Aufstand gegen Googles neue Bildersuche

8. Februar 2013, 17:33 Uhr

Googles neue Bildersuche zeigt große Bilder losgelöst von der Original-Webseite. Für die User ist das praktisch, doch Fotografen und Künstler sind entsetzt - und proben den Aufstand. Von Christoph Fröhlich

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Mit der Kampagne "Verteidige Dein Bild" protestieren Fotografen, Künstler und Webseitenbetreiber gegen die neuen Bildersuche von Google©

Das Motto "Don't be evil" ("Tu nichts Böses") war für Google einmal das Maß aller Dinge. Die beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page haben es im Jahr 2004 vor dem Börsengang in einem Brief an künftige Aktionäre festgehalten. Man wollte ein Unternehmen sein, "das gute Dinge für die Welt tut", heißt es in dem Schreiben. Neun Jahre später hegen immer mehr User Zweifel an den Leitsätzen aus der Gründerzeit. Mal musste Google wegen unerlaubter Cookies Millionenstrafen zahlen, ein anderes Mal empörten sich Datenschützer über mangelnde Privatsphäre der User. Nun sorgt der Tech-Riese erneut für Verärgerung.

"Verteidige Dein Bild"

Fotografen und Künstler protestieren derzeit gegen die neue Bildersuche, die vor einigen Wochen gestartet und bereits für einige Nutzer in Deutschland verfügbar ist. In der alten Version zeigte Google lediglich Miniaturversionen der Bilder an; klickte der Nutzer auf das kleine Foto, wurde er auf die Original-Webseite geschickt. Dort konnte das Foto in einer Seitenspalte auf Wunsch größer dargestellt werden. In der neuen Bildersuche entfällt dieser Schritt, mit einem Klick werden die vergrößerten Fotos direkt auf der Google-Ergebnisseite gezeigt. Und: Wer mehrere Fotos zum gleichen Thema anschauen will, kann sich nun bequem mit den Pfeiltasten durch die Google-Bildersammlung navigieren und muss nicht mehr mühsam durch verschiedene Webseiten klicken.

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Die neue Google-Bildersuche zeigt großformatige Bilder direkt in der Ergebnisseite an. Hier zu sehen: Apple-Chef Tim Cook.©

Für die Nutzer ist das praktisch, für die Urheber der Bilder weniger. Durch die direkte Anzeige der Fotos in Googles Ergebnisseiten seien die Zugriffszahlen seit der Umstellung auf die neue Bildersuche stark gesunken, behaupten einige Seitenbetreiber. Teilweise gebe es Einbrüche um bis zu 80 Prozent. Mit der Aktion "Verteidige Dein Bild" - eine Anspielung auf Googles Kampagne "Verteidige Dein Netz" gegen das geplante Leistungsschutzrecht - wollen sich Fotografen, Künstler und Seitenbetreiber Gehör verschaffen.

Der Konzern "ignoriert das Urheberrecht und tritt Kreative mit Füßen", heißt es in einem Video auf der Protestseite. "Wir, Betreiber von Webseiten, lassen uns von Google nicht als kostenlose Bildlieferanten einspannen und werden gezielt gegen die Pläne der neuen Google Bildersuche aktiv vorgehen", schreiben die Google-Gegner. Derzeit werden auf der Seite Unterschriften gesammelt, derzeit gibt es 936 Unterzeichner (Stand: 15.00 Uhr).

Ungünstiger Zeitpunkt

Der Suchmaschinenbetreiber wehrt sich mit einem Blogbeitrag gegen die Vorwürfe und verweist darauf, dass in der neuen Oberfläche noch prominenter anzeigt werde, woher das gesuchte Bild stammt. Außerdem gäbe es nun bei jedem Bild vier Links, die auf die Originalseite führen. Dass die Originalseite nicht mehr geladen wird, erklärt Google wie folgt: "Dadurch wird die Nutzererfahrung verbessert, die Ladezeit reduziert und die Genauigkeit der Messinstrumente für Webmaster erhöht", heißt es im Google-Blog. Außerdem gebe es jedes Mal den Hinweis, dass das Bild "möglicherweise urheberrechtlich geschützt" sei.

Der Start der neuen Bildersuche kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Während Google mit deutschen Verlagen noch immer keine Einigung im Streit um das Leistungsschutzrecht erzielen konnte, droht nun neuer Ärger. Die Initiatoren der Aktion "Verteidige Dein Bild" würden auch vor einem Musterprozess nicht zurückschrecken, heißt es auf der Webseite. Die Chancen dürften nicht schlecht stehen. Medienanwalt Christian Solmecke erklärte gegenüber "Spiegel Online", dass Googles neue Bildersuche hierzulande illegal sein könnte. "In Deutschland wäre das eine Urheberrechtsverletzung. Nur der Urheber darf entscheiden, wie sein Bild genutzt wird."

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