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2. Januar 2008, 12:05 Uhr

Erst rechnen, dann kaufen

Elektronik-Importe

Der schwache Dollar macht aus den USA importiere Elektronik billig wie nie. Doch Zoll, Steuer, Garantie-Bestimmungen und nicht kompatible Technik schmälern die Freude am Warenimport. stern.de sagt, worauf Käufer achten sollten. Von Peter Kusenberg

Objekt der Begierde: Die Playstation3 ist in den USA deutlich billiger zu haben© AP

280 Euro kostet eine Playstation - in den USA. Das ist verlockend günstig, immerhin pappt an Sonys schmuckem Zehn-Pfünder in deutschen Märkten ein 399-Euro-Preis-Schild. Apples schicken iPod Touch gibt es zwischen Los Angeles und New York für den gleichen Preis in Dollar wie hierzulande in Euro. Der Dollar ist schwach - ein fast 400 Euro teurer iPod Touch wird in der US-Abteilung des Online-Händlers Amazon deshalb für umgerechnet 280 Euro angeboten. Wer eh einen Trip nach New York plant oder geschäftlich in Übersee unterwegs ist, lässt sich gern von den niedrigen Preisen verlocken. Doch auch in Lübeck und Ulm klicken die Menschen auf Amazon.com, geeks.com, Circuitcity.com oder andere US-Händler-Seiten und erwägen, ihr Weihnachtsgeld in die Schnäppchen zu investieren. Doch sollte man sich nicht nur von den Preisen blenden lassen: Steuen und Zoll machen die vermeintlichen Sonderangebote schnell teuer.

Doppel-Steuer

Doch wer bei einem US-Händler einen MP3-Player, ein mobiles DVD-Abspielgerät oder einen Laptop bestellt, der muss Steuern zahlen. Zusätzlich zu den amerikanischen, meist einstelligen Prozent-Steuerbeträgen kommen die Deutschen hinzu - im Extremfall bis zu 19 Prozent Einfuhrsteuer als Ausgleich für die hiesige Umsatzsteuer. Dazu kommen Zollgebühren für Geräte der Unterhaltungselektronik, Computer und Computer-Zubehör darf zollfrei importiert werden. So kostet eine Digitalkamera den Einkaufspreis in Dollar plus Zollgebühr plus Einfuhrsteuer: also beispielsweise eine Lumix DMC TZ3K von Panasonic 235 Dollar (etwa 164,50 Euro) plus 24 Prozent - das macht insgesamt 204 Euro. Dazu kommen Versand- und Verpackungsgebühren, die im Falle einer Express-Sendung via Luftfracht einen zusätzlichen zweistelligen Euro-Betrag ausmachen. Dennoch lässt sich so Geld sparen - falls das Gerät nicht beim Transport kaputt geht.

Garantiert umständlich

Die meisten Hersteller digitaler Geräte leisten unentgeltlich nötige Reparatur-Arbeiten und beheben Produktionsfehler. Allerdings gilt die Garantieleistung meist nur für ein bestimmtes Territorium: "Garantieansprüche auf in den USA gekaufte Playstations können Sie in Deutschland leider nicht geltend machen, Sie müssten die Konsole im Fall der Fälle in die USA zurückschicken", erklärte ein Sprecher von Sony Computer Entertainment auf Anfrage. Apple macht Ausnahmen bei einigen Geräte-Klassen, so dass ein US-iPod, der in Europa registriert ist, im Garantie-Fall an eine deutsche Adresse geschickt werden kann. Das spart nicht nur Porto, das spart auch Zeit. Denn Amazon gibt normale Lieferzeiten von bis zu 35 Tagen an, bei Service-Werkstätten kann das entsprechend länger dauern.

US-Technik gegen Euro-Technik

Doch selbst, wenn das Gerät problemlos seinen Dienst verrichtet: Das Menü des MP3-Players ist englisch, die Lautstärke ist Innenohr-schädigend hoch, da es in den USA keine vergleichbaren Verordnungen zum Schutz des Gehörs gibt. Wer einen US-Laptop bestellt, muss mit einer amerikanisch belegten Tastatur leben. Und er braucht einen Adapter für das Stromkabel, denn erstens sind amerikanische Steckdosen anders geformt als deutsche, zweitens beträgt die Spannung in den USA 110 Volt, in Deutschland hingegen 220 Volt. Die meisten Geräte funktionieren auch hier, doch es ist sinnvoll, sich vorher zu erkundigen, ob das Gerät beim 220-Volt-Betrieb keinen Schaden nimmt.

Besonders abzuraten ist vom Kauf eines Fernsehers oder eines sonstigen TV-Produkts. Abgesehen vom hohen Gewicht und den damit verbundenen Transportkosten: In den USA gilt die Fernsehnorm NTSC, in Europa ist PAL verbreitet. Manche Geräte beherrschen beide Normen, und HD-Geräte, also Fernseher für hoch auflösende Bilder, lassen sich universell einsetzen. Doch europäische Film-DVDs lassen sich nicht auf US-Geräten abspielen, weil dort der Ländercode 1 gilt, was den Kauf von US-DVDs verlangt.

Zoll und Schadensersatz

Die Playstation 3 mag hierzulande 120 Euro teurer sein, doch wer sie in Deutschland kauft, erspart sich eine Menge Ärger. Bei kleineren Geräten wie einem MP3-Player von Cowon, Sandisk oder Apple ist eine US-Bestellung erwägenswert, tatsächlich spart der Käufer nach Addition von Steuern, Zoll und Versandkosten nur wenige Euro. Der Zoll informiert unter www.zoll.de über die genauen Bedingungen der Einfuhr von Waren aus Nicht-EU-Ländern; große Anbieter wie Amazon erledigen die Zollformalitäten, indem sie die Gebühren vorab kassieren und an den deutschen Zoll abführen.

