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12. Mai 2009, 18:09 Uhr

Wer dreimal erwischt wird, fliegt raus

Die französische Nationalversammlung hat ein umstrittenes Gesetz gegen den illegalen Download von Musik und Filmen im Internet gebilligt. Es sieht Internetsperren von bis zu einem Jahr vor, wenn User hartnäckig gegen das Urheberrecht verstoßen. Kritiker halten das Gesetz für gefährlich.

Frankreich, Sarkozy, Three-Strikes-Out,

Nicolas Sarkozy unterstützt das neue Gesetz© Claude Paris/AP

Frankreich führt gegen Bedenken des EU-Parlaments Internetsperren für hartnäckige Raubkopierer ein: Die Nationalversammlung in Paris billigte ein von der Opposition hart bekämpftes Gesetz, das die Einführung einer neuen Behörde zur Verfolgung von Internetpiraten vorsieht. 296 Abgeordnete stimmten für, 233 gegen die Initiative, mit der Staatspräsident Nicolas Sarkozy sein Land zum Vorreiter im Kampf gegen das illegale Downloaden von Musik und Filmen machen will.

Vor Inkrafttreten des Gesetzes muss am Mittwoch noch der Senat zustimmen, was wegen der deutlichen Mehrheit von Sarkozys konservativer Partei UMP aber als Formsache gilt. In einer ersten Abstimmung vor einem Monat war der Text überraschend durchgefallen, weil der Großteil der UMP-Abgeordneten schon im Parlamentsurlaub war.

Die oppositionellen Sozialisten, Verbraucherschützer und das EU-Parlament sehen in dem Gesetz "zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet" einen Angriff auf die Bürgerfreiheit. Die Musikindustrie erhofft sich dagegen einen wirksamen Schutz vor der Verletzung der Urheberrechte.

Mit dem Gesetz wird Frankreich zum ersten Land, das eine eigene Behörde ("Hadopi" für Haute Autorité pour la Diffusion des Oeuvres et la Protection des Droits sur Internet) einführt. Sie soll Hinweisen der Industrie auf illegale Downloads nachgehen. Erhärten sich die Verdächtigungen gegenüber Internetpiraten, warnt die Behörde die Betroffenen zunächst mit zwei E-Mails, dann per Einschreiben. Wer dann weiter illegal Musik oder Filme herunterlädt, verliert den Zugang zum Internet für zwei Monate bis zu einem Jahr.

Sozialisten halten Netzsperre für gefährlich

Im Vermittlungsausschuss war das Gesetz noch verschärft worden: Nun müssen die Internetpiraten während der Zeit ihrer Netzsperre ihr Abonnement weiter bezahlen. Die Provider werden mit in die Verantwortung genommen: Sie müssen sicherstellen, dass der User bei keinem anderen Internetanbieter einen Zugang erhält. Viele Sozialisten, aber auch einige Abgeordnete der Partei UMP von Staatspräsident Nicolas Sarkozy halten die Initiative für gefährlich. Nach ihrer Ansicht darf in der modernen Kommunikationsgesellschaft niemand vom Netz ausgesperrt werden.

Umstritten ist zudem, dass private Fahnder der Industrie Zugang zu den individuellen Nutzerdaten der Verdächtigen erhalten sollen. Das EU-Parlament forderte vergangene Woche das Verbot derartiger Maßnahmen. Internetsperren dürften nicht ohne einen Gerichtsbeschluss verhängt werden. Paris will sich aber über die Bedenken hinwegsetzen. Kulturministerin Christine Albanel verteidigte den Gesetzentwurf. Es gehe nicht um die Einschränkung der Freiheit, sondern um die erzieherische Wirkung. Nur Raubkopierer mit "extremer Ausdauer" riskierten eine befristete Internetsperre.

