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Die Milliarden-Dollar-Idee

27 Jahre und schon Millionär. Für die Instagram-Gründer ist dieser Traum wahr geworden. Sie machten aus der Foto-App Instagram ein Milliarden-Dollar-Projekt. Ein modernes Märchen im Silicon Valley.

Von Christoph Fröhlich

  Neu-Multimillionäre unter sich: Kevin Systrom (r.) Mike und Krieger verkaufen ihre Firma an Facebook

Neu-Multimillionäre unter sich: Kevin Systrom (r.) Mike und Krieger verkaufen ihre Firma an Facebook

Als sich Kevin Systrom, 27, am 6. Oktober 2010 in Apples App-Store einloggt, ahnt er noch nicht, dass er zwei Jahre später zum hundertfachen Millionär wird. In dieser Nacht wird die App Instagram veröffentlicht, die er gemeinsam mit seinem Studienkollegen Mike Krieger, 25, wenige Monate zuvor entwickelt hat. Die Idee ist simpel: Mit dem Smartphone Fotos machen, diese mit Filtern bearbeiten und das Bild in verschiedenen Netzwerken veröffentlichen. Einfach und doch genial. So genial, dass Facebook das Unternehmen jetzt für eine Milliarde Dollar gekauft hat. Es ist die bisher größte Investition des blauen Netzriesen.

"Als wir Kinder waren, liebten wir es, mit Kameras herumzuspielen", schreiben die beiden Gründer auf der Instagram-Website. Die beiden Stanford-Absolventen waren besonders von den Sofortbild-Kameras jener Zeit angetan und bemerkten, dass Menschen diese Momentaufnahmen gerne mit anderen teilten. Das Gefühl von damals wieder in die Gegenwart zu transportieren, war das Ziel der beiden Jungunternehmer. "Warum also nicht beide Dinge kombinieren?" Die Idee für Instagram war geboren.

"Verzählen wir uns?"

Nur wenige Stunden nach dem Start verzeichnete die App bereits Zehntausende Nutzer. "Am Ende des Tages war das Wachstum so groß, dass ich dachte 'Verzählen wir uns?'", sagte Systrom der Website des Business-Magazins "Inc.". Sie haben sich nicht verzählt. Innerhalb von einer Woche knackten sie die Rekordmarke von 100.000 Nutzern.

Instagram entwickelte sich schnell zur beliebtesten Foto-App auf Apple-Geräten, mittlerweile gibt es rund 30 Millionen Nutzer, die mehr als 150 Millionen Fotos geteilt haben. Dass in den ersten Wochen die Server unter der Last der Anfragen nicht zusammenbrachen, verdankte das Stanford-Duo einflussreichen Freunden aus der Techbranche, unter anderem Adam D'Angelo. Er war der erste Technische Leiter von Facebook und gründete den digitalen Auskunftsdienst Quora. D'Angelo ist einer der ersten Investoren von Instagram und dürfte bei dem Facebook-Deal ebenfalls kräftig mitverdienen.

Aufstieg einer Tech-Generation

Der Aufstieg von Instagram ist wie aus dem Bilderbuch: In Zeiten der Wirtschaftskrise schafft eine junge Firma mit gerade einmal 13 Angestellten den Milliarden-Dollar-Coup. Und das nach nur anderthalb Jahren. Verantwortlich für diesen Erfolg ist vor allem der Gründer Kevin Systrom.

Er macht seinen Abschluss im Jahr 2006 an der renommierten Universität Stanford in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Ingenieurswissenschaften. Als Praktikant sammelt er Erfahrungen bei Odeo, jener Firma, die später den Kurznachrichtendienst Twitter entwickelt. Zwei Jahre verbringt Systrom anschließend bei Google, wo er unter anderem den Maildienst Gmail und den Google-Reader weiterentwickelt.

Doch sein wahres Herzensprojekt verfolgt er in seiner Freizeit. An den Wochenenden werkelt er an einer App namens Burbn, die ortsbezogene Fotos und Mitteilungen teilt. Später wird daraus Instagram. Dabei lernt Systrom auch seinen zukünftigen Partner Mike Krieger kennen, einen besonders aktiven Burbn-Nutzer der ersten Stunde und wie Systrom Stanford-Absolvent.

Lohnenswerte Investition für Facebook

Das Risiko der beiden Mittzwanziger hat sich gelohnt, für Systrom sogar mehr als für seinen Partner: Laut dem Techmagazin "Wired" gehören Systrom 40 Prozent des Unternehmens, das bedeutet einen Anteil von 400 Millionen Dollar. Mitgründer Krieger besitzt dagegen nur zehn Prozent der Firma, er muss sich mit einem Viertel begnügen. Jeder der 13 Angestellten erhält einen Teil der Rekordeinnahmen, je nachdem wie lange er schon bei Instagram tätig ist.

Dass Facebook für das junge Unternehmen eine Milliarde Dollar bezahlt hat, überrascht nicht. Schon lange galt das Unternehmen als eines der aufstrebendsten IT-Startups. Doch trotz der großen Nutzerbasis mit mehr als 30 Millionen Mitgliedern fehlte Instagram bisher eine Einnahmequelle. Facebook könnte das ändern. Mit 845 Millionen Nutzern und einem riesigen Werbemarkt bietet das Netzwerk die Plattform, den Fotodienst gewinnbringend zu integrieren.

Doch erstmal wird sich für die Nutzer der Foto-App nichts ändern, versichern sowohl Facebook als auch Instagram. Nach wie vor können die Fotos auch in Twitter und Co. geteilt werden, ein Facebook-Konto wird nicht zwingend notwendig.

Für Mark Zuckerberg hat sich der Kauf jetzt schon gelohnt: Bilderdienste sind derzeit angesagt wie noch nie, eines der strahlendsten Beispiele ist Pinterest. Mit Instagram wurde ein möglicher Konkurrent frühzeitig einverleibt, der in diesem Sektor unaufhörlich wächst. So meldeten sich zum Start der Android-App vergangene Woche rund 2000 neue Mitglieder für Instagram an - pro Minute. Wird der Markt weiter wachsen, wäre Facebook auch hier prominent vertreten. Der Kauf ist sozusagen eine Wette auf die Zukunft.

Eine weitere Möglichkeit, das Know-How von Instagram zu nutzen, wäre die Integration der beliebten Fotofilter für das soziale Netzwerk. Ob der Dienst wirklich dauerhaften Erfolg haben wird oder es nur eine kurzweilige Mode ist, wird sich zeigen. Spätestens dann, wenn die eigene Pinnwand von Urlaubs-, Hochzeits- oder Babybildern in Sepia oder im Look einer 1977er-Aufnahme geflutet wird. Dann könnte aus dem hippen Foto-Filter ein großer Nervfaktor werden.

Christoph Fröhlich

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