An Zoll-Hinterziehung sollten Privat-Importeure nicht denken: Die deutschen Beamten kassieren in dem Fall saftige Strafgebühren - und selten kommt die Kontrolle nicht vor: Um Produkt-Fälschungen zu konfiszieren, kontrolliert der Zoll intensiv sowohl Fluggäste bei der Einreise am Flughafen als auch Pakete aus Nicht-EU-Ländern. Und wer einem Schwindler aus Übersee auf den Leim gegangen ist, der wird den Schadensersatz vor einem US-Gericht einfordern müssen, was vielleicht so lange dauern wird, dass bereits die Playstation 4 im Laden steht, wenn die Sache ausgestanden ist.

KOMMENTARE (8 von 8)
 
llechwedd (03.01.2008, 11:36 Uhr)
Null Problemo
Habe am Donnerstag gegen Mitternacht bei B&H in New York eine Olympus DSLR-Ausrüstung (E 510 Double Zoom Kit) bestellt. Das Paket kam am Montagmorgen per UPS (wäre, wenn's nicht Sonntag gewesen wäre, noch einen Tag früher da gewesen: es war nämlich laut UPS-TRacking schon am Samstag gegen 11.00 Uhr durch den Kölner Zoll). Also eine Liefertzeit von run 60 Stunden (ohne Sonntag) - da kann sich mancher deutsche Versender ein Stückchen von Abschneiden. Null Problem, aber ... - 580 (inklsuive ALLEM) statt 900 EUR zu zahlen ist halt eine schwer überwindbare Hürde, zumal das einzige, was nicht verwendbar ist, die Zuleitung zum Ladegerät ist, welchselbiges a) mit dem meiner schon vorhandenen C8080 idetnisch und b) für Spannungen von 100 bis 240 Volt ausgelegt ist.
matthy (03.01.2008, 11:22 Uhr)
Netzteile und Stromkabel
Nur Geraete, welche Steckernetzteile haben, sind in der Regel auf eine bestimmte Eingangsspannung getrimmt (eben weil es keine Schalt- sondern Spulennetzteile sind). Da wird's also kritisch. Bei Laptops, Desktops oder Bildschirmen hingegen muss nur noch ein anderes Kabel (mit dem europ. Stecker) besorgt werden, dann funktioniert auch der Import aus USA immer problemlos!
matthy (03.01.2008, 11:16 Uhr)
Spannung etc.
"Wer einen US-Laptop bestellt, (...) braucht einen Adapter für das Stromkabel, denn erstens sind amerikanische Steckdosen anders geformt als deutsche, zweitens beträgt die Spannung in den USA 110 Volt, in Deutschland hingegen 220 Volt." - Das ist zwar richtig, aber irrelevant. Alle Laptops haben heutzutage sog. Schaltnetzteile, welche weltweit eingesetzt werden koennen, egal welche Spannung oder Frequenz - guckt doch einfach mal auf das Typen-Schild oder denkt nach. Gefertigt werden diese Teile meist in Fernost, fuer den globalen Markt! Selbst Computermonitore und die meisten Desktops sind international. Bedauerliches Halbwissen beim Sternreporter....
atticus (03.01.2008, 10:39 Uhr)
Wieder mal ein klassischer
Stern-Lückenfüller-Artikel der alle 6 Monate neu eingestellt wird - fehlt nur noch der Brückentage-Text. "Lautstärke innenohrschädigend hoch?" Ich lach mich tot. Man kann ja leiser drehen, oder geht das beim IPod nicht mehr? Zudem kenn ich keinen, der sich über einen zu lauten IPod beschwert hätte, vielmehr regen sich alle über die hiesige Bevormundung auf...
gmathol (03.01.2008, 09:33 Uhr)
Ueberhaupt kein Zollproblem...
...man sollte allerdings bereits aus Deutschland in die Nachbarstaaten Niederlande, Schweiz oder Oesterreich ausgewandert sein.
Nur wer Merkel und den Militaerkurs der NATO mag bleibt in Deutschland und zahlt und verzichtet bis er tot umfaellt.
An alle Gut ausgebildeten Deutschen: rettet euch, bevor ihr nicht mehr zu retten seid. Lasst doch die braunen Woelfe in Deutschland allein sterben.
Windukeit (03.01.2008, 07:13 Uhr)
Ländercode
Ist der Ländercode auf den DVDs nicht relativ egal? Man muss dann doch nur im ersten Auswahlmenü(hat allerdings nicht jede DVD) der DVD USA eingeben, dann sollte es doch funktionieren,oder?
poloele (03.01.2008, 01:44 Uhr)
nicht nur Volt
es ist nicht nur der Spannungs Unterschied zu beachten, sondern auch unterschiedliche Hertz Werte, die ein einwandfreies Funktionieren auch beeinflussen koennen
Caroline-NL (02.01.2008, 18:15 Uhr)
NTSC/PAL DVD Probleme
Es gibt auch in den USA viele DVD Player, die NTSC UND PAL DVDs abspielen. Daß viel größere Problem ist die Spannung (110/120V) in den USA. Die Geräte kann man hier nicht so anschließen, man braucht dafür einen Spannungswandler ( ab 15 Euro erhältlich ). Allerdings gibt es viele Geräte in den USA, die es auf dem europ. Markt überhaupt nicht gibt. z.B. Restposten von ED Beta VCRs. bzw. neue Atarikonsolen.
 
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