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Der Fuchs rennt

Die neue Version 3 des beliebten Internetbrowsers Firefox erfindet nicht das Surfen im Web neu, hinterlässt aber mit zahlreichen klugen Detailverbesserungen einen guten ersten Eindruck. Besonders bei der Lesezeichenverwaltung und dem Thema Sicherheit gibt es viel Neues.

Von Ralf Sander

Selbstbewusst ist die Mozilla Foundation. Wenn am Dienstag ab 19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit die neueste Version des beliebten Internetbrowsers Firefox veröffentlicht wird, soll gleich ein Weltrekord dabei herauskommen. Die Mozilla-Stiftung, das organisatorische Rückgrat der weltweiten Programmierercommunity, die Firefox entwickelt hat, will ins "Guiness Buch der Rekorde" in der Kategorie "Meiste Downloads innerhalb von 24 Stunden". Und in der Tat lohnt sich der Download des jüngsten Feuerfuchses: Große Innovationen fehlen, doch der Browser überzeugt mit vielen Detailverbesserungen. Ob der Download allerdings gleich am ersten Tag sein muss? Es gibt Gründe, die dagegen sprechen. Doch dazu später mehr.

Eine fast fertige Version des Firefox 3 ließ sich bereits seit ein paar Wochen herunterladen und ausprobieren. Dieser so genannte Release Candidate 2 (RC2) lässt verlässliche Schlüsse auf das Endprodukt zu, die Änderungen zur finalen Veröffentlichungsversion sind erfahrungsgemäß nur noch gering. Folgende Eindrücke beziehen sich also auf den RC2. (Es existiert auch noch ein RC3, der aber nur für Mac-User Änderungen brachte.)

Angeblich wurden mehr als 14.000 Änderungen gegenüber der Vorgängerversion vorgenommen, die meisten unter der Motorhaube, die wenigsten nimmt der Nutzer wahr. Eine Neuerung fällt sofort ins Auge. Der Feuerfuchs rennt schneller als bisher. Sowohl einzelne als auch mehrere Websites gleichzeitig in verschiedenen Tabs baut der Browser spürbar schneller auf. Geschwindigkeitsmessungen von Fachmagazinen und -Websites wie Chip.de ergeben einen Tempozuwachs um das Vierfache.

Bessere Lesezeichenverwaltung

Verschiedene Detailverbesserungen wurden der Lesezeichen-Verwaltung spendiert. Nun ist es möglich, einzelnen Adressen ein oder mehrere Schlagworte zuzuweisen, zum Beispiel "Film". Tippt man nun "Film" in die Adresszeile ein, werden direkt darunter alle gespeicherten Adressen angezeigt, die mit diesem Etikett versehen wurden. Und auch bei der Eingabe von kompletten URLs schlägt Firefox aus den Lesezeichen oder der Verlaufsliste Adressen vor, die Sinn ergeben könnten. Das Lesezeichen-Menü wurde außerdem um zwei automatisch erstellte Ordner erweitert. Der eine sammelt die zuletzt eingebenen Adressen, der andere die vergebenen Schlagworte. Auch das Anlegen von Lesezeichen ist komfortabler. Rechts in der Adresszeile befindet sich ein gelber Stern, der nach einem Mausklick ein kleines Dialogfenster öffnet. Dort kann man direkt Speicherort und Schlagworte des Lesezeichens bestimmen und die URL dann einfach abspeichern.

Mehr Sicherheit

Firefox wurde zudem noch sicherer gemacht: Mit einem deutlich sichtbaren Hinweis in der Adresszeile zeigt Firefox, ob der Browser eine Website auf ihre Echtheit überprüfen konnte. Ein solches Zertifikat haben alle seriösen Onlinebanking und Shopangebote. Ist die Prüfung erfolgreich, gibt es grünes Licht. Im Wortsinne. Ein Infobutton ändert nicht nur die Farbe, auf Mausklick zeigt er auch Informationen über den Anbieter an. Außerdem gleicht Firefox eingegebene Adressen mit einer Liste bekannter schädlicher Websites ab, seien es Virenschleudern oder Phishingseiten. Ruft man eine solche auf, schlägt der Browser Alarm und verweigert zunächst den Zugang.

Weitere nützliche Änderungen

  • Der Download-Manager kann nun auch abgebrochene Downloads nach einem Absturz wieder aufnehmen.
  • Der Passwortmanager speichert die Zugangsdaten von Websites erst nach erfolgreichem Login. So wird verhindert, dass fehlerhafte Passwörter gespeichert weden.
  • Die Zoomfunktion umfasst jetzt nicht mehr nur den Text einer Seite, sondern vergrößert auch Grafiken und Fotos.
  • Wer möchte, kann beim Schließen des Browsers die geöffneten Tabs abspeichern und genau an dieser Stelle nach einem Neustart mit allen offenen Seiten weitersurfen.
  • (Weitere Änderungen finden Sie in der Bilderstrecke "Wichtige Neuheiten im Firefox 3")

Skins, Add-ons und Plug-ins

Ein Grund für den Erfolg des Firefox-Browsers ist seine Offenheit für Erweiterungen. Seien es optische Änderungen in Form so genannter Skins oder nachträglich hinzugefügte Erweiterungen (Add-ons) - die Fantasie der Entwickler kennt kaum Grenzen. Firefox 3 wird genauso flexibel sein wie die Vorgänger, nur erfahrungsgemäß nicht sofort. Add-ons und Skins, die bei Version 2 funktioniert haben, spielen nicht automatisch mit Version 3 zusammen. Das liegt unter anderem daran, dass die Sicherheitsbedingungen für Add-ons noch einmal verschärft wurden. Firefox 3 sperrt Erweiterungen, deren Sicherheitszertifikate nicht für die neue Version angepasst wurden. Das betrifft zum Veröffentlichungsdatum erfahrungsgemäß die meisten Erweiterungen. Wer also am Dienstag sofort das Programm herunterlädt und installiert, muss damit rechnen, dass viele seiner lieb gewonnen Firefox-Erweiterungen nicht funktionieren. Ein paar Tage später wird die Situation ganz anders aussehen. Nur kann man dann nicht mehr Teil des Weltrekordversuchs sein.

Update, 17. Juni, 10.20 Uhr

Die Mozilla Foundation hat gerade bekanntgegeben, dass Firefox 3 am Dienstag ab 19 Uhr MESZ zum Download bereitstehen wird.

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: 8 unverzichtbare Privatsphären-Add-Ons für Firefox

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