Google hat Stress mit der EU-Kommission. Dabei kämpft der Onlineriese schon an vielen Fronten: in Deutschland wegen Street View, in den USA mit der TV-Industrie - und überall mit Facebook. Von Ralf Sander

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen Googles Geschäftsgebahren unter die Lupe© Oliver Berg/DPA
Eine neue Runde im Kampf Goliath gegen Goliath ist eröffnet. In der einen Ecke: der milliardenschwere Internetkonzern Google, dessen Suchmaschine zum Synonym für das Suchen im Web geworden ist. Weltweit beherrscht er hier den Markt, in Deutschland und Europa liegt der Marktanteil bei mehr als 90 Prozent. In der anderen Ecke wartet die kampfeslustige EU-Kommission aus Brüssel, die Erfahrung im Ringen mit IT-Giganten aus den USA hat. Dem Chiphersteller Intel hat sie 2009 eine Strafe von 1,06 Milliarden Euro wegen seiner marktbeherrschenden Stellung aufgebrummt. Und Microsoft musste in jahrelangen Streitereien bereits mehr als 1,7 Milliarden Euro nach Brüssel überweisen.
Nun hat die EU-Kommission also auch Google herausgefordert und ein Missbrauchsverfahren gegen das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View eingeleitet. Nach mehreren Beschwerden von Konkurrenten wird geprüft, ob Google seine Marktmacht im Suchmaschinengeschäft missbraucht hat.
Die britische Preisvergleichswebsite Foundem, die Justizsuchmaschine ejustice.fr und das zu Microsoft gehörende deutsche Verbraucherportal Ciao haben die Beschwerden eingereicht. Demnach hat Google womöglich die Seiten anderer spezialisierter Suchdienste bei seinen Suchergebnissen vorsätzlich zu weit unten und seine eigenen Dienste zu weit oben angezeigt.
Außerdem werfen die Wettbewerber Google vor, die Preise für Textanzeigen, die Google neben Suchergebnissen anzeigt, in die Höhe getrieben zu haben. Und die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen, ob Google Werbepartner daran gehindert hat, auf ihren Webseiten Werbung von Konkurrenten zu schalten.
Für das Unternehmen kommt der Ärger zur Unzeit. Zwar hat Google im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23,6 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet - der Löwenanteil davon aus Werbeeinnahmen - und ist laut Marktforscher Millward Brown die teuerste Marke der Welt (Wert: 131 Milliarden Euro). Doch die Leichtigkeit, mit der Google in der Vergangenheit scheinbar alles gelang, scheint vobei. Das Unternehmen hat neben dem EU-Verfahren noch drei weitere Probleme.