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Großer Streit um kleine Facebook-Bildchen

1100 Euro Strafe für das Teilen eines Mini-Fotos: Weil ein Facebook-Nutzer einen Link samt Vorschaubild verbreitete, trudelte eine satte Forderung ein. Kommt jetzt eine Abmahnflut?

Von Christoph Fröhlich

Ein Facebook-Share und schon ist man 1100 Euro ärmer: Was wie die Horrorvorstellung vieler Nutzer klingt, könnte für die Abmahnindustrie die nächste Goldgrube sein. Das Problem sind die kleinen Vorschaubildchen, die beim Posten eines Links auf Facebook automatisch erstellt werden. Sie schwirren milliardenfach durch das soziale Netzwerk. Nur: Darf man die Fotos, die automatisch jeden Link schmücken, eigentlich auf seiner eigenen Facebook-Seite teilen?

Diese Frage beschäftigt Juristen seit Jahren. Bereits im Jahr 2013 verschickte eine Berliner Kanzlei Abmahnungen in Höhe von 1746,69 Euro, weil eine gewerbliche Facebook-Seite einen Link samt Foto teilte, dessen Rechte der Inhaber der Facebook-Seite nicht besaß. Schon damals entzündete sich die Diskussion, ob man solch eine hohe Summe für ein daumennagelgroßes Bild verlangen darf, das kaum noch zu erkennen ist.

1100 Euro für ein Facebook-Bild

Nun ist ein ähnlicher Fall erneut aufgetreten: Ein Fotograf hat die Inhaberin einer Fahrschule abgemahnt, weil diese einen Online-Artikel über den Facebook Share-Button geteilt hat, wie der Kölner Medienrechtsanwalt Christian Solmecke mitteilt.

In dem geteilten Artikel ging es um den Dortmund-Star Marco Reus und dessen Fahrt mit einem gefälschten Führerschein. Der Fotograf hatte den Fußballspieler fotografiert, als dieser aus dem Auto ausstieg. In der Abmahnung fordert er nun satte 1100 Euro von der Betreiberin der Facebook-Seite. Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen: Die Abmahnkosten wurden mit 887 Euro festgelegt, 200 Euro betragen die Lizenkosten des Fotos, erklärt Solmecke.

"Aus meiner Sicht sind die geforderten Beträge hier viel zu hoch angesetzt", meint Solmecke. "Der Schadensersatz ist mit 200 Euro zu hoch bemessen. Einige Urteile besagen, dass 20-50 Euro hier im privaten Bereich ausreichend sein sollen." Angemessen wäre seiner Meinung nach ein Drittel der Abmahnsumme.

Dennoch hat der Fall eine enorme Tragweite: "Diese Abmahnung ist für den Nutzer besonders überraschend", erklärt Solmecke. "Beim Teilen eines Beitrags über den Share-Button wird immer automatisch ein verkleinertes Vorschaubild gezeigt, auf das der Nutzer keinen Einfluss hat. Er kann weder verhindern, dass das Bild gezeigt wird, noch kann er die Größe des Bildes so variieren, dass eventuell noch der Name des Urhebers sichtbar wird." Dies sei der entscheidende Unterschied zum Teilen eines Links bei Facebooks, bei dem das Vorschaubild entfernt oder bearbeitet werden kann.

"Die Medien sind in der Pflicht"

Doch wer ist nun verantwortlich - Facebook, die Medien oder derjenige, der das Bild weiterverbreitet? Für Solmecke ist der Fall klar: "Hier sind die Blogbetreiber und Online-Medien in der Pflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass alle Bilder, die sie auf ihrer Webseite posten, auch über die sozialen Netzwerke geteilt werden dürfen - notfalls auch ohne Nennung des Autors", erklärt er im Gespräch mit dem stern. Solange die "Teilen"-Funktion angeboten wird, vergibt der Seitenbetreiber eine Lizenz an den geteilten Inhalten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, müsste jeder Nutzer vor einem Facebook-Share die Rechtefrage klären. Im Alltag sei das wiederum ein "Ding der Unmöglichkeit", gibt Solmecke zu. Vermutlich dürfte es deshalb nicht die letzte Abmahnung dieser Art gewesen sein.

Hinweis: In der ersten Version des Artikels hieß es, das Urteil könnte eine enorme Tragweite haben. Es gibt kein Urteil, sondern der Fall besitzt eine große Tragweite."

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