seinem Glauben an den Weihnachtsmann. Hatte es sich doch ein Junge im Kindergarten erlaubt, die Existenz des großen W in ernsthafte Zweifel zu ziehen. "Stimmt nicht", beschied Marie ihrem Bruder, "der Weihnachtsmann sieht alles und er liest jeden Wunschzettel und er hat gerade alle Hände voll zu tun". Sie sagt das mit solcher Inbrunst als wolle sie es auch wieder, immer noch, mindestens marginal, glauben, weil es einfach ein schöner Gedanke ist, einer der schönsten. Wenn Alexander das dann hört, strahlt er, klar, gibt es ihn, den Weihnachtsmann und bald würde er überall, um den Erdball fliegen, womöglich mehrmals, um den Kindern ihre Geschenke zu bringen. Und Marie? Schaut den getrennten Papi an und ihn sich selbst hinein und freut sich auf den Weihnachtsmann, das ist doch keine ernsthafte Frage des Alters oder des Glaubens oder der Zeit. Der Weihnachtsmann wärmt sich seine Hände an der Wärmflasche, die auf der Bank am Gleis 6 am Berliner Hauptbahnhof (tief) zwischen ihm und dem getrennten Papi steht und vor sich hin dampft, ein bisschen wie Aladin's Wunderlampe, wenn der an ihr damals gerieben hat, steht auf und reicht mir sein rechte Hand, bevor er sie wieder im Fäustling verschwinden lässt. "Es gibt auch noch viele so genannte erwachsene Menschen, die an mich glauben", stellt er sehr sachlich fest und verschwindet als der ICE einfährt als sei nichts geschehen. Der getrennte Papi fragt sich und später wird er auch seine Kinder fragen: "Ob er wohl zu seiner Frau, Mrs. Claus, zum Frühstück, geflogen ist?" Immerhin glauben fast 54.000 Fans der Santa-Claus-Site auf Facebook, der Weihnachtsmann sei verheiratet. Vor allem aber glauben sie an seine persönlichen Interessen: Making people happy and giving . Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi...

Nachrichten-Ticker
Argentinischer Erzbischof wettert gegen den Weihnachtsmann

Ein hoher katholischer Geistlicher im Norden Argentiniens hat sich auf einen Feldzug gegen den Weihnachtsmann begeben.

Leute
Leute
Wolfgang Dipper, Weihnachtspostler

Briefe, die Kinder an den Weihnachtsmann schicken, landen oft auf dem Tisch eines Postbeamten in Himmelpforten: bei Wolfgang Dipper, der die großen und kleinen Wünsche aus aller Welt beantwortet.

Nachrichten-Ticker
Türkischer Mufti nennt Weihnachtsmann "unanständig"

Ein islamischer Rechtsgelehrter in der Türkei hat den Weihnachtsmann als "unanständig" bezeichnet, weil er seine Geschenke durch den Schornstein bringt.

Winterwetter
Winterwetter
Ostereiersuche und Baden bei Polarluft

Nikolaus oder Osterhase? Beim Blick aus dem Fenster weiß manch einer nicht, welche Jahreszeit gerade ist. Karfreitag gab es sogar Neuschnee. Trotzdem gingen einige Hartgesottene ins Freibad.

Der getrennte Papi
Blog "Der getrennte Papi"
23 Ziffern (36.)

