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15. September 2008, 11:16 Uhr

Konsortium plant Standards für Mediendownloads

Große Medien- und Technologiekonzerne wollen gemeinsame Standards zum Herunterladen von Internetinhalten schaffen. So soll der Absatz von Abspielgeräten sowie Filmen und Musik angekurbelt werden. Allerdings spielt ausgerechnet der Marktführer nicht mit. Von Matthew Garrahan, Los Angeles

Apple und seine iTunes-Software beteiligen sich nicht am Konsortium© Apple

Eine Industriegruppe aus Studios und Technologie- Konzernen hat sich zusammengetan, um ein System für die breitere Nutzung digitaler Medien zu etablieren. Das Konsortium tritt unter dem Namen Digital Entertainment Content Ecosystem (DECE) auf. Mitglieder sind unter anderem Sony, Microsoft, Paramount Pictures und Warner Brothers Entertainment. DECE plant die Entwicklung von Richtlinien, die für Onlinedienste und Medienträger genutzt werden können. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney und Apple, der größte Verkäufer von Onlinemusik und Videoinhalten, gehören dem Konsortium nicht an.

DECE-Chef Mitch Singer sagte der FT, die Gruppe versuche, die Verwirrung zu reduzieren, die bei Webdownloads zuweilen herrscht: "Wir wollen ein einheitliches Erlebnis schaffen."

Der Großteil der Internetinhalte ist mit Software für digitales Rechtemanagement (DRM) versehen. Diese schränkt die Nutzung der geschützten Inhalte nach Belieben des Rechteinhabers ein. So kann etwa festgelegt werden, wie oft Dateien kopiert oder wo sie abgespielt werden können. Apple arbeitet mit eigener DRM-Software - über das konzerneigene Musikportal iTunes verkaufte Musikdateien können daher nur mit Apple-Produkten abgespielt werden.

"Einmal kaufen, überall abspielen"

"Ich weiß nicht, ob Apples Fehlen dem abträglich ist, was wir zu erreichen versuchen", sagte Singer. "Apple ist ein sehr gutes System, das weiter Inhalte verkaufen wird. Wir konzentrieren uns auf eine andere Art Kunde, die wirklich mehr Auswahl haben möchte."

Geräte und Websites, die mit den neuen Standards kompatibel sind, sollen ein neues Logo tragen. Singer sagte, so würden Käufe transparenter. DECE knüpfe an die erfolgreiche Devise "Einmal kaufen, überall abspielen" an. Sie gilt heute bei CDs, DVDs und Blu-ray.

Mit den neuen Standards könne der Käufer seine Inhalte per Fernzugriff auf eine Rechtedatenbank nutzen, sagte Singer. Es sei dann möglich, Inhalte genauso frei abzuspielen, wie man Fotos im Internet anzeigen lassen kann.

Etliche weitere Konzerne aus der Technologie-, Einzelhandels- und Medienbranche wollen sich an DECE beteiligen. Zu ihnen zählen Alcatel-Lucent, HP, Cisco, Intel, Toshiba, Fox Entertainment, Lionsgate und Verisign, ein Unternehmen für Internetsicherheit.

Nico Popp, Innovationsvorstand bei Verisign, sagte: "Schaut man sich den Markt an, dann gewinnen die offenen Standards immer. Es besteht eine große Nachfrage nach Onlineinhalten, die freigesetzt werden will. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr Leute werden sich beteiligen wollen."

Von Matthew Garrahan, Los Angeles
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Sternobyl (15.09.2008, 14:08 Uhr)
Standard klingt so positiv
DECE soll aber nichts anderes werden als ein einheitlicher DRM-Standard. Also das, was der werte Redakteur im Artikel so anprangert. Und Blu Ray-Discs können keineswegs überall abgespielt werden, wo es technisch prinzipiell ginge. Auf Linux-PCs beispielsweise und bei allen anderen Herstellern, denen eine entsprechende Lizenz versagt wird, geht das einfach nicht. Dafür sorgt auch da wieder das DRM-System.
Bei dem neuen DECE-DRM-System wird der Kunde, wie bei anderen DRM-Systemen wieder die Rechteeinschränkungen ausbaden müssen. Er darf zwar regulär für die Inhalte zahlen, darf sich dann aber keine Sicherheitskopien erstellen, kann die Filme nicht an Freunde verleihen, wie das bei normalen Medien (CD, DVD, BluRay usw.) geht, er kann die Filme auf Linux-Geräten dann nicht mehr abspielen und wenn die Lizenzierungsserver stillgelegt werden sollen, weil der Betreiber keine Lust mehr hat (das passiert bereits bei mehreren Musik-Lizenz-Servern), dann verliert der Kunde den Film spätestens bei seinem nächsten Umstieg auf neue PC-Hardware, und so weiter und so fort.
Wenn die Wirtschaft sich und den Konsumenten einen Gefallen tun will, sollten sie den DRM-Terror langsam mal ad acta legen. Dann ist der Weg offen für zukunftsweisende Standards, die wirklich auf allen Geräten funktioniert, die was taugen und DRM-frei sind.
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