Schutz gegen unerwünschtes Mitlesen

17. Mai 2007, 10:42 Uhr

Wer eine E-Mail verschickt, muss damit rechnen, dass seine Nachricht von Dritten gelesen wird. Schützen können sich Verbraucher nur, indem sie ihre elektronische Post konsequent mit entsprechenden Programmen verschlüsseln.

Programme wie "PGP" schützen die Privatsphäre©

Eine E-Mail bietet keinen Leseschutz, wie zum Beispiel der Umschlag bei einem Brief. An allen Stationen, die für den Transport der E-Mail zuständig sind, können die Nachrichten kopiert und archiviert werden.

"Abhörsysteme wie Echelon werten automatisiert E-Mails und Faxe aus", sagt Christian Krause vom Datenschutzzentrum in Kiel. Das Spionagenetz wird von den USA gemeinsam mit Kanada, Australien und Neuseeland betrieben. Dort gesammelte Informationen würden unter anderem für geheimdienstliche Zwecke genutzt. Es gebe aber auch Hinweise, dass die Daten zur Wirtschaftsspionage verwendet werden.

Wer sich Zugriff verschafft

Neben Echelon können sich laut Krause aber auch neugierige oder böswillige Systemadministratoren sowie Hacker Zugriff auf den E-Mail-Verkehr verschaffen. Für die Zukunft sei anzunehmen, dass von verschiedensten Institutionen immer mehr Daten gesammelt werden. "Aus vielen solcher kleinen Datenberge entstehen durch Verknüpfung leicht umfangreiche Profile von Menschen", sagt Krause. Es gehe nicht darum, ob man etwas Verbotenes zu verbergen hat. Es gehe um Privatsphäre - und die habe jeder Mensch.

Wer das Mitlesen von E-Mails verhindern oder zumindest erschweren will, muss aktiv werden - zum Beispiel, indem er die Nachrichten verschlüsselt. Dazu muss er seinen Korrespondenzpartnern einen Algorithmus zukommen lassen, mit dem diese verschlüsselte Mails zurücksenden können. "Verschlüsselung ist für jeden sinnvoll, der seine Daten schützen möchte", sagt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Das können zum Beispiel Bankdaten sein, private oder vertrauliche Informationen. "E-Mails versenden ist nichts anderes als Postkarten zu verschicken", sagt Gärtner.

Software gewährt sicheren E-Mail-Verkehr

Verschlüsselungsprogramme wie Pretty Good Privacy (PGP) oder GNU Privacy Guard (GnuPG) ermöglichen sicheren E-Mail-Verkehr. Ersteres kann als Freeware für nichtkommerzielle Zwecke kostenlos verwendet werden. Letzteres ist ein komplett freies Kryptografieprogramm. Beide Programme sind untereinander kompatibel. Die Entwicklung von GnuPG wurde vom Bundeswirtschaftsministerium und vom Bundesinnenministerium im Rahmen der Aktion "Sicherheit im Internet" unterstützt. Beide Programme laufen unter Windows, Linux und Mac OS.

Ein einfaches und leicht verständliches Ver- und Entschlüsseln ermöglicht Enigmail. Es ist ein Zusatzprogramm, das ins E-Mail-Programm Thunderbird installiert wird. Unter den Reitern "Extras" und "Erweiterungen" kann der Download von Enigmail aktiviert werden. Enigmail bietet eine grafische Oberfläche für GnuPG. GnuPG muss zusätzlich installiert werden. Es kann zum Beispiel unter www.gpg4win.de heruntergeladen werden. Dort wird ein Programmpaket angeboten, das zudem eine leicht verständliche Anleitung für Einsteiger mitliefert.

Wie Mails verschlüsselt werden

Nach dem Installieren der Programme und dem Neustart von Thunderbird erscheint der neue Reiter OpenPGP in der Menüleiste. Hier oder direkt im GNU Privacy Assistant, der bei Gpg4win mitgeliefert wird, können virtuelle Schlüssel erzeugt werden. Den öffentlichen Schlüssel (Public Key) schickt man an die Korrespondenzpartner. Diese können damit künftig verschlüsselte Mails zurücksenden, die Enigmail/GnuPG erkennt und dechiffriert. Beide Korrespondenzpartner müssen jeweils den öffentlichen Schlüssel des anderen besitzen.