Oder: Eins ist mal ganz und gar sicher - There Is Nothing Like This. Worum es heute geht: Eine sehr spezielle Nummer, illusionäre Wünsche, gewünschte Illusionen, kleine Geschenke, große Geschenke, keine Geschenke, gedachte Engel, die echten Engel, die moderne Klassik und der Beuto. Sentimentalität ist eine Gemütsverfassung, die durch Rührung gekennzeichnet ist - liest der getrennte Papi auf Wikipedia und findet, das ist eine sehr treffende Charkterisierung seines derzeitigen Gemütszustandes. Es hat, so glaubt er, mit der sich unweigerlich ankündigenden Weihnachtszeit (der getrennte Papi erliegt ihr jedes Jahr aufs Neue) zu tun. Und mithin lieben selbstverständlich Alexander und Marie den 24. Dezember. Und selbstverständlich alle Tage zuvor, wenn die von der Mama handgefertigten Weihnachtskalender-Säckchen Tag für Tag und Säckchen für Säckchen mit aufgeregten Händchen aufgefingert werden. Fabelhaft, großartig, herrlich, könnte nicht besser sein, die Zeit vor der Bescherung halbwegs unaufgeregt zu überbrücken. Aber die immer/immer/immer brennendste Frage von Marie und Alexander, die mit allen Tricks und Schlichen und auf jedem erdenklichen Umweg gestellt wird, ist die Frage der Fragen der Fragen an den getrennten Papi: "Wie ist die Telephonnummer des Weihnachtsmannes?" Denn, so müssen Sie nun wissen: Der getrennte Papi hat die Nummer des Weihnachtsmannes. Da staunen Sie, ich weiß, nun werden Sie unverzüglich versuchen, diese Nummer aus ihm per Facebook, Mail, Kommentar, SMS oder eben per Telephon raus zu kitzeln. Vergessen Sie's einfach, Sie haben nicht den Hauch einer winzigen Chance. Es gibt illusionäre Wünsche, die bleiben notwendiger Weise illusionär, liebe Leserinnen und Leser des getrennten Papi  - und auch liebster Alexander und liebste Marie. Diese Telephonnumer ist und bleibt das Geheimnis des getrennten Papi, er weiß um das Privileg, jenen direkten Draht zum Weihnachtsmann zu haben. Die Nummer hat, das sei verraten, hat 23 Ziffern, vielleicht symbolisch für jeden der 23 Tage vor dem Weihnachtsabend? Es bleibt Ihnen vorbehalten, sich darauf einen adventlichen Reim zu schneidern, Sie können ja mal Ihre Beziehungen zum Nikolaus, falls Sie überhaupt welche unterhalten, checken. Aber nicht mal der hat die Nummer, ich weiß das. Halten Sie sich doch lieber an gewünschte Illusionen wie Alexander und Marie, die schon langsam anfangen, Gedanken über Form, Länge und Gestaltung ihres Wunschzettels anzustellen. Als der getrennte Papi in ihrem Alter war (zur Erinnerung: sie sind fünf und acht Jahre jung), geriet der Wunschzettel stets lang und länger. Mal wurden Wünsche hinzugefügt, mal wurden sie durchgestrichen, aber so, dass sie noch zu lesen waren, nur für den Fall der Fälle. Und jetzt versteht der getrennte Papi endlich/endlich den seinerzeitgen Satz seines geliebten Papas: "Ich ruf' den Weihnachtsmann an, Andi." Es war der liebevollste, gefürchtetste, wundervollste Satz, den ich mir damals vorzustellen vermochte. Mein Vater hatte die Telephonnummer des Weihnachtsmannes! Wie lässig war das denn, bitte schön, wie oberlässig. Und - genau so, nicht anders war es, ich schwör es, ohne Ableitung, Tatsache - eines schönen Weihnachtstages war eben diese 23-ziffrige Nummer das tollste aller Geschenke, das mir mein Vater unter vier Augen gab, nein, anvertraute, nein unter geradezu konspirativen Umständen (die ich an dieser Stelle nicht näher schildern kann, weil sie eben derart höchst konspirativ gerieten) an mein Herz legte. Allerdings unter einer Bedingung: Wenn ich denn mal Kinder haben sollte, so möge ich dem oder der Jüngsten die 23 Ziffern in sein oder ihr Herz versenken. Und das wird der getrennte Papi tun, also wird Alexander dereinst der Geheimnisträger in dritter Generation sein, keine Frage, so kommt es, dieser Verantwortung wird er sich stellen müssen und er wird ihr gewachsen sein. Da bin ich mir sicher, er kriegt das hin, mein Alexander. Wenn dann die Klein,- Groß- und Hauptgeschenke unter dem Tannenbaum liegen, noch belassen, eingepackt, unberührt, dann wissen Alle: Der eine oder andere Anruf wurde getätigt, in aller Diskretion, Stille, Zurückgezogenheit, Anrufe, die kurz waren, denn der Weihnachtsmann hat vor dem 24. Dezember wirklich alle Hände voll zu tun. In Wahrheit erklärt sich dieses Wortspiel übrigens und nämlich im wahrsten Sinne aus der hektischen Vor-Weihnachtszeit des Weihnachtsmannes. Gut, da wären Sie jetzt bestimmt selbst drauf gekommen. Genauso wie Sie bestimmt wissen, dass es eben bestimmte Geschenke aus bestimmten Gründen an bestimmten Weihnachten einfach nicht geben kann. Nö, nicht weil sie die Kinder nicht verdient hätten, Quatsch. Sondern weil's der Weihnachtsmann einfach nicht geschafft hat, sie zu bringen, ist doch auch nur der Weihnachtsmann, mein Gott. Als der getrennte Papi noch richtig klein war, hat er gleichfalls an Engel geglaubt, die waren lieb, rauschend, vergeblich. Man konnte sie nur ahnen, sie rochen nach weißem Gefieder, zartem Lavendel und irisierender Unschuld. Sie wurden niemals laut, sie wisperten nur in meine kleinen Ohren, hinterliessen darin eine behutsame Berührung - wie von einem grünen Zweig , der uns im Frühling über die Wange streift, oder so ähnlich stellte ich es mir vor. Die echten Engel sind natürlich unsere Kinder und natürlich sind sie nicht immer unsere Engel, wo kommen sie und wir dahin, geht doch nie und nimmer, echte Engel dürfen sich auch mal verfliegen, keine Frage. Und egal, ob wir sie nun mal gerade - klammheimlich - nur ganz kurz zum Mond und zurück wünschen, unsere Engel sind uns die liebsten, nur sie lösen diese Kribbeln um unser Herz herum, das sich anfühlt wie wogende Wellen im warmen karibischen Wasser. Oder so in der Art. Weil der getrennte Papi nun noch kurz in eine neue CD hinein hören will  ( Aaron Copland, Symphony No. 3, Billy the Kid (Suite), die zum festen Inventar moderner, nordamerikanischer Klassik zählt wie etwa die Kriminalromane von Raymond Chandler, kommt er mal zum Schluss für heute. Er zitiert einen anderen Klassiker, diesmal der Pop-Moderne: "There Is Nothing Like This" von Omar. Das gilt übrigens auch für die unschlagbare, auf KiKa laufende Serie "Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann", noch ein Klassiker, im TeVau. Und eigentlich sind wir doch alle Beuto . Aber dazu alsbald mehr vom getrennten Papi...

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