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15. Januar 2009, 14:51 Uhr

Der Kinderporno-Filter kommt

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen setzt ihren Willen durch: "Noch in dieser Legislaturperiode" werde der von ihr geforderte Filter für kinderpornografische Inhalte umgesetzt. Die deutschen Internetanbieter müssen dann bestimmte Websites blockieren - welche, das entscheidet das BKA.

Familienministerin von der Leyen will Kinderpornografie im Netz einschränken© Fredrik von Erichsen/DPA

Im Kampf gegen die Kinderpornografie im Internet will Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit einem Filter den Zugang zu entsprechenden Seiten sperren lassen. Dazu erwartet die Ministerin bis Anfang März eine "verbindliche Abmachung" mit allen sieben großen deutschen Internet-Anbietern, die 95 Prozent des Marktes abdecken. Zugleich werde zusammen mit dem Innen- und Wirtschaftsressort eine rechtliche Klarstellung im Telemediengesetz vorbereitet, kündigt von der Leyen in Berlin an.

Für die Sperrung der Seiten soll Technologie aus Norwegen genutzt werden, die dort bereits seit 2004 erfolgreich eingesetzt werde, sagte von der Leyen. Dazu soll das Bundeskriminalamt künftig regelmäßig die Kinderporno-Angebote im Internet aufspüren und täglich aktuelle Listen mit den zu sperrenden Seiten den Anbietern melden. Nach dem norwegischen Modell wird inzwischen auch in Schweden, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Schweiz, Italien, Großbritannien und Neuseeland gearbeitet. Die Behörden tauschen untereinander die Internetadressen aus.

Kinderporno-Markt "empfindlich stören"

Mit der Sperrung der Seiten soll nach den Worten von der Leyens der weltweite Kinderporno-Markt mit seinen Millionen-Umsätzen "empfindlich gestört werden". Die Zahl der Kinderporno-Angebote im Internet habe sich in den vergangen Jahren verdoppelt. "Die Opfer werden immer jünger, die Taten immer brutaler", sagte die Ministerin. Der Experte der norwegischen Polizei, Björn-Erik Ludvigsen, berichtete von Kinder-Vergewaltigungen vor laufenden Kameras sowohl in professionellen Studios als auch im privaten Umfeld - durch die eigenen Eltern oder durch Verwandte.

Hat die Polizei ein Kinderporno-Angebot im Internet identifiziert, wird es nach dem norwegischen Modell den Anbietern zur Blockade gemeldet. Klickt der Nutzer dann eine entsprechende Seite an, erscheint auf seinem Bildschirm automatisch ein rotes Stopp-Schild. Ludvigsen: "Wir erheben nicht den Zeigefinger, sondern machen nur darauf aufmerksam, dass hier der Zugang zu einer Seite mit verbotener Kinderpornografie gesucht wird." Oft gebe es auch "irrtümliche Einwahlversuche". Zwischen 15.000 und 18.000 mal am Tag erscheine heute auf norwegischen PC-Bildschirmen diese Stopp-Seite. Die Nutzer würden nur gezählt, nicht namentlich erfasst.

Weniger Nachfrage, weniger Produktion?

Von der Leyen sagte, hochgerechnet für die Bundesrepublik würde dies die verhinderte Nutzung von über 300.000 Kinderporno-Seiten am Tag bedeuten. Bis zu 80 Euro monatlich zahle ein Nutzer in Europa für den Zugang zu einer Kinderporno-Seite, berichtete die Ministerin unter Hinweis auf eine britische Studie. Wenn aber die Nachfrage sinke, werde auch weniger produziert, berichtete Ludvigsen über die bisherigen Erfahrungen in Skandinavien. Von der Leyen: "Wir wollen vor allem die Opfer schützen." Die Initiative ziele nicht auf den Nutzer. Sie richte sich vor allem gegen die Betreiber solcher Seiten.