Tobias Schmidt/AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Katastrophenjunkie (13.05.2009, 23:09 Uhr)
nicht lange vom Tage des Inkrafttreten dieses Gestzes...
werden wir uns hier bei Stern.de köstlich amüsieren über den ersten französischen Politiker der - versehentlich natürlich;-) - eine I-Net-Sperre übergebraten bekommen hat...
confused (13.05.2009, 13:00 Uhr)
Danke Hr. Nachbar
das sie in Ihrem Kleinbetrieb ihr W-Lan so schlecht geschützt haben, bedingt dessen kann ich meinen Download mit Ruhe weiter laufen lassen *g*. Das dann demnächst Ihr Telefon welches sie beruflich nutzen für ihren Betrieb gesperrt ist und ihr Internetzugang den sie fürs Geschäft brauchen, dafür kann ja ich nichts, ich nutze ja bloss ihr w-lan. *g*
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@bR4iNST0RM - gleich ? und gleicher ? wie gibt es das noch auf diesem Planeten ? ziehe ich sofort um
gmathol (13.05.2009, 00:58 Uhr)
Laesst sich doch sehr leicht umgehen!
Wer sagt denn das man die oertlichen franzoesischen Telekoms oder Kabelgesellschaften nutzt?
Den "illegalen" Download kann man dann ueber eine Satellitenschuessel abholen.
Nive (12.05.2009, 20:22 Uhr)
Hohe Autorität
Das Gesetz Hadopi, selbst wenn es im Senat durchkommt, wird niemals anwendbar sein. Da Gesetze erst durch Dekret in Kraft treten, wird es wohl lange dauern, bis es unterzeichnet wird, wenn überhaupt.
Da hat Sarko mal wieder ein Geschenk für seine Freunde aus dem Showbiz machen wollen.
Aber konkret: ich habe Triple-play und daran hängen vier Computer, 2 über Wlan (Wifi) Wie soll ich da kontrollieren, wer was wann herunterlädt. Legal oder illegal. Wenn mir dann der Internet-Zugang gesperrt werden sollte, stehe ich in der Wüste. Kein Telefon, kein Internet, kein Fernsehen. Das ist Freiheitsberaubung und Raubrittertum, da ich meinen Anschluss auch weiterhin bezahlen muss. Das Gesetz hält keiner europäischen Gesetzgebung stand.
tobix (12.05.2009, 19:35 Uhr)
Unverhältnismäßig
Mal davon abgesehen, dass ich mir noch nicht vorstellen kann, wie das funktionieren soll (bspw. mehrere Benutzer/Anschluss, beruflich benötigt, Internet am Arbeitsplatz, etc.): Wie kann es sein, dass für ein vor allem zivilrechtlich relevantes Vergehen gleich ein derartiges Strafmaß angesetzt wird? Das Internet nimmt mittlerweile einen derart hohen Stellenwert ein, da müsste schon etwas anderes vorliegen, um eine Sperre zu rechtfertigen (bspw. wie beim Auto eine Gefährdung anderer). Und dann noch ohne Richter...
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@bR4iNST0RM: Volle Zustimmung.
Blacky007 (12.05.2009, 19:29 Uhr)
Müsste man mal mit Politikern machen
nach dreimaligem Scheissebauen ab in den Knast. Da wären die Knäste recht schnell überfüllt und die Palamente menschenleer.
bR4iNST0RM (12.05.2009, 18:45 Uhr)
Gleich und Gleicher?
Der Vergleich hinkt vielleicht, aber dennoch finde ich eines Erstaunlich: wenn die Industrie an die Verantwortlichen ran möchte, die illegal Daten saugen und eventuell verkaufen, ist das fast ein Selbstgänger. Wenn aber der Bürger an die Verantwortlichen ran möchten, die Daten über Kunden, sprich Bürger, illegal saugen und eventuell verkaufen, muss erst eine ganze Reihe von Instanzen durchlaufen werden, wobei der Erfolg oft ausbleibt.
Sehr interessant, wie ich finde.
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