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Wir sind mit jedem Menschen auf der Welt jederzeit verbunden – und doch einsam

Kommentieren, liken, tweeten oder snappen: Durch die sozialen Netzwerke sind wir jederzeit mit unseren Freunden und Bekannten verbunden. Wir sind quasi nie allein. Doch Wissenschaftler der University of Pittsburgh behaupten jetzt genau das Gegenteil. 

Ein Mädchen liegt mit Handy auf dem Bett

Total vernetzt, aber doch allein: Machen soziale Medien einsam oder wenden sich einsame Menschen sozialen Medien zu? Diese Frage konnten US--Forscher noch nicht eindeutig beantworten.

Die sozialen Netzwerke haben unser Leben verändert. Wo früher noch das Mittagessen in der Kantine das Mittagessen mit Kollegen war, wird heute die Mahlzeit nur noch schnell fotografiert, mit fünf bis zehn Filtern bearbeitet und auf Snapchat oder Instagram mit den Freunden geteilt.

Wir können unsere Meinungen zu einem bestimmten Thema einfach in eine Tastatur eintippen, bei Twitter oder Facebook veröffentlichen und werden mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eine Reaktion darauf bekommen. Um es mit anderen Worten zu sagen: Wir sind mit jedem Menschen auf der Welt jederzeit verbunden. Und trotzdem belegt eine Studie der University of Pittsburgh jetzt: Je mehr Zeit wir bei Facebook und Co. verbringen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns einsam fühlen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Universität hervor.

Zu viel Facebook und Co. erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich einsam zu fühlen

Seit 2014 haben die Wissenschaftler dort knapp 1900 Erwachsene zwischen 19 und 32 Jahren gefragt, wie oft und wie lange sie in den sozialen Medien unterwegs sind. Schon bei mehr als zwei Stunden pro Tag in den sozialen Netzwerken ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so groß, sich einsam zu fühlen.

Den Grund sehen die Forscher darin, dass unser Neidgefühl durch mehr Zeit in Netzwerken wie Facebook gesteigert wird. Das typische Urlaubsbild eines Freundes oder einer Freundin gibt uns das Gefühl, dass unser eigenes Leben im Vergleich langweilig und enttäuschend ist. Leiter der Studie, Professor Brian Primack, sagt dazu: "Das moderne Leben neigt dazu, dass wir uns schlecht fühlen, statt dass es uns zusammenführt." Er geht sogar so weit zu behaupten, dass die Studie belege, dass Facebook und Co. uns eben nicht miteinander verbinden.

Sind die sozialen Netzwerke wirklich Schuld am vermehrten Gefühl von Einsamkeit?

Bei der entscheidenden Frage, was zuerst da war, das vermehrte Gefühl von Einsamkeit oder die Social-Media-Nutzung, sind sich die Wissenschaftler allerdings nicht sicher.

Laut Co-Autor Elizabeth Miller gibt dazu zwei Theorien: "Entweder könnte es so sein, dass sich junge Erwachsene, die sich zunächst ausgegrenzt fühlten, den sozialen Medien zugewandt haben, oder dass ihre verstärkte Nutzung von Social Media irgendwie dazu führt, dass sie sich von der realen Welt isoliert fühlen."

Am Ende sollten Sie sich, wenn Sie sich einsam fühlen, vielleicht selbst die Frage stellen, ob Sie zu viel Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen?

rpw
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