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Die Abmahnwelle war erst der Anfang

Mehr als 10.000 Nutzer von Pornostreams werden zurzeit in Deutschland abgemahnt. Im Gespräch mit stern.de sagt der Abmahnanwalt Thomas Urmann: Es werden noch weit mehr User Post bekommen.

Von Christoph Fröhlich

  Youporn-Macher Fabian Thylmann gilt als der King of Porn

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Es ist eine der größten Abmahnwellen der letzten Jahre: Seit einer Woche sorgt die Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen (U+C) für Schlagzeilen, weil sie deutsche Internetnutzer wegen des Anschauens von Sexfilmen auf der Pornoplattform "redtube.com" im großen Stil abmahnt. Mehr als zehntausend Nutzer haben mittlerweile Post von den Anwälten bekommen, jeder Betroffene soll mindestens 250 Euro Schadenersatz zahlen.

Es ist ein gewagtes Unterfangen: Unter Juristen ist es strittig, ob das bloße Ansehen eines Webstreams bereits eine Urheberrechtsverletzung darstellt, da eine Kopie der Datei lediglich im Arbeitsspeicher des Computers gespeichert wird und nicht auf der eigentlichen Festplatte. Zudem gibt es Hinweise, dass das Kölner Landgericht, das die Telekom zur Herausgabe der Adressen der Nutzer gezwungen hat, von einem Anwalt durch einen geschickt formulierten Antrag hinters Licht geführt wurde. Statt von Streaming ist im Gerichtsbeschluss nur von Tauschbörsen die Rede. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätten Zehntausende Adressen nicht herausgegeben werden dürfen.

Neue Abmahnungen im kommenden Jahr

Während Juristen noch streiten, ob die Abmahnungen überhaupt rechtskräftig sind, kündigt Thomas Urmann, dessen Kanzlei federführend hinter den Schadenersatzforderungen steht, bereits die nächste Abmahnwelle an. Im Gespräch mit stern.de sagt er: "Diese Abmahnungen waren natürlich erst der Anfang. Wir haben momentan eine Rechtsprechung des Landgerichts Köln, das geprüft hat, ob in diesem Fall eine Urheberrechtsverletzung vorliegt oder nicht. Und einige Kammern haben entschieden: Ja, das ist so." Sollten die Kölner Richter oder ein Obergericht die Entscheidung nicht kippen, dürften auch Nutzer von anderen Portalen Post vom Anwalt bekommen. "Momentan geht es nur um Redtube. Technisch spricht aber nichts dagegen, auch andere Portale zu überwachen", sagt Urmann.

In diesem Jahr sei aber nicht mehr mit weiteren Abmahnungen zu rechnen, so Urmann weiter. Zunächst einmal müsse all das, was die Kanzlei herausgeschickt hat, bearbeitet werden. Außerdem hat es viele Reaktionen der Betroffenen gegeben, Urmann spricht von Hunderten Faxen und Tausenden Briefen, die in seiner Kanzlei eingetroffen sind. Selbst für die abmahnerprobten Regensburger eine besondere Situation: "Die Telefonanlage war überlastet und wir wurden mit Zehntausenden E-Mails bombardiert, teils nur aus Gehässigkeit", sagt Urmann. Trotz des Unverständnisses, das ihm aus vielen Richtungen entgegenkommt, hält er an seiner Meinung fest: "Wenn jetzt nicht ein sehr schneller Kipp der Rechtsprechung kommt, geht das im nächsten Jahr weiter."

Strafanzeige gegen Berliner Anwalt

Einige Anwälte, die Redtube-Betroffene vertreten, sind bereits gegen die Abmahnungen vorgegangen. Der auf die Abwehr von Filesharing-Abmahnungen spezialisierte Rechtsanwalt Johannes von Rüden hat am Dienstag bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Berliner Rechtsanwalt Daniel Sebastian erstattet, der den Antrag zur Auskunftserteilung an das Kölner Landgericht gestellt hat. "Noch ist nicht geklärt, in welchem Zusammenhang Daniel Sebastian mit […] der Regensburger Rechtsanwaltskanzlei U+C steht. Hier wird noch viel aufzuklären sein", schreibt von Rüden in einer Pressemitteilung. Auch mit welchen technischen Tricks Sebastian an die IP-Adressen der Betroffenen gekommen ist, ist derzeit unbekannt. Den Gerichtsakten zufolge hat die Firma itGuards mit der Software "GladII 1.1.3" die IP-Adressen ermittelt. Diese Software wurde eigentlich für das Überwachen von Tauschbörsen entwickelt.

Auf die Frage, ob Urmann auch in Zukunft mit dem Anwalt Sebastian zusammenarbeiten werde, sagte der Regensburger Jurist: "Aus unserer Perspektive spricht nichts dagegen. Warum sollten wir etwas ändern?" Dass andere Kanzleien auf den Zug aufspringen und ebenfalls Abmahnungen wegen Streamings verschicken werden, fürchtet der Jurist nicht - zumindest nicht in nächster Zeit. Derzeit sei die technische Software zur Überwachung von Streaming-Nutzern ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Urmann. Zu den technischen Details wollte er sich aber nicht äußern.

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