Ein "Yeah!" für die Kanzlerin

24. September 2009, 10:49 Uhr

Flashmobs mischen den Wahlkampf auf, Angela Merkel wurde schon mehrfach von ihnen heimgesucht. Protestforscher halten die Wirkung der kurzfristig verabredeten Aktionen für gering - doch die zugehörigen Videos werden hunderttausendfach im Netz abgerufen.

Flashmob, Wahlkampf, Bundeskanzlerin, Angela Merkel, Twitter

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hamburg wurde die Rede der Bundeskanzlerin unablässig von lauten "Yeah"-Rufen unterbrochen©

Bundeskanzlerin Angela Merkel brauchte bei ihrem Wahlkampfauftritt in Hamburg starke Nerven: "Meine Damen und Herren", setzte die CDU-Chefin an, nur um von einem lautstarken "Yeah" aus dem Publikum unterbrochen zu werden. Und so ging es weiter. Egal, welches Thema sie anschnitt, das Publikum kommentierte "Yeah" und zwar so oft und so laut, dass von der Merkel-Rede letztlich nur noch ein paar Wortfetzen übrig blieben. Ausgeheckt wurde die Aktion im Internet. Während die Spontis der 70er und 80er Jahre noch Telefonketten in Gang setzen und Flyer drucken mussten, genügt heute ein Eintrag auf "Twitter" oder ein Mausklick, um Zehntausende über eine Aktion oder Demonstration zu informieren.

Für Außenstehende tauchen sie anscheinend aus dem Nichts auf. Da werden Plakate geschwenkt oder Politikerreden mit Dauerapplaus bedacht. So laufen Flashmob-Aktionen ab, die in jüngster Zeit wiederholt den Bundestagswahlkampf aufgemischt haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde gleich mehrfach von derartigen Flashmobs heimgesucht, erst am Mittwoch wieder bei einer Rede in Wuppertal. Vor allem junge Leute haben Spaß daran, sich über das Internet oder Mobiltelefon zu solchen Blitzaktionen zu verabreden. Doch haben die spontanen Aktionen eine Wirkung auf den Wahlkampf? Protestforscher sind da skeptisch.

Der Verein "Campact", der unter anderem für den Atomausstieg kämpft, hat beispielsweise 140.000 Sympathisanten im Verteiler. Allerdings wollen die Anhänger anders als die "Yeah"-Rufer eine konkrete politische Botschaft an den Mann bringen. Wie kürzlich in Mainz, als rund 150 Aktivisten sich unter die Zuhörer einer Merkel-Wahlkampfveranstaltung mischten. "Schwarz-Gelb" prangte da ganz harmlos auf den Transparenten. Doch dann schlugen die Demonstranten Merkel ein Schnippchen - entfalteten zuvor verdeckte Schriftzüge: "Atomtod" und "Atomprofite".

"Die Hemmschwelle, sich zu engagieren, wird niedriger"

Doch nicht immer handelt es sich bei Flashmobs, die vor einigen Jahren aus den USA nach Europa gekommen sind, um Störaktionen. Beim "Radioballett" zum Beispiel verabredeten sich vor einiger Zeit Aktivisten im Hamburger Bahnhof über einen Radiosender. Sie formten stumm eine offene Hand wie ein Bettler - um gegen ein Bettelverbot zu demonstrieren.

"Campact"-Sprecher Christoph Bautz ist ganz begeistert von solchen Aktionen, bei denen wildfremde Menschen für eine kurze Zeit für ein gemeinsames Ziel kämpfen. "Auch wer viel um die Ohren hat, Familie hat oder tief im Job steckt, kann sich hier einsetzen", sagt er. Die Hemmschwelle, sich zu engagieren, sei niedriger als in Parteien, wo man sich durch lange Sitzungen quälen müsse.

Rund 220.000 Abrufe bei Youtube

Der Protestforscher Dieter Rucht hält den Einfluss von Flashmobs auf die Politik allerdings für gering. "Bislang gibt es nur relativ wenige solcher Aktionen", sagt er. Zwar sei es möglich, binnen kürzester Zeit viele Menschen über eine Aktion zu informieren. Doch die Zahl solcher Aufrufe im Internet nehme stetig zu, so dass längst nicht mehr jeder Appell auch wirklich gelesen werde.

Der Forscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) glaubt auch nicht, dass das Internet mehr Menschen Lust auf politisches Engagement macht. Schließlich sei die Zahl der Protestierenden in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, sagt Rucht. "Die Leute, die angesprochen werden, sind ohnehin politisch interessiert oder engagiert." Das Video des Hamburger Merkel-Auftritts allerdings erfreut sich großen Interesses. Rund 220.000 Mal wurde es auf "Youtube" schon angeklickt.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Angela Merkel Campact Mainz Wahlkampf Wuppertal
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 104849: ist es möglich mit 58 Jahren (weibl.) angestellt zu werden?

 

  von hacalu: Bin zur Zeit arbeitslos, bekomme 21 Tage urlaub. Warum wird Samstag und Sonntag als Urlaubstag mit...

 

  von Gast 104798: Lohn für Wiedereinsteiger als Elektriker. Wie hoch ist der Stundenlohn?

 

  von moonlady123456: Flash-Player deinstallieren wegen Sicherheitslücke...?

 

  von Gast 104778: Sim -Karten Wechsel

 

  von Gast 104762: Ich habe bereits einen Minijob, kann man einen zweiten über seinen Ehepartner anmelden ?

 

  von Gast 104747: Wo werden Wrangler Jeans hergestellt

 

  von Gast 104735: Hausbau, steuerliche Vorteile oder auch Nachteile

 

  von Labia: Krankheitsbild

 

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...