Außerdem kann der Public Key auch auf der Internetseite abgelegt oder anderen auf so genannten Key-Servern zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere Sicherungsmaßnahme stellt das Signieren von Mails, also die sichere Indentifikation des Senders, dar. Auch diese Möglichkeit wird von Enigmail unterstützt. Sind das Programm installiert und die Schlüssel ausgetauscht, erfolgt das Ver- und Entschlüsseln weitgehend automatisch. Enigmail erkennt verschlüsselte Nachrichten und entschlüsselt sie mit dem so genannten Private Key.

Aufwendige Zertifizierungsverfahren

Viele E-Mail-Programme wie Outlook, Outlook Express oder Thunderbird sind auch mit Secure Mime (S/MIME) ausgestattet. Wegen zum Teil recht aufwendiger Zertifizierungsverfahren, die verschiedene Sicherheitsfirmen anbieten, wird S/MIME eher im professionellen Bereich verwendet. Neben dem Verschlüsseln steht hier die sichere Identifikation der E-Mail-Sender im Vordergrund. Web.de bietet eine kostenlose Zertifizierung unter www.trust.web.de für seine E-Mail-Accounts an. Jedoch sind die Systeme nicht kompatibel. Ein Verschlüsseln mit PGP oder GnuPG und ein Entschlüsseln über S/MIME ist also nicht möglich. Die Systeme können aber parallel betrieben werden.

Wie sicher moderne Algorithmen sind, erklärt Prof. Jörg Schwenk vom Lehrstuhl für Daten- und Netzsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum anhand eines Beispiels: "Würde ein Angreifer zwei Milliarden Schlüssel in der Sekunde ausprobieren, bräuchte er länger als das geschätzte Lebensalter des Weltalls, um alle Möglichkeiten eines 128-Bit-Algorithmus durchzurechnen."

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
initialway (17.05.2007, 16:28 Uhr)
ok
ich schließe mich meinem Vorredner an, denn mir geht es ganz genauso.
Allerdings glaube ich, dass das Hauptproblem nicht beim Nutzer sondern bei der Industrie oder Opensource Gemeinde liegt, denn das installieren und konfigurieren von Verschlüsselungssoftware für den Emailverkehr ist für die meisten Nutzer einfach zu komplex. Die überwiegende Zahl der PC Benutzer können gerade mal die Standardaufgaben mit ihrem PC erledigen.
Es müssen Programme oder Systeme entwickelt werden, die automatisch die Emails verschlüsseln. Zwar wird das wahrscheinlich nicht die Sicherheitsstufe erreichen wie das Schlüsselprinzip von PGP, aber es wäre ein guter Start das einfache Mitlesen deutlich schieriger zu machen.
screne (17.05.2007, 14:40 Uhr)
"E-Mails versenden ist nichts anderes als Postkarten zu verschicken"
Tja. Das ist richtig und es stört mich immens. Ich habe allerdings noch niemanden gefunden, den das ebenfalls stört und sich bemüht, seine Mails zu verschlüsseln.
Nicht einmal Geschäftspartner kann man davon überzeugen, obwohl sie wissen, dass die Mails für jeden lesbar durchs Netz schwirren und sogar Geschäftsgeheimnisse so kommuniziert werden. Es interessiert einfach niemanden.
E-Mail, so wie sie jetzt existiert, ist auf dem absteigenden Ast. Spam ist da nur ein weiterer Nagel im Sarg.
Problematisch ist nur, dass Neuentwicklungen von einem Unternehmen oder einem Konsortium ausgehen, die sich das dann schön patentieren lassen. Sprich: sowas wird sich nicht durchsetzen. Jedenfalls nicht, wenn man die OpenSource-Gemeinde nicht berücksichtigt. Und wenn man das tut, kann man die Sachen nicht patentieren usw. Ein Teufelskreis.
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