Kinderpornografie sei in Deutschland eindeutig verboten. Selbst "aktives Suchen" danach sei strafbar, sagte von der Leyen. Die Ministerin wies zugleich Einwände zurück, ein solches Filtersystem könne auch zur Zensur anderer Themen und Inhalte im Internet eingesetzt werden. Anders als etwa bei Gewaltdarstellungen sei Kinderpornografie "klar abgrenzbar". Die Ministerin: "Das Aufspüren der Seiten ist Sache des Bundeskriminalamtes". Dafür übernehme der Staat die Verantwortung. Die Sperrung müsse dann durch die Internet- Anbieter erfolgen. Nach anfänglicher Skepsis hätten sich jetzt alle Anbieter zur Zusammenarbeit entschieden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
Caroline-NL (17.01.2009, 19:50 Uhr)
Besitz von KP ist bereits seit 93 verboten
@laui: "Wie jeder halbwegs Normale hätte auch ich nichts gegen ein absolutes Verbot von KiPo."
Alleine der Besitz von KP ist seit 1993 in D verboten. ( Seit 98 in den NL ). Vor 2 1/2 Monaten ist allerdings die Definition in D extrem ausgeweitet worden. Während vorher nur pornographische Aufnahmen mit unter 14-jährigen KP waren, sind es jetzt bereits aufreizende Nacktaufnahmen unter 18-jähriger (!).
( Straftatbestand dann zwar "Jugendpornographie", aber auch hierauf stehen bis zu 3 Jahre Haft )
Alleine diese Orwellsche Umdefinition wird 2009 zu einer "Explosion" der Straftaten führen. Theoretisch könnte man mit diesem Gummiparagraphen auch alte STERN, SPIEGEL, BRAVO, NEUE REVUE, PRALINE und PLAYBOY Hefte beschlagnahmen.
Caroline-NL (17.01.2009, 19:42 Uhr)
Filtert alles möglich, kaum Kinderpornos
Wie "effektiv" dieser Filter ist, kann jeder auf unserer Webseite http://schutzalter.twoday.net selbst nachlesen.
Alles mögliche wird blockiert, nur in den seltensten Fällen KP. Ja selbst völlig normale Firmen tauchen dort auf, z.B. ein Produzent von Gabelstaplern, ein Logistikunternehmen, usw. !
Schon jetzt wird gefordert, auch Seiten mit illegalen Glücksspielen im "KP Blocker" aufzunehmen. Als nächstes werden dann rechtsextreme Seiten aufgenommen, irgendwann regierungskritische Seiten. Würde mich nicht wundern, wenn unsere kritische Informationsseite irgendwann selbst im "KP Blocker" landet.
Corazito3333 (16.01.2009, 20:48 Uhr)
eine neue Farce
die haben doch keine Ahnung und es wird natürlich nicht funktionieren und unsere Pädis fliegen halt dann in die Hungerländer, denn da werden sie nicht strafrechtlich verfolgt!!! Spaß muß sein!!!
botoxia (16.01.2009, 11:35 Uhr)
Die Initiative zielt nicht auf den Nutzer
Nur die Opfer sollen geschützt werden? Dieser Schutz sollte vorher stattfinden, sodass gar nicht erst Opfer zu beklagen sind. Ich weiß, Wunschdenken. Gerade deshalb sollte auch der Nutzer seine empfindliche Strafe - am besten öffentlich outen, die gesellschaftliche Ächtung fände ich angemessener als eine anonyme Geldstrafe - bekommen. Und zur Zensur - es wird alles zensiert, falls das noch niemandem aufgefallen sein sollte. Auch hier, wer böseböse Worte schreibt, wird vom Admin gelöscht. Bei Facebook werden stillende Mütter gelöscht, und in Dland wird jetzt auch die Kinderpornografie zensiert.
Necros (16.01.2009, 09:20 Uhr)
Naja...
...immerhin wollen sie etwas gegen Kinderpornographie machen. Dass nun jeder Pädo mit einem IQ über 20 einen ausländischen Proxy nutzen wird, ist leider ebenso beschlossene Sache...
traldors (16.01.2009, 08:10 Uhr)
Das ist doch toll (...)
das der Fschismus und Methoden der Geheimpolizei noch nicht völlig aus der Mode sind. Da werden wieder Daten gesammelt, toll, toll und eines Tages klingelt es an der Tür und man findet sich zwecks Selektion wieder an der Rampe an irgendeinem Bahnhof.
Damals waren es auch "verfügbare" Daten die den Holocaust erst ermöglicht haben.
Liebe Frau Ministerin, sie erweisen der Demokratie einen Bärendienst und nebenbei, Ihre Methoden sind geradezu lächerlich. Sie treffen damit die Grundpfeiler der Demokratie und verhindern nichts.
laui (16.01.2009, 01:17 Uhr)
Wie jeder halbwegs Normale ...
Wie jeder halbwegs Normale hätte auch ich nichts gegen ein absolutes Verbot von KiPo. Wobei die Zielgruppe sicherlich Möglichkeiten zur Umgehung finden wird.
Ich fürchte mich viel mehr vor der Sperrung weiterer Webseite. Was wird als nächstes gesperrt? Beschreibung der Herstellung von Schiesspulver (haben wir früher im Chemieuntericht bereits gelernt), oder Seiten von Globalisierungsgegnern? Kritische Kommentare über unseren Innenminister oder unsere Frau Bundeskanzler?
Mit der Aufhebung des Bankgeheimnisses begann es...
Und was haben wir heute?
Maxi456 (15.01.2009, 23:48 Uhr)
@master_of_chaos
GENAU DAS frag ich mich auch: Wer Kipo nicht von Webseiten erhält ist ja nicht betroffen und wenn es eine Webseite gibt dann gibt es einen Server und der Server steht irgendwo, da zahlt also jemand Strom, Breitband und den PC...
Aber warum beim Kollegen in Russland anrufen und den Betreiber festnehmen lassen wenn man Deutschland zu einem Überwachungsstaat umbauen kann?
ha-kg (15.01.2009, 23:22 Uhr)
wer schützt uns vor unseren Politikern
bei diesem Thema, kann ich so einen Filter schon akzeptieren. Aber wann kommt der Filter, der uns vor unseren Politikern schützt und das nicht nur im Internet
Greeper (15.01.2009, 23:11 Uhr)
@chatahootchee
Genau, wir haben alle Angst, daß die Ursula uns unsere tollen Kinderpornos wegnimmt.
Staatliche Zensur und populistsche Politik mit unnützen Massnahmen, die nur die Tür zur staatlichen Überwachen öffnen stören uns alle eigentlich garnicht. Es ist genau wie sie vermuten: Wir sind alles Pervese, die sich den ganzen Tag Kinderpornos runterladen und dann noch bei Stern ein paar Artikel lesen.
Ihre geistig Kapazität hätte ich gerne, dann müßte ich mir nicht annähern so viele Sorgen und Gedanken machen, das wär schön. Simpel, aber schön